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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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verlas  der  Notar  der  Deputatio  de  Pace  eine  Schrift,  welche
die  Ermahnung-  enthielt,  dass  die  Kirche  auch  eingehen  müsse
auf  die  Bitten  der  Leute  niederen  Standes.  Da  nun  von  Anfang
an  die  numeri  aurei  in  den  Kalender  falsch  eingestellt  wurden,
weshalb  die  Ungläubigen  die  Kirche  verlachen  und  viele  der
Christen  ihre  Kalender  der  Wahrheit  gemäss  eingerichtet  haben,
so  möge  die  heilige  Synode  einige  Deputirte  wählen,  welche
mit  Herbeiziehung  erfahrener  Astronomen  für  die  Verbesserung
des  Kalenders  Sorge  tragen  sollen.  Es  wurde  hierauf  beschlossen,
dass  hiezu  der  Cardinal  von  Bologna  bestimmt  werde,  welcher
sich  nach  Belieben  einige  Berather  beigesellen  möge.  Es  wurde
nun  unter  der  Leitung  des  Cardinais,  und  auch  nach  dessen  Abgang ­
  vom  Concil,  viel  unter  den  Deputirten  darüber  verhandelt,
und  endlich  wurde  im  März  des  Jahres  1437,  in  einer  Versammlung- ­
  der  Concilsväter  im  Kefectorium  der  Minoriten,  der  Bericht
und  Vorschlag  der  Commission  durch  den  Cardinal  Nicolaus
von  Cusa  vorgetragen.  In  demselben  wurde  beantragt,  dass  im
Jahre  1439  vom  Monate  Juni  sieben  Tage  ausgelassen  werden
sollen.  Der  Berichterstatter  versicherte,  dass  dadurch  der  ursprüngliche ­
  Stand  des  Kalenders  wieder  hergestellt,  und  wenn
man  in  Zukunft  alle  304  Jahre  1  Tag  einschalten  würde,  1  der
Kalender  für  immer  in  Ordnung  bleiben  werde.  Da  kam  aber
Hermann,  Mönch  des  Klosters  N.,  dazwischen  und  machte
mehrere  Jahre  hindurch  grosse  Anstrengungen,  dass  die  sieben
Tage  nicht  aus  dem  Juni  sondern  vom  Mai  oder  October  weggelassen
  werden  sollten.  Nachdem  aber  endlich  den  Deputirten
die  Vollmacht  gegeben  worden  war,  das  Decret  darüber  abzutassen,
  so  wurde  dasselbe  —  freilich  zur  Unzeit  —  hauptsächlich ­
  durch  die  Mühewaltung  des  Hermann  ausgearbeitet,  auf
dass  es  in  der  ganzen  Christenheit  verkündet  werde.  Aber  da
damals  die  Kirche  unter  der  Zwietracht  zweier  Concile  litt,  indem ­
  nach  der  Suspension  Eugen  IV.  die  einen  dem  Concil
von  Basel,  die  andern  jenem  von  Ferara  gehorchten,  so  be-1
  Anders  kann  die  Stelle  nicht  aufgefasst  werden.  Johannes  de  Segovia
schreibt:  Affirmabatque  relator,  ut  comparato  celi  cursu  ad  computum
Kalendarii,  ne  error  in  futurum  contingeret,  in  singulis  304  annis  oporteret
  intercalari  unum  diem,  quod  haetinus  quia  factum  non  existerat,
ideo  in  Kalendario  reperiebatur  error.  Vielleicht  ist  zwischen  oporteret
und  intercalari  ein  desistere  einzuschalten;  dann  wäre  die  Stelle  richtig.
            
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