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Kaltenbrunner.
Cusa, den er wohl gekannt haben muss, erwähnt er mit keinem
Worte; es hängt dies offenbar mit der politischen Stellung
der beiden Männer zusammen. Ausserdem führt Zoestius eine
Stelle aus Sigibert von Gembloux und Stellen aus zwei alten
Computi an, welche sich jedoch auf die Frage der Passio
Christi und der damit in Verbindung stehenden Kritik der
Dionysischen Aera beziehen, daher nicht in den Rahmen unserer
Betrachtung gehören.
Nach Aufzählung dieser seiner Quellen und Anführung
dreier Beispiele von falscher Osterberechnung (1433 und 1437
um 8 Tage, 1432 um 4 und 1424 um 5 Wochen) spricht Zoestius
von den verderblichen Folgen, die diese Fehler für das Ansehen
der Kirche nach sich ziehen. Unter andern sei da anzuführen
das Aergerniss, welches den ungebildeten Leuten
gegeben werde. Ja es sei so weit gekommen, dass man in
Deutschland einen Reim gemacht habe, um durch ihn Ostern
bestimmen zu können, da man durch Befolgung der Osterregel
und Beobachtung des Himmels doch nicht mehr im Stande ist,
dies zu thun. Derselbe laute:
Nach dem obrist drew monat new,
Darnach der dritt suntag ist der heilig ostertag. 1
1 Hermann gibt uns dafür folgende lateinische Uebersetzung:
Post regum festa quaeras novilunia terna
Solis terna dies succedens pascha tenebitur.
Diese Regel ist richtig. Für den Fall der äussersten Hinausschiebung von
Ostern muss Neumond auf den 6. Jänner fallen; zählt man von da
weiter den hohlen Februarmonat, vollen März und hohlen Aprilmonat, so
erhält man am 4. April den 3. Neumondstag nach dem Feste der heiligen
drei Könige. Wieder für den oben angenommenen Fall muss an diesem
4. April Sonntag sein; zählt man von da 3 Sonntage weiter, so erhält
man den 25. April als den Ostersonntag, welcher dem spätesten Ansätze
entspricht. Umgekehrt muss für den Fall des frühesten Ostertages auf
den 7. Jänner Neumond fallen; zählt man von da noch 2 Mondmonate
weiter, erhält man den 7. März als 3. Neumondstag nach dem 6. Jänner.
Für den angenommenen Fall muss dieser ein Samstag sein, wobei sich
dann der 22. März als 3. Sonntag nach dem Neumond, also als Ostertag
ergibt. Man sieht, diese Regel konnte in den Augen des Mönches nur
deshalb Aergerniss gebend erscheinen, weil sie die cyclische Berechnung
der Kirche bei Seite setzt.