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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltontorunnei*.

wurde,  der  Cyclus  lunaris  gesetzt  werde,  der  für  das  Jahr
1439  XII  sei.  Von  diesem  aus  soll  dann  weiter  gezählt  und
der  neue  Cyclus  ,cyclus  aureus'  genannt  werden.
Cusanus  will  also  eine  Woche  ausgelassen  wissen,  nicht
etwa  um  das  Sonnenjahr  zu  corrigiren,  sondern  lediglich  aus
Rücksicht  für  den  Mondkalender.
Ich  wähle  —  um  dies  klar  zu  machen  -—■  ein  concretes
Beispiel.  Im  Jahre  1439  (num.  aur.  XV)  tritt  nach  dem  kirchlichen ­
  Kalender  ein  Neumond  am  15.  Juli  ein.  Indem  7  Tage
ausgelassen  wurden,  wurde  aus  diesem  15.  ein  22.  Juli.  Nun
betrug  damals  der  Fehler  des  Lunarkalenders  etwa  4  Tage;
es  musste  also,  um  den  richtigen  Neumond  zu  erhalten,  von
diesem  22.  Juli  um  4  Tage  zurückgegangen  werden  und  so
gelangte  man  auf  den  18.  Juli  als  den  richtigen  Neumondstag. ­
  Jener  numerus  aureus  also,  welcher  zu  demselben  verzeichnet ­
  steht,  zeigt  die  wirklichen  (mittleren)  Neumonde  des
Jahres  1439  an  und  erfüllt  so  die  Aufgabe,  welche  dem  laufenden ­
  numerus  aureus  XV  zugemuthet  wurde.  Sobald  man  also  die
Reihe  der  numeri  aurei  unterbrach  und  dafür  von  jenem  weiterzählte, ­
  konnte  man  aus  dem  Kalender  wieder  annähernd  richtig
die  Neumonde  ablesen.  Nun  traf  es  sich  gerade,  dass  diese  neue
Reihe  in  demselben  Verhältniss  zu  den  bisher  laufenden  numeri
aurei  stand,  als  die  kirchlichen  Cyclenzahlen  zu  den  Zahlen  des
griechischen  Cyclus  lunaris  also  regelmässig  um  3  kleiner  (respect.
um  16  grösser)  waren.  Wurde  also  im  Jahre  1439  aureus  cyclus
XII  gesetzt  und  von  dieser  Zahl  weitergezählt,  so  war  der  Mondkalender ­
  annähernd  corrigirt,  ohne  dass  in  den  Kalendertafeln
selbst  eine  Aenderung  nöthig  gewesen  wäre;  nur  musste  man
jetzt  die  Stellung  eines  Jahres  innerhalb  des  Cyclus  nicht
annus  incarn.  +  1

durch  die  Formel

19

num.  aureus,  sondern

durch

annus  incarn.

19

-f-  aureus  cyclus  bestimmen.

Wenn  nun  aber  Cusanus  in  der  folgenden  Anpreisung
seines  Vorschlages  auch  hervorhebt,  dass  von  nun  an  die  Kirche
ganz  übereinstimmend  mit  den  Griechen  Ostern  berechnen
werde,  so  irrt  er  gewaltig;  •  die  Griechen  hätten  eben  so  gut  wie
die  Kirche  ihren  Kalender  ändern  müssen,  denn  der  ihrige

war

gerade  so  fehlerhaft  als  der  abendländische;  und

nur
            
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