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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunn  er

geworden,  wenn  man  nur  einigermassen  die  Anticipatio  des  Aeqitinoctiums
  berücksichtigt  und  dabei  an  dem  Satze  festgehalten
hätte,  dass  derjenige  Monat  der  erste  des  österlichen  Jahres
sein  solle,  dessen  Vollmond  auf  oder  zunächst  nach  dem  Aequinoctium
  vernum  fällt.  Dazu  kam,  dass  man  sich  bewusst  war,
die  genaue  Dauer  des  tropischen  Jahres  nicht  zu  kennen,  daher
auch  nicht  mit  Sicherheit  das  Aequinoctium  richtig  ansetzen
zu  können.  Nicolaus  von  Cusa  werden  wir  später  unentschlossen
und  rathlos  vor  den  verschiedenen  Ansätzen  des  tropischen
Jahres  stehen  sehen,  und  Hermann  Zoestius  erklärt,  es  kühn
und  offen  aussprechen  zu  wollen,  dass  man  mit  den  Alphonsinischen
  Tafeln  die  Jahrpunkte  durchaus  nicht  genau  bestimmen
könne;  er  selbst  habe  das  mit  Hülfe  eines  grossen  Gnomon  am
Sommcrsolstitium  erprobt.
So  liess  man  denn,  wie  Zoestius  meldet,  diesen  Vorschlag
fallen.  Der  zweite  sei  nun  gewesen,  -  dass  nach  Auslassung
einer  Woche  und  der  Verwandlung  des  aureus  numerus  in
den  cyclus  -lunarus  weiter  nichts  am  Kalender  geändert  werde.
Für  Ersteres  habe  man  vier  verschiedene  Arten  in  Berathung
gezogen;  es  könnten  nämlich  28  Jahre  hindurch  die  Schaltjahre
zu  Gemeinjahren  erklärt,  oder  in  einem  Jahre  die  3ltägigen
Monate  30tägig  gesetzt,  oder  es  könnte  durch  7  Jahre  hindurch
je  1  Tag  ausgelassen  werden.  Diese  drei  Modi  seien  jedoch
verworfen  worden,  da  durch  sie  die  Reihe  der  Sonntagsbuchstaben ­
  gestört  worden  wäre.  Dagegen  habe  allgemein  die  vierte
Art  gefallen,  dass  nämlich  im  Mai  des  Jahres  1439  7  Tage
ausgelassen  werden  sollen.
Dieser  Vorschlag  ging  von  Nicolaus  von  Cusa  aus,  dessen
ausführliche  Begründung  wir  später  noch  kennen  lernen  werden,
und  das  gleiche  ist  im  Avisämentum  vorgeschlagen.  Dasselbe
ist  ein  ziemlich  umfangreiches  Actenstück,  das  sich  in  drei
Abschnitte  gliedert.  Dem  wird  gleich  in  den  folgenden  Eingangsworten ­
  Ausdruck  gegeben:  ,tria  in  considerationem  veniunt
in  Kalendarii  correctione,  primurn  quod  corrigi  debet,  secundum
  quare,  tertium  qualiterh  Demgemäss  werden  zuerst  die
achtzigjährigen  Cyclus  aber,  welche  Aequinoctium  vernum  auf  den  18.  Marz
setzen,  feierten  in  den  den  beiden  Cyclenzahlen  entsprechenden  Jahren
Ostern  um  4—5  Wochen  früher,  da  für  sie  schon  der  vorhergehende
Vollmond  am  19.  und  18.  März  zum  terminus  paschalis  geeignet  war.
            
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