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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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Vor  allem  aber  ist  der  Computus  major  für  uns  von
grossem  Interesse,  weil  er  zuerst  und  zwar  sehr  präcise  und
klar  die  Fehler  der  kirchlichen  Osterberechnung  bespricht.
(Cap.  XXVIII,  de  er  rore  sumptionis  terminorum  quinque  festol’um
  mobilium  et  eius  quantitate  et  qualiter  errorem  conveniat
corrigi).  ,Die  Ostergrenze  ist  der  Vollmondstag  am  oder  zunächst ­
  nach  dem  aequinoctium  vernum'.  ,Da  die  Kirche  beide
Factoren  unrichtig  ansetzt,  so  begeht  sie  in  der  Bestimmung
des  Osterfestes  einen  doppelten  Fehler.  1.  Die  Kir.che  setzt
Aequinoctium  vernum  auf  den  21.  März;  da  es  jetzt  auf  den
14.  fällt,  1  so  sollte  der  früheste  terminus  paschalis  nicht  auf
den  21.,  sondern  den  14.  März  gesetzt  werden.  Einem  Vollmond ­
  am  14.  entspricht  ein  Neumond  am  1.,  dieser  sollte  also
der  früheste  Frühlings-Neumond  sein,  nicht  der  8.  März,  wie
die  Kirche  ansetzt.  Sobald  also  zwischen  dem  1.  und  8.  März
ein  Neumond  eintritt,  begeht  sie  bei  Bestimmung  des  Osterfestes ­
  einen  Fehler  von  4  bis  4  Wochen.  2.  Ostertag  ist  der
Sonntag,  der  nach  dem  terminus  paschalis  fällt;  da  nun  die
Kirche  an  dem  Tage  Vollmond  verzeichnet,  an  welchem  bereits ­
  der  Mond  um  2  bis  3  Tage  abgenommen  hat  (was  man
deutlich  an  Finsternissen  beobachten  könne),  so  begeht  sie
einen  Fehler  von  1  Woche,  sobald  der  terminus  paschalis
auf  einen  Sonntag,  Montag  oder  Dienstag  fällt,  denn  in  der
Wirklichkeit  ist  in  diesen  Fällen  Vollmond  bereits  am  Donnerstag, ­
  Freitag  oder  Samstag  eingetreten/
,Sollen  nun  diese  Fehler  corrigirt  werden,  so  ist  es  nothwendig,
  dass  die  Aequinoctien  und  die  Frühlingsvollmonde
durch  astronomische  Instrumente  und  Tafeln  genau  bestimmt
werden/  Wir  finden  hier  zum  ersten  Male  schüchtern  einen  Gedanken ­
  ausgesprochen,  der  sich  wie  ein  rother  Faden  durch
die  ganze  Folgezeit  hindurchzieht,  über  den  viel  unmittelbar
nach  der  Gregorianischen  Kalenderreform  gestritten  wurde
und  der'  noch  in  der  periodischen  Litteratuf  unseres  Jahrhunderts ­
  eine  Zeitlang  eine  Rolle  gespielt  hat.  2
1  Früher  setzt  Campanus  dasselbe  auf  den  15.  März  (pag.  301).
2  Ich  behalte  mir  vor,  die  Polemik  über  die  Gregorianische  Kalenderreform
zu  bearbeiten.  Ueber  die  diesen  Gegenstand  betreffende  Litteratur  des
18.  und  19.  Jahrhunderts  hat  Piper  in  der  Geschichte  des  Osterfestes
nach  der  Gregorianischen  Kalenderreform  gehandelt.
            
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