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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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worden  sei.  Damit  hatte  man  einen  Anhaltspunkt  zur  Berechnung ­
  des  Fehlers  gewonnen.  Man  bestimmte  annähernd  den
Tag,  auf  welchen  das  Aequinoctium  fiel,  und  dividirte  durch
die  Anzahl  der  Tage,  um  welche  es  vor  dem  25.  März  eintrat,
die  seit  Christi  Geburt  verflossenen  Jahre.  Der  Quotient  ergab
die  Anzahl  der  Jahre,  innerhalb  welcher  die  Jahrpunkte  um
einen  Tag  im  Kalender  zurückrücken;  von  da  konnte  man  dann
leicht  zum  Fehler  per  Jahr  herabgelangen.  Wenn  wir  gleich
unten  die  Computisten  den  umgekehrten  Weg  einschlagen,  d.  h.
vom  Fehler  per  Jahr  ausgehen  sehen,  so  darf  uns  dies  nicht
irre  machen,  denn  es  ist  ein  im  frühen  Mittelalter  gebräuchlicher ­
  Vorgang,  mit  dem  gewonnenen  Resultate  nach  rückwärts
zu  rechnen.
Anders  gestaltete  sich  die  Sache  beim  Mondcyclus.  Wenn
es  leichter  war,  den  über  eine  gewisse  Grenze  —  die  man  etw 7 a
auf  zv 7 ei  Tage  ansetzen  kann  —  hinausgegangenen  Fehler  zu
constatiren,  so  war  es  viel  schwerer  seine  Grösse  zu  berechnen;
denn  man  hatte  es  mit  viel  kleineren  Massen  zu  thun  und  entbehrte ­
  auch  eines  ähnlichen  Anhaltspunktes  wie  beim  Sonnenjahre. ­
  So  sehen  wir  denn  auch  den  Fehler  zu  Anfang  einfach
registriren,  und  höchst  naive  Gründe  dafür  anführen.
Auf  diese  Weise  finde  ich  zuerst  die  Fehler  des  Kalenders
verzeichnet  in  dem  Computus  des  Magister  Chonrad  vom
Jahre  1200.  Er  findet  sieh  in  einer  Ueberarbeitung-  vom  Jahre  1396
im  Codex  Vindob.  3816  (Lunaelac.  Q.  41  Fol.  51 b —109 b ).  1

1  Der  Papiercodex  in  Quart  mit  gothischer  Cursiv  des  15.  Jahrh.  besteht
jetzt  aus  zweihundert  Blättern;  zwischen  Fol.  174  und  175  sind  viele
Blätter  herausgeschnitten.  Er  ist  ein  alter  Mondseer  Codex,  dies  beweist
der  aus  Mondsee  stammende  Einband,  zu  dem  eine  Bibelhaudschrift  des
8.  Jahrh.,  die  sich  in  vielen  Codices  dieses  Klosters  findet,  verwendet  ist.
Wahrscheinlich  ist  er  auch  dort  geschrieben,  denn  er  gehörte  dem  Johann
vonWerdea,  der  dem  Kloster  von  14G3—1475  als  Prior  Vorstand.  (Vergl.
Fabricius  Bibi.  Lat.  III.  250.)  Dem  Inhalt  und  den  Händen  nach  zerfällt ­
  der  Codex  in  drei  Theile.  Der  erste  aus  eilf  Lagen-  zu  je  zwölf
Blättern  bestehend,  enthält  Auszüge  aus  computistisclien  Werken  des
Magister  Chourad;  auch  der  zweite  Theil  (Fol.  113—175)  von  anderer
Hand  geschrieben  und  aus  Lagen  verschiedenen  Umfangs  bestehend,  enthält ­
  zu  Anfang  computistisclie  Abhandlungen,  darunter  einen  Computus
in  Versen  und  zum  Schluss  den  Algorismus  des  Johann  von  Werden.  Der
dritte  Theil  ist  grammatischen  Inhalts.  Die  Abfassungszeit  für  den  Com-
            
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