Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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die Neumonde um 1 Tag früher eintreten als sie der Kalender
angibt. Dies hat nun die traurige Folge, dass zum Aergerniss
der Gläubigen in der Kirche Neumond verkündet wird, während
am Himmel bereits die Mondsichel erglänzt, und dass das
Osterfest sehr häufig fehlerhaft gefeiert wird. So wurde im
gegenwärtigen Jahre (1345) Ostern um 8 Tage zu spät gefeiert. 1
Deshalb werden wir auch schon von den Juden und Heiden
verspottet und wir laufen Gefahr, dass ein durch alle kirchliche
Autorität bestätigtes Wunder in seiner Glaubwürdigkeit
erschüttert werde. Sie meinen hiemit die Sonnenfinsterniss heim
Tode Christi, welche namentlich deshalb wunderbar gewesen
sei, weil eben Sonne und Mond in der Opposition standen;
jetzt aber könne es sich einmal ereignen, dass am Charfreitag
Conjunction der beiden Gestirne eintritt und damit sei dann
die Möglichkeit einer Sonnenfinsterniss nicht mehr ausgeschlossen.
Daher müssen die Numeri aurei so im Kalender zurückgerückt
werden, dass solchen Gefahren ein für alle Mal vorgebeugt sei.
Im dritten Tractate geben die Verfasser darüber ihre Ansichten
und Vorschläge die theihveise einen ziemlich mechanischen
Charakter an sich tragen.
Die erste Art Hesse den Kalender selbst ganz unberührt
und nur durch eine beigegebene Tafel würde es ermöglicht
werden, die wirklichen Neumonde zu finden. Sie erklären,
schon viele derartige Kalender gesehen zu haben, halten sie
aber alle für unpraktisch, da die Beibehaltung von Stunden
und Stundentheilen sich mit den der Kirche nöthigen einfachen
Regeln nicht vertrage. Sie wollen daher Muster geben, wie
etwa solche Tafeln einzurichten wären. Sie bringen deren drei,
jedes nur auf 1 Monat gestellt. Die cyclische Zählung lassen auch
sie fallen und gehen nach mittleren Bewegungen vor. Die beiden
ersten Muster unterscheiden sich dadurch von einander, dass
das erste nur 1 Cyclus, das zweite dagegen 4 Cyclen, also einen
grossen sechsundsiebzigjährigen Cyclus umfasst. Das dritte endlich
setzt die Tagesepochen in den einzelnen Jahren verschieden
an, d. h. im ersten Jahre des Cyclus beginnt der Tag mit
1 1345 num. aur. XVI. terrn. pascli. 21. März. In Wirklichkeit trat aber
schon am 18. März lit. fer. 6. Vollmond ein. Da der Sonntagsbuchstahe
B ist, so sollte am 20. März Ostern gesetzt werden, während die Kirche
es erst am 27. feierte.