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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kalte  nbrunner.

3.  Um  diese  Zeit  liess  sich  auch  in  der  griechischen
Kirche  eine  Stimme  vernehmen,  welche  die  Fehler  des  Kalenders ­
  offenbar  machte.  Im  Jahre  1372/3  schrieb  der  Mönch  Isaac
Argyrus  1  einen  Computus,  d.  h.  eine  Anweisung  zur  Osterberechnung, ­
  die  zuerst  Scaliger 2  theilweise  und  hierauf  Petavius
 3  ganz  abgedruckt  haben.
Isaac  theilt  seinen  Computus  in  16.  Capitel,  von  denen
das  letzte  von  den  Fehlern  der  Osterberechnung  handelt.  Die
Thatsache,  dass  19  Julianische  Jahre  nicht  genau  235  Mondumläufen ­
  entsprechen,  entwickelt  er  in  folgender  Weise:  Er
stellt:
76  solare  Jahre  zu  365'/ 4  Tagen  =  27759  Tagen  gegenüber
75  ägyptische  Jahre 1  zu  365  Tagen  =  27375  Tagen.
8  Minuten  21  Secunden,  bevor  diese  75  Jahre  ablaufen,  nimmt
nun  der  Mond  genau  die  Stellung  ein,  welche  er  bei  Beginn
derselben  hatte,  das  heisst  mit  anderen  Worten:  75  ägyptische
Jahre  sind  um  8  Min.  21  Sec.  länger,  als  die  in  ihnen  enthaltenen ­
  (927)  Lunationen  a  29  T.  31  M.  50  S.  9  T. 5  Da
nun  76  solare  .Jahre  um  384  Tage  länger  sind  als  75  ägyptische, ­
  so  erhalten  wir  einen  Ueberschuss  von  384  T.  8  M.
21  S.  über  die  927  Lunationen.  Diese  Summe  enthält  aber
noch  13  volle  Lunationen  (zu  383  T.  53  M.  52  S.)  und  einen
Ueberschuss  von  14  Min.  29  Sec.  Somit  sind  76  solare  Jahre
=  einer  gewissen  Anzahl  von  Mondumläufen  -4-  14  M.  29.  S. 6
Vervierfacht  man  dies,  so  ergibt  sich,  dass  in  304  Jahren  die
Neumonde  etwa  um  1  Tag  früher  eintreten,  als  sie  im  Kalender ­
  verzeichnet  sind.  Die  Folgen  dieses  Fehlers  und  des  Zurückweichens
  des  Aequin.  vernum,  welches  er  auf  den  15.  März
setzt,  fasst  Isaac  in  folgende  zwei  kurze  Sätze  zusammen:
Sobald  ein  Vollmond  zwischen  dem  15.  und  21.  März  eintritt,
feiert  die  Kirche  Ostern  um  4—5  Wochen,  sobald  Ostervollmond ­
  auf  feria  VI  oder  VII  fällt,  um  8  Tage  zu  spät.
1  Ueber  Isaac  Argyrus  vergl.  Weidler  290.
2  Scaliger  De  einendatione  temporum  (Lüttich  1598)  pag.  310.  nur  das
16.  Capitel.
3  Petavius  Uranologium  (Paris  1630)  pag.  359—382.
4  Es  sind  dies  die  altägyptischen  Wandeljahre,  d.  h.  freie  Sonnenjahre»
mit  12  Monaten  zu  30  Tagen  und  5  Ergänzungstagen  am  Ende.
5  Isaac  wendet  hier  die  pag.  13.  Anmerkg.  (2)  besprochene  Zählung  au.
6  Auf  unsere  Zählung  reducirt  5  Stund.  47  M.  36  S.
            
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