Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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dagegen jetzt in diesen Dingen bei den Dienern, vorzüglich
aber bei den Vorstehern der Kirche die Sorgfalt geschwunden
und hat einer Nachlässigkeit Platz gemacht, die ruhig zusieht
wie schon seit Jahrhunderten das Osterfest falsch gefeiert wird.
Deshalb habe er — fährt Piere d’Ailly fort — dieses Buch
aus bewährten Aussprüchen verschiedener Autoren zusammengeschrieben,
auf dass es — einem Jagdhund vergleichbar —
die allgemeine Versammlung der Bischöfe aufreize, diesen Irrtlmm
aus der heiligen Kirche zu jagen. Denn jetzt bietet sich
zu diesem Unternehmen die geeignetste Gelegenheit, da die
erwünschte Zeit und der Tag des Heiles gekommen ist, an
welchem, gemäss dem Decrete des letzten Concils von Pisa,
eine allgemeine Synode abgehalten werden muss. Diese wird
vor Allem die Aufgabe haben, die in arger Zerrüttung liegende
Kirche zu reformiren. Neben den vielen Mängeln, deren Beseitigung
er an anderem Orte angeführt habe, 1 darf auch der Fehler
des Kalenders durchaus nicht ausser Acht gelassen werden. Piere
d’Ailly’s Werk ist — wie er selbst sagt — eine Compilation.
So besteht denn seine Bedeutung nicht so in dem in ihm gebotenen
Materiale, als in der bedeutsamen Persönlichkeit des
Autors. Er führt in der Einleitung von den mittelalterlichen
Computisten den Gerlandus, Sacro-Bosco und'Grosseteste an.
Ersterer kommt hier nicht in Betracht und an Sacro-Bosco
tindet sich nur ein einziger Anklang. Dagegen hat er viel den
letzteren benützt und beruft sich oft direct auf ihn. Ausserdem
muss ihm auch Roger Bacon Vorgelegen haben, wie aus
dem Folgenden hervorgehen wird.
Der Tractat ist in sechs Capitel getheilt, von denen das
erste die schon besprochene Vorrede enthält. Das zweite handelt
von den drei Hauptfehlern des Kalenders. Den Fehler
des Sonnenjahres setzt er nach den Alphonsinischen Tafeln
an und beruft sich darauf, dass er darüber ausführlich am
Ende seines Tractates de legibus et sortibus geschrieben habe. 2
1 Er that dies in der Schrift: Capitula reformationis ecclesiae. (Wessenb. 108.)
2 Es ist dies offenbar ein Fehler der Handschriften (auch cod. 5266 hat
ihn). Es muss heissen de legibus et sectis, an dessen Schluss wirklich
Piere d’Ailly über die verschiedenen Ansätze des Sonnenjahres handelt.
Denselben Gegenstand bespricht er auch im Tractate de concordia astronomicae
cum theologica et historica veritate (Cod. 5266. fol. 39).