Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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er über die Verbesserung des Kalenders, für die er als Erster
einen bestimmt formulirten Vorschlag macht.
Die ungemeine Sachkenntnis, die seine beiden neueren
Biographen ihm bei dem Tractate nachrühmen, muss man nun
unbedingt — was Geschichte des Kalenders und der Astronomie
anbelangt — gelten lassen; man kann in dieser Hinsicht
Cusanus als Ersten in die Reihe der Chronologen der nächsten
Jahrhunderte — des Paulus von Middelburg, Scaliger und Petavius
— stellen.
Nach einer übersichtlichen Darstellung der verschiedenen
Jahresformen und Jahresepochen der Völker und nach einem
Hinweis auf jene Werke, aus denen man darüber Belehrung
schöpfen kann, geht Cusanus auf die Fehler des Sonnenjahres
ein. Er kennt da die Jahresansätze des Ptolomäus, Albategni,
Sacro-Bosco 1 und Alphons; zu dem zeigt er sich mit der arabischen
Litteratur wohlvertraut. Gestützt auf die vielfach abweichenden
Tafeln und Beobachtungen, und besondere Rücksicht
darauf nehmend, dass die Beobachtungen des Jahres 1290
auch die Alphonsinischen Tafeln fehlerhaft gezeigt haben, 2 erklärt
Cusanus, man könne da nichts Besseres thun, als das
Mittel ziehen und annehmen, dass etwa alle 150 Jahre die
Jahrpunkte um 1 Tag im Kalender zurückgehen. Wir werden
später die üblen Folgen dieser Vorsicht kennen lernen.
Ebenso belesen zeigt sich Cusanus bei Besprechung des
Mondjahres; nach seiner Ansicht befindet man sich da in einer
besseren Lage, indem man die leichte Controle am Himmel
hat und ausserdem durch die Finsternisse genau die mittlere
Dauer eines Mondmonats bestimmen kann. Er gibt nun den
jetzigen Fehler des Mondkalenders nach den Alphonsinischen
Tafeln zu 4 Tagen 15 Stunden an. Dieser viel zu hohe Ansatz
erklärt sich dadurch, dass Cusanus — sowie mancher
seiner Vorgänger — der irrigen Ansicht ist, dass der numerus
aureus bereits zur Zeit Christi im Gebrauch gewesen sei. Da
er, dem gewöhnlichen Ansätze folgend, annahm, dass der Fehler
ln 304 Jahren 1 Tag betrage, so erhielt er durch Division
1 Vergl. pag. 298, Anmerkung. 2.
2 Es sind liier die Beobachtungen des Heinrich Batem gemeint. Nicolaus
von Cusa führt ihn später namentlich an.