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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

cyclus  passe.  1  Er  spricht  nicht  geradezu  den  Wunsch  aus,  die
Kirche  möge  sich  statt  des  neunzehnjährigen  Cyclus  des  arabischen ­
  zur  Bestimmung  der  Neumonde  bedienen,  wie  er  sich
denn  überhaupt  begnügt,  die  Fehler  des  Kalenders  einfach  anzuführen. ­
  Demselben  Gedanken  werden  wir  später  1411  bei
Piere  d’Ailly,  in  das  Gewand  eines  Vorschlags  gebracht,  wieder
begegnen  und  es  wird  dort  erst  am  Platze  sein,  über  die
Zweckmässigkeit  desselben  ein  Urtheil  zu  fällen.  Campanus
geht  aber  doch  so  weit,  mittelst  desselben  die  wahren  mittleren
Neumonde  zu  bestimmen,  und  so  gibt  er  den  Cyclus  mit  einer
Eeductionstabelle  der  arabischen  Daten  auf  die  christlichen.
Im  Capitel  XVI  (de  ostensione  erroris  nostri  in  positione  cycli
decemnovenalis)  rückt  er  direct  dem  neunzehnjährigen  Cyclus
zu  Leibe.  ,Da  30  Jahre  die  möglichst  geringe  Dauer  eines  Mondcyclus
  ist,  so  kann  der  neunzehnjährige  dem  ihm  zugemutheten
Zwecke  nicht  entsprechen'.  Dazu  kommt  noch  der  Umstand,
dass  ja  die  neunzehnjährigen  Cyclen  unter  sich  nicht  vollkommen
gleich  sind,  da  die  einen  4,  die  anderen  5  Schaltjahre  enthalten,
welche  Verschiedenheit  sich  erst  nach  je  76  Jahren  ausgleicht.
Aber  auch  76  Jahre  können  keinem  vollkommenen  Mondcyclus
entsprechen,  da  sie  kein  Vielfaches  von  30  sind.  Die  in  76  Jahren ­
  enthaltenen  Mondumläufe  enthalten  29  T.  31  M.  50  S.
8  T.  4  Qu.  X  940  =  27758  T.  45  M.  27  S.  24  T.  40  Qu.,  welches
Product  um  14  M.  32  S.  25  T.  20  Qu.  kleiner  ist,  als  die  Tagessumme ­
  von  76  solaren  Jahren  (27759  Tage);  somit  wächst
diese  Differenz,  welche  in  76  Jahren  fast  1 / 4  Tag  beträgt,
in  304  Jahren  um  mehr  als  1  Tag  an.
Noch  einmal  (im  Cap.  XIX)  kommt  Campanus  auf  den
neunzehnjährigen  Cyclus  zu  sprechen;  nun  aber  handelt
er  —  da  nun  einmal  die  Kirche  denselben  im  Gebrauche  habe
—  von  seinen  Einrichtungen.  Es  ist  dieses  Capitel  chronologisch ­
  interessant,  weil  Campanus  mehrfach  von  der  gewöhnlichen ­
  Setzung  der  embolistischen  Monate  abweicht.  Ich  verweise ­
  da  auf  Petavius:  Doctrina  temporum  I.  305  u.  ff.  und
Sickel,  die  Lunarbuchstaben  des  Mittelalters,  Sitzungsb.  d.  kais.
Akad.  XXXVIII.  p.  177.
1  Vergl.  über  den  Mondcyclus  der  Araber  Ideler  Handbuch  d.  bist.  Chronologie. ­
  II.  478  ff.
            
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