340
Kaltenbrunn er
geworden, wenn man nur einigermassen die Anticipatio des Aeqitinoctiums
berücksichtigt und dabei an dem Satze festgehalten
hätte, dass derjenige Monat der erste des österlichen Jahres
sein solle, dessen Vollmond auf oder zunächst nach dem Aequinoctium
vernum fällt. Dazu kam, dass man sich bewusst war,
die genaue Dauer des tropischen Jahres nicht zu kennen, daher
auch nicht mit Sicherheit das Aequinoctium richtig ansetzen
zu können. Nicolaus von Cusa werden wir später unentschlossen
und rathlos vor den verschiedenen Ansätzen des tropischen
Jahres stehen sehen, und Hermann Zoestius erklärt, es kühn
und offen aussprechen zu wollen, dass man mit den Alphonsinischen
Tafeln die Jahrpunkte durchaus nicht genau bestimmen
könne; er selbst habe das mit Hülfe eines grossen Gnomon am
Sommcrsolstitium erprobt.
So liess man denn, wie Zoestius meldet, diesen Vorschlag
fallen. Der zweite sei nun gewesen, - dass nach Auslassung
einer Woche und der Verwandlung des aureus numerus in
den cyclus -lunarus weiter nichts am Kalender geändert werde.
Für Ersteres habe man vier verschiedene Arten in Berathung
gezogen; es könnten nämlich 28 Jahre hindurch die Schaltjahre
zu Gemeinjahren erklärt, oder in einem Jahre die 3ltägigen
Monate 30tägig gesetzt, oder es könnte durch 7 Jahre hindurch
je 1 Tag ausgelassen werden. Diese drei Modi seien jedoch
verworfen worden, da durch sie die Reihe der Sonntagsbuchstaben
gestört worden wäre. Dagegen habe allgemein die vierte
Art gefallen, dass nämlich im Mai des Jahres 1439 7 Tage
ausgelassen werden sollen.
Dieser Vorschlag ging von Nicolaus von Cusa aus, dessen
ausführliche Begründung wir später noch kennen lernen werden,
und das gleiche ist im Avisämentum vorgeschlagen. Dasselbe
ist ein ziemlich umfangreiches Actenstück, das sich in drei
Abschnitte gliedert. Dem wird gleich in den folgenden Eingangsworten
Ausdruck gegeben: ,tria in considerationem veniunt
in Kalendarii correctione, primurn quod corrigi debet, secundum
quare, tertium qualiterh Demgemäss werden zuerst die
achtzigjährigen Cyclus aber, welche Aequinoctium vernum auf den 18. Marz
setzen, feierten in den den beiden Cyclenzahlen entsprechenden Jahren
Ostern um 4—5 Wochen früher, da für sie schon der vorhergehende
Vollmond am 19. und 18. März zum terminus paschalis geeignet war.