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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunner.

von  1436  durch  304  vier  volle  Tage  und  als  Rest  die  Anticipatio
  in  220  Jahren,  welche  der  angegebenen  Stundenzahl
beiläufig  entspricht.
Cusanus  gibt  hierauf  eine  historische  Darlegung  der  Mondcyclen
  von  der  Octaeteris  an  bis  zum  Cyclus  des  Eusebius  und
langt  endlich  bei  dem  dreißigjährigen  Cyclus  der  Araber  an,
den  auch  er  als  den  einzig  richtigen  anerkennt.  Sowie  seine
Vorgänger,  folgert  er  daraus,  dass  19  kein  Theil  und  kein  Vielfaches ­
  von  19  ein  Vielfaches  von  30  ist,  dass  keiner  der  von
der  Kirche  aufgestellten  Cyclen  genau  sein  könne;  dem  neunzehnjährigen ­
  macht  er  noch  besonders  zum  Vorwurf,  dass  er  auf
den  Wechsel  der  bissexti  innerhalb  der  einzelnen  Cyclen  keine
Rücksicht  nimmt.  Cusanus  kommt  endlich  zu  dem  Schlüsse,
dass  der  numerus  aureus  der  Kirche  sehr  fehlerhaft  sei,  und
dass  derselbe  schon  von  Julius  Cäsar  dem  Kalender  eingeschrieben ­
  sein  müsse.  Als  Grund  liiefür  führt  er  die  Kalenderreform ­
  des  Augustus  an;  er  kann  sich  gar  nicht  vorstellen,
dass  schon  36  Jahre  nach  dem  Edicte  Cäsars  das  Zurückweichen ­
  der  Jahrpunkte  bemerkt  werden  konnte  und  bezieht
die  damalige  Auslassung  der  bissexti  auf  die  Correctur  des
Mondjahres,  respective  des  numerus  aureus,  während  bekanntlich ­
  die  Correctur  unter  Augustus  sich  nur  auf  die  richtige  Auslegung ­
  des  ,quarto  quoque  anno'  im  Kalenderedict  Cäsars
bezog.  Als  weiteren  Grund  führt  Cusanus  an,  dass  im  grossen
532jährigen  Cyclus  das  Geburtsjahr  Christi  die  20.  Stelle
einnehme;  wobei  er  eben  nicht  bedachte,  dass  man  die  Cyclen
auch  nach  rückwärts  cpnstruirte;  schliesslich,  dass,  als  Anatolius,
  um  300  nach  Christi,  seinen  Cyclus  begründete,  bereits
die  Anticipatio  der  Neumonde  1  Tag  betragen  haben  müsse,
denn  sonst  hätte  Anatolius  im  cycl.  lun.  XIX  (mim.  aur.  III.)
nicht  zum  25.  März  luna  XXVI  setzen  können.  1
Nun  kommt,  Cusanus  auf  die  Osterfeier  zu  sprechen,  für
deren  Geschichte  ihm  die  Kirchengeschichte  des  Eusebius  und
Hieronymus:  de  illustribus  viris,  Quellen  sind.  Er  analysirt
1  Nach  dem  Julianisehen  Kalender  des  Mittelalters  fällt  luna  XXVI  im
num.  aur.  III.  auf  den  26.  März.  —  Woher  Cusanus  den  Cyclus  des
Anatolius  kennt,  ist  schwer  zu  sagen.  Wir  wissen  nur  aus  Eusebius  von
diesem  gelehrten  Alexandriner  und  können  aus  dessen  spärlichen  Notizen
kaum  die  Ostertafel  zusammenstellen.  (Ideler.  II.  227  u.  ff.)
            
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