Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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gegen diese weit auseinander gellenden Ansichten, die überhaupt
die äussersten Grenzen für alle nach Julius Cäsar gemachten
Jahresansätze darstellen, skeptisch. Aber auch er unterwirft
den Satz des Evangeliums Johannis der Controle der Wissenschaft
und sagt: wenn der eine Ansatz richtig ist, so müssen
die Jahrpunkte zur Zeit Christi 6 Tage vor den angegebenen
Festen, wenn der andere, 2 Tage nach denselben eingetreten
sein. Hier findet sich nun auch die Stelle, die ich früher pag. 300
angedeutet habe. Nach Campanus fällt Aequinoctium vernum
auf den 15. März. Die Anticipatio von 4 Tagen seit Christus
entspricht eben so genau wie die von 12 Tagen dem Jahre
1200. Da Campanus hier aber in runden Zahlen rechnet, so
kann dies wohl nicht als annus praesens, sondern nur als
saeculum praesens der Abfassung angesehen werden.
Genauer und neue Gedanken aussprechend, erweist sich
Campanus im Capitel XV (de vera quantitate lunationis aequalis
et inventione verae permansionis lunae). Nach Ptolomäus und
nach Azachel 1 betrage die mittlere Umlaufszeit des Mondes
29 T. 31 M. 50 S. 8 T. 4 Qu. 2 Das Zwölffache dieser Zahl
ist 354 Tage 22 Minuten. 3 Diese 22 Minuten lassen nun nach
dem Vorgänge anderer Völker, die Araber so lange weg, bis
sie zu 1 Tag angewachsen sind und setzen dann ein Jahr zu
355 Tagen. Nach 30 Jahren beträgt die auf diese Weise eingeschaltete
Zeit 30 X 22 = 660 Minuten =11 Tage. Somit kann
innerhalb eines Zeitraumes von 30 Jahren der ursprünglich
begangene Fehler durch Setzung von 11 Schaltjahren zu 355
Tagen corrigirt werden. Daraus folgert nun Campanus, dass
eine Reihe von 30 Jahren die kleinste sei, die zu einem Moncl-1
Azachel lebte zu Anfang des 11. Jahrhunderts in Spanien. Er suchte die
Tafeln des Albategni in seinen Tabulae Toletanae zu verbessern. (Mädler.
a. a. O. II. 96).
2 Ich gebe hier die Zahlen des Campanus wieder. Nach einer ziemlich
häufig verkommenden Rechnung wird der Tag zu 60 Minuten angesetzt;
eine solche Minute entspricht also 2 / 6 Stunden oder 24 bei uns gebräuchlichen
Minuten. Demgemäss verhalten sich auch die Secunden der beiden
Zählungen zu einander. Häufig kommen beide Rechnungen neben einander
vor, dann heisst die erstere Minute pninuta diei‘, letztere pninuta
horae* oder ,minuta‘ schlechtweg.
3 Hierbei sind allerdings die Tertien und Quarten vernachlässigt.
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