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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunner.

Cusa,  den  er  wohl  gekannt  haben  muss,  erwähnt  er  mit  keinem
Worte;  es  hängt  dies  offenbar  mit  der  politischen  Stellung
der  beiden  Männer  zusammen.  Ausserdem  führt  Zoestius  eine
Stelle  aus  Sigibert  von  Gembloux  und  Stellen  aus  zwei  alten
Computi  an,  welche  sich  jedoch  auf  die  Frage  der  Passio
Christi  und  der  damit  in  Verbindung  stehenden  Kritik  der
Dionysischen  Aera  beziehen,  daher  nicht  in  den  Rahmen  unserer
Betrachtung  gehören.
Nach  Aufzählung  dieser  seiner  Quellen  und  Anführung
dreier  Beispiele  von  falscher  Osterberechnung  (1433  und  1437
um  8  Tage,  1432  um  4  und  1424  um  5  Wochen)  spricht  Zoestius
von  den  verderblichen  Folgen,  die  diese  Fehler  für  das  Ansehen ­
  der  Kirche  nach  sich  ziehen.  Unter  andern  sei  da  anzuführen ­
  das  Aergerniss,  welches  den  ungebildeten  Leuten
gegeben  werde.  Ja  es  sei  so  weit  gekommen,  dass  man  in
Deutschland  einen  Reim  gemacht  habe,  um  durch  ihn  Ostern
bestimmen  zu  können,  da  man  durch  Befolgung  der  Osterregel
und  Beobachtung  des  Himmels  doch  nicht  mehr  im  Stande  ist,
dies  zu  thun.  Derselbe  laute:
Nach  dem  obrist  drew  monat  new,
Darnach  der  dritt  suntag  ist  der  heilig  ostertag.  1

1  Hermann  gibt  uns  dafür  folgende  lateinische  Uebersetzung:
Post  regum  festa  quaeras  novilunia  terna
Solis  terna  dies  succedens  pascha  tenebitur.
Diese  Regel  ist  richtig.  Für  den  Fall  der  äussersten  Hinausschiebung  von
Ostern  muss  Neumond  auf  den  6.  Jänner  fallen;  zählt  man  von  da
weiter  den  hohlen  Februarmonat,  vollen  März  und  hohlen  Aprilmonat,  so
erhält  man  am  4.  April  den  3.  Neumondstag  nach  dem  Feste  der  heiligen
drei  Könige.  Wieder  für  den  oben  angenommenen  Fall  muss  an  diesem
4.  April  Sonntag  sein;  zählt  man  von  da  3  Sonntage  weiter,  so  erhält
man  den  25.  April  als  den  Ostersonntag,  welcher  dem  spätesten  Ansätze
entspricht.  Umgekehrt  muss  für  den  Fall  des  frühesten  Ostertages  auf
den  7.  Jänner  Neumond  fallen;  zählt  man  von  da  noch  2  Mondmonate
weiter,  erhält  man  den  7.  März  als  3.  Neumondstag  nach  dem  6.  Jänner.
Für  den  angenommenen  Fall  muss  dieser  ein  Samstag  sein,  wobei  sich
dann  der  22.  März  als  3.  Sonntag  nach  dem  Neumond,  also  als  Ostertag
ergibt.  Man  sieht,  diese  Regel  konnte  in  den  Augen  des  Mönches  nur
deshalb  Aergerniss  gebend  erscheinen,  weil  sie  die  cyclische  Berechnung ­
  der  Kirche  bei  Seite  setzt.
            
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