Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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Vor allem aber ist der Computus major für uns von
grossem Interesse, weil er zuerst und zwar sehr präcise und
klar die Fehler der kirchlichen Osterberechnung bespricht.
(Cap. XXVIII, de er rore sumptionis terminorum quinque festol’um
mobilium et eius quantitate et qualiter errorem conveniat
corrigi). ,Die Ostergrenze ist der Vollmondstag am oder zunächst
nach dem aequinoctium vernum'. ,Da die Kirche beide
Factoren unrichtig ansetzt, so begeht sie in der Bestimmung
des Osterfestes einen doppelten Fehler. 1. Die Kir.che setzt
Aequinoctium vernum auf den 21. März; da es jetzt auf den
14. fällt, 1 so sollte der früheste terminus paschalis nicht auf
den 21., sondern den 14. März gesetzt werden. Einem Vollmond
am 14. entspricht ein Neumond am 1., dieser sollte also
der früheste Frühlings-Neumond sein, nicht der 8. März, wie
die Kirche ansetzt. Sobald also zwischen dem 1. und 8. März
ein Neumond eintritt, begeht sie bei Bestimmung des Osterfestes
einen Fehler von 4 bis 4 Wochen. 2. Ostertag ist der
Sonntag, der nach dem terminus paschalis fällt; da nun die
Kirche an dem Tage Vollmond verzeichnet, an welchem bereits
der Mond um 2 bis 3 Tage abgenommen hat (was man
deutlich an Finsternissen beobachten könne), so begeht sie
einen Fehler von 1 Woche, sobald der terminus paschalis
auf einen Sonntag, Montag oder Dienstag fällt, denn in der
Wirklichkeit ist in diesen Fällen Vollmond bereits am Donnerstag,
Freitag oder Samstag eingetreten/
,Sollen nun diese Fehler corrigirt werden, so ist es nothwendig,
dass die Aequinoctien und die Frühlingsvollmonde
durch astronomische Instrumente und Tafeln genau bestimmt
werden/ Wir finden hier zum ersten Male schüchtern einen Gedanken
ausgesprochen, der sich wie ein rother Faden durch
die ganze Folgezeit hindurchzieht, über den viel unmittelbar
nach der Gregorianischen Kalenderreform gestritten wurde
und der' noch in der periodischen Litteratuf unseres Jahrhunderts
eine Zeitlang eine Rolle gespielt hat. 2
1 Früher setzt Campanus dasselbe auf den 15. März (pag. 301).
2 Ich behalte mir vor, die Polemik über die Gregorianische Kalenderreform
zu bearbeiten. Ueber die diesen Gegenstand betreffende Litteratur des
18. und 19. Jahrhunderts hat Piper in der Geschichte des Osterfestes
nach der Gregorianischen Kalenderreform gehandelt.