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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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er  über  die  Verbesserung  des  Kalenders,  für  die  er  als  Erster
einen  bestimmt  formulirten  Vorschlag  macht.
Die  ungemeine  Sachkenntnis,  die  seine  beiden  neueren
Biographen  ihm  bei  dem  Tractate  nachrühmen,  muss  man  nun
unbedingt  —  was  Geschichte  des  Kalenders  und  der  Astronomie ­
  anbelangt  —  gelten  lassen;  man  kann  in  dieser  Hinsicht
Cusanus  als  Ersten  in  die  Reihe  der  Chronologen  der  nächsten
Jahrhunderte  —  des  Paulus  von  Middelburg,  Scaliger  und  Petavius
  —  stellen.
Nach  einer  übersichtlichen  Darstellung  der  verschiedenen
Jahresformen  und  Jahresepochen  der  Völker  und  nach  einem
Hinweis  auf  jene  Werke,  aus  denen  man  darüber  Belehrung
schöpfen  kann,  geht  Cusanus  auf  die  Fehler  des  Sonnenjahres
ein.  Er  kennt  da  die  Jahresansätze  des  Ptolomäus,  Albategni,
Sacro-Bosco  1  und  Alphons;  zu  dem  zeigt  er  sich  mit  der  arabischen ­
  Litteratur  wohlvertraut.  Gestützt  auf  die  vielfach  abweichenden ­
  Tafeln  und  Beobachtungen,  und  besondere  Rücksicht ­
  darauf  nehmend,  dass  die  Beobachtungen  des  Jahres  1290
auch  die  Alphonsinischen  Tafeln  fehlerhaft  gezeigt  haben, 2  erklärt ­
  Cusanus,  man  könne  da  nichts  Besseres  thun,  als  das
Mittel  ziehen  und  annehmen,  dass  etwa  alle  150  Jahre  die
Jahrpunkte  um  1  Tag  im  Kalender  zurückgehen.  Wir  werden
später  die  üblen  Folgen  dieser  Vorsicht  kennen  lernen.
Ebenso  belesen  zeigt  sich  Cusanus  bei  Besprechung  des
Mondjahres;  nach  seiner  Ansicht  befindet  man  sich  da  in  einer
besseren  Lage,  indem  man  die  leichte  Controle  am  Himmel
hat  und  ausserdem  durch  die  Finsternisse  genau  die  mittlere
Dauer  eines  Mondmonats  bestimmen  kann.  Er  gibt  nun  den
jetzigen  Fehler  des  Mondkalenders  nach  den  Alphonsinischen
Tafeln  zu  4  Tagen  15  Stunden  an.  Dieser  viel  zu  hohe  Ansatz ­
  erklärt  sich  dadurch,  dass  Cusanus  —  sowie  mancher
seiner  Vorgänger  —  der  irrigen  Ansicht  ist,  dass  der  numerus
aureus  bereits  zur  Zeit  Christi  im  Gebrauch  gewesen  sei.  Da
er,  dem  gewöhnlichen  Ansätze  folgend,  annahm,  dass  der  Fehler
ln  304  Jahren  1  Tag  betrage,  so  erhielt  er  durch  Division
1  Vergl.  pag.  298,  Anmerkung.  2.
2  Es  sind  liier  die  Beobachtungen  des  Heinrich  Batem  gemeint.  Nicolaus
von  Cusa  führt  ihn  später  namentlich  an.
            
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