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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunner.

Stellen,  die  für  unsere  Frage  bedeutsam  sind  —  bei  Besprechung
der  Jahrpunkte  und  des  neunzehnjährigen  Cyclus.
Sacro  Bosco  gibt  die  Dauer  des  Jahres  —  wie  er  selbst
sagt  beiläufig  —  auf  365'/ 4  Tage  an.  Den  Fehler,  den  man
dabei  begehe,  genau  zu  bestimmen,  sei  schwer  wegen  seiner
Kleinheit,  annähernd  setzt  er  ihn  per  Jahr  auf  y i2  Stunde
d.  i.  5  Minuten  an.  Ausführlicher  und  begründend  geht  er  aber
auf  die  Fehler  des  Sonnenjahres  ein  bei  Besprechung  der  Jahrpunkte. ­
  Die  Sonne  stehe  in  jedem  Zeichen  30  T.  10  St.  29  M.
36  S.,  da  wir  aber  annehmen,  sie  weile  darin  30  T.  10  St.
30  M.  so  begehen  wir  bei  jedem  Zeichen  einen  Fehler
von  24  Secunden  daher  in  1  Jahre  einen  Fehler  von
12  X  24  =  288  Secunden, 1  was  beiläufig  Vl2  Stunde  ist.  Wenn
also  in  12  Jahren  um  1  Stunde  zu  viel  gezählt  wird,  so  wächst
der  Fehler  in  12  X  24  =  288  Jahren  zu  1  Tag  an. 2  Nun  sei
es  Thatsache,  dass  jetzt  die  Jahrpunkte  10  Tage  vor  den  4  Festen
eintreten,  auf  welche  sie  die  alte  Kirche  gesetzt  hatte.  Sacro
Bosco  erklärt  diesen  alten  Ansatz  für  fehlerhaft;  denn  von
Christi  Geburt  bis  jetzt  seien  1232  Jahre  verflossen,  1232:288
ergibt  ein  Zurückweichen  der  Jahrpunkte  seit  Christus  um
4>/ 2  Tag;  da  sie  jetzt  10  Tage  vor  den  Festen  stehen,  so  können
sie  damals  nicht  auf  dieselben  gefallen  sein,  sondern  sie
müssen  10  —  4’/ 2  =  6  Tage  vor  ihnen  eingetreten  sein.  Darin
liegt  ein  nicht  zu  unterschätzender  Fortschritt;  Sacro  Bosco
setzt  nicht  die  Autorität  der  Bibel  und  der  alten  Kirche  an
die  Spitze  seines  Beweises,  sondern  unterwirft  dieselbe  der
Kritik  der  empirischen  Erfahrung  und  eines  wissenschaftlichen
Resultates.  Sacro  Bosco  weiss  nun  auch  ein  Mittel,  wie  diesem
Fehler  des  Sonnenjahres  abgeholfen  werden  könnte,  und  spricht
da  zuerst  einen  Gedanken  aus,  der  endlich  unter  Gregor  XIII.
seine  Verwirklichung  fand.  Er  sagt:  wenn  man  in  je  288  Jahren
vom  Februar  einen  Tag  auslassen  würde,  d.  h.  also  wenn  man
1  Es  entspricht  dies  genau  dem  Jahresansatz  des  Ptolomäus.
2  Indem  Sacro  Bosco  288  Secunden  =  */ 12  Stunde  setzt,  begeht  er  einen
Fehler  von  12  Secunden,  und  erhält  dadurch  ein  Resultat,  das  mit  dem
Jahresansatz  des  Ptolomäus,  nach  welchem  die  Jahrpunkte  nach  je  300
Jahren  um  1  Tag  zuriickgehen,  nicht  genau  übereinstimmt.  Es  ist  dies
deshalb  hier  zu  betonen,  weil  später  mehrmals  dieser  Ansatz  des  Sacro
Bosco,  als  auf  selbstständiger  Beobachtung  beruhend,  angeführt  wird.
            
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