Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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worden sei. Damit hatte man einen Anhaltspunkt zur Berechnung
des Fehlers gewonnen. Man bestimmte annähernd den
Tag, auf welchen das Aequinoctium fiel, und dividirte durch
die Anzahl der Tage, um welche es vor dem 25. März eintrat,
die seit Christi Geburt verflossenen Jahre. Der Quotient ergab
die Anzahl der Jahre, innerhalb welcher die Jahrpunkte um
einen Tag im Kalender zurückrücken; von da konnte man dann
leicht zum Fehler per Jahr herabgelangen. Wenn wir gleich
unten die Computisten den umgekehrten Weg einschlagen, d. h.
vom Fehler per Jahr ausgehen sehen, so darf uns dies nicht
irre machen, denn es ist ein im frühen Mittelalter gebräuchlicher
Vorgang, mit dem gewonnenen Resultate nach rückwärts
zu rechnen.
Anders gestaltete sich die Sache beim Mondcyclus. Wenn
es leichter war, den über eine gewisse Grenze — die man etw 7 a
auf zv 7 ei Tage ansetzen kann — hinausgegangenen Fehler zu
constatiren, so war es viel schwerer seine Grösse zu berechnen;
denn man hatte es mit viel kleineren Massen zu thun und entbehrte
auch eines ähnlichen Anhaltspunktes wie beim Sonnenjahre.
So sehen wir denn auch den Fehler zu Anfang einfach
registriren, und höchst naive Gründe dafür anführen.
Auf diese Weise finde ich zuerst die Fehler des Kalenders
verzeichnet in dem Computus des Magister Chonrad vom
Jahre 1200. Er findet sieh in einer Ueberarbeitung- vom Jahre 1396
im Codex Vindob. 3816 (Lunaelac. Q. 41 Fol. 51 b —109 b ). 1
1 Der Papiercodex in Quart mit gothischer Cursiv des 15. Jahrh. besteht
jetzt aus zweihundert Blättern; zwischen Fol. 174 und 175 sind viele
Blätter herausgeschnitten. Er ist ein alter Mondseer Codex, dies beweist
der aus Mondsee stammende Einband, zu dem eine Bibelhaudschrift des
8. Jahrh., die sich in vielen Codices dieses Klosters findet, verwendet ist.
Wahrscheinlich ist er auch dort geschrieben, denn er gehörte dem Johann
vonWerdea, der dem Kloster von 14G3—1475 als Prior Vorstand. (Vergl.
Fabricius Bibi. Lat. III. 250.) Dem Inhalt und den Händen nach zerfällt
der Codex in drei Theile. Der erste aus eilf Lagen- zu je zwölf
Blättern bestehend, enthält Auszüge aus computistisclien Werken des
Magister Chourad; auch der zweite Theil (Fol. 113—175) von anderer
Hand geschrieben und aus Lagen verschiedenen Umfangs bestehend, enthält
zu Anfang computistisclie Abhandlungen, darunter einen Computus
in Versen und zum Schluss den Algorismus des Johann von Werden. Der
dritte Theil ist grammatischen Inhalts. Die Abfassungszeit für den Com-