Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreforra.
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Denn wir zählten in jedem Jahre um l / 6 Stunde, daher in je
5 Jahren um 1 Stunde und in 5 X 24 d. i. in 120 Jahren um
1 Tag zu viel. Da nun bis zu seiner Zeit 1200 Jahre verflossen
seien, so treten die Jahrpunkte jetzt um 10 Tage früher
ein als zur Zeit Christi.
Nachdem der Bearbeiter die Ausführungen Chonrads über
das Mondjahr und dessen Einfügung in das Sonnenjahr besprochen
hat, fährt er fort (fol. 99 b ): ,Der Autor beklagt, dass
im Kalender Neumond verzeichnet ist, während am Himmel
an diesem Tage bereits Luna III. steht'. Chonrad erklärt sich
dies auf folgende Weise: Gott hat Sonne und Mond am
4. Tage der Schöpfung geschaffen, daraus ist klar, dass an diesem
Tage Neumond gewesen ist. 1 Den Menschen aber hat er am
6. Tage, also am 3. Tage nach Sonne und Mond geschaffen;
als nun Adam an seinem ersten Lebenstage den Mond sah,
legte er ihm das Alter 1 bei und zählte von hier aus weiter.
Adam beging damit einen Fehler um 3, der sich auf uns, seine
Söhne fortgeerbt hat. Dazu fügt nun der Bearbeiter die Bemerkung
bei, dass man sich dies auch noch auf andere Weise
erklären könne: es werde eben die Umlaufszeit des Mondes
zu hoch angesetzt und so habe sich nach und nach der Fehler
entwickelt. Man sieht, der Bearbeiter schliesst hier nach Analogie
des Sonnenjahres, während er aber dort auch Auskunft
über die Grösse des Fehlers zu geben weiss, schweigt er hier,
was auf seine Belesenheit gerade kein günstiges Licht wirft,
denn 1396 wusste man darüber schon ganz gut Bescheid zu
geben; wohl aber erwähnt er, dass man für den Kalender
Tafeln erfunden habe, durch die man did richtigen Neumonde
bestimmen könne. Ueber die Folgen der beiden Fehler in
Bezug auf die Osterfeier lassen weder Chonrad noch sein
Bearbeiter etwas verlauten. Fol. 109 b schliesst der Tractat mit
folgenden zwei Sätzen: ,et hoc terminatur expositio computi
1 Dass bei der Erschaffung der Welt Neumond gewesen sei, ist eine im
Mittelalter nicht sehr gebräuchliche Ansicht. Die geläufigere, bereits in
den falschen Acten des Concils von Cäsarea (2. Hälfte des 4. Jahrh.) ausgesprochene
ist, dass Vollmond gewesen sei. Noch bei Nicolaus von Cusa,
der sich auf diese Acten stützt, finden wir diese Ansicht vertreten.
Vergl. über diese Frage: Piper in der Einleitung zum kgl. preuss. Staatskalender
1856.