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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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dagegen  jetzt  in  diesen  Dingen  bei  den  Dienern,  vorzüglich
aber  bei  den  Vorstehern  der  Kirche  die  Sorgfalt  geschwunden
und  hat  einer  Nachlässigkeit  Platz  gemacht,  die  ruhig  zusieht
wie  schon  seit  Jahrhunderten  das  Osterfest  falsch  gefeiert  wird.
Deshalb  habe  er  —  fährt  Piere  d’Ailly  fort  —  dieses  Buch
aus  bewährten  Aussprüchen  verschiedener  Autoren  zusammengeschrieben, ­
  auf  dass  es  —  einem  Jagdhund  vergleichbar  —
die  allgemeine  Versammlung  der  Bischöfe  aufreize,  diesen  Irrtlmm
  aus  der  heiligen  Kirche  zu  jagen.  Denn  jetzt  bietet  sich
zu  diesem  Unternehmen  die  geeignetste  Gelegenheit,  da  die
erwünschte  Zeit  und  der  Tag  des  Heiles  gekommen  ist,  an
welchem,  gemäss  dem  Decrete  des  letzten  Concils  von  Pisa,
eine  allgemeine  Synode  abgehalten  werden  muss.  Diese  wird
vor  Allem  die  Aufgabe  haben,  die  in  arger  Zerrüttung  liegende
Kirche  zu  reformiren.  Neben  den  vielen  Mängeln,  deren  Beseitigung ­
  er  an  anderem  Orte  angeführt  habe, 1  darf  auch  der  Fehler
des  Kalenders  durchaus  nicht  ausser  Acht  gelassen  werden.  Piere
d’Ailly’s  Werk  ist  —  wie  er  selbst  sagt  —  eine  Compilation.
So  besteht  denn  seine  Bedeutung  nicht  so  in  dem  in  ihm  gebotenen ­
  Materiale,  als  in  der  bedeutsamen  Persönlichkeit  des
Autors.  Er  führt  in  der  Einleitung  von  den  mittelalterlichen
Computisten  den  Gerlandus,  Sacro-Bosco  und'Grosseteste  an.
Ersterer  kommt  hier  nicht  in  Betracht  und  an  Sacro-Bosco
tindet  sich  nur  ein  einziger  Anklang.  Dagegen  hat  er  viel  den
letzteren  benützt  und  beruft  sich  oft  direct  auf  ihn.  Ausserdem ­
  muss  ihm  auch  Roger  Bacon  Vorgelegen  haben,  wie  aus
dem  Folgenden  hervorgehen  wird.
Der  Tractat  ist  in  sechs  Capitel  getheilt,  von  denen  das
erste  die  schon  besprochene  Vorrede  enthält.  Das  zweite  handelt ­
  von  den  drei  Hauptfehlern  des  Kalenders.  Den  Fehler
des  Sonnenjahres  setzt  er  nach  den  Alphonsinischen  Tafeln
an  und  beruft  sich  darauf,  dass  er  darüber  ausführlich  am
Ende  seines  Tractates  de  legibus  et  sortibus  geschrieben  habe. 2
1  Er  that  dies  in  der  Schrift:  Capitula  reformationis  ecclesiae.  (Wessenb.  108.)
2  Es  ist  dies  offenbar  ein  Fehler  der  Handschriften  (auch  cod.  5266  hat
ihn).  Es  muss  heissen  de  legibus  et  sectis,  an  dessen  Schluss  wirklich
Piere  d’Ailly  über  die  verschiedenen  Ansätze  des  Sonnenjahres  handelt.
Denselben  Gegenstand  bespricht  er  auch  im  Tractate  de  concordia  astronomicae
  cum  theologica  et  historica  veritate  (Cod.  5266.  fol.  39).
            
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