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Kaltenbrunner.
antwortet Beda mit einer Berufung auf das Concil von Nicäa
und auf das Wunder der Füllung der Taufbecken, welches schon
Gregor von Tours als Beweis der richtigen Osterfeier anführt.
1 Aehnliches schreibt Alcuin an Karl den Grossen, als
dieser Bedenken gegen die Richtigkeit des neunzehnjährigen
Cyclus erhebt. 2
Erst als man mit derlei Erklärungen nicht mehr ausreichte,
musste man nach anderen Gründen suchen. Dabei stehen nun
Grösse des Fehlers und Erkennbarkeit desselben bei Sonne
und Mond in einem umgekehrten Verhältniss. Der Fehler, der
dem Julianischen Jahre anhaftete, war um mehr als die Hälfte
grösser als der des Mondcyclus. Dagegen war es viel schwerer,
den Eintritt eines Aequinoctiums oder Solstitiums zu beobachten
als den eines Neu- oder Vollmondes; dies kann wohl jederman
noch heute erproben. Aber man war bei ersterem doch
auf die empirische Erfahrung angewiesen, da Ptolomäus mul
die Araber ausserhalb der pyrenäischen Halbinsel noch nicht
bekannt waren. War aber nun constatirt, dass die Jahrpunkte
viel früher eintreten, als im Kalender verzeichnet stand, so
war damit der Grund hiefür noch nicht gefunden. Bei dem
Mangel aller früheren Beobachtungen, die es der Astronomie
möglich gemacht haben, die mittlere Dauer des tropischen Jahres
genau zu bestimmen, konnte man nur durch Abstraction zu
dem Schlüsse gelangen, dass die Dauer des Jahres kürzer sein
müsse, als man bisher annahm. Und nun galt es erst, die Grösse
des Fehlers zu berechnen. Wieder machte sich der Mangel
früherer Beobachtungen fühlbar, da half aber Beda aus. Im
Cap. 30 (de aequinoctiis et solstitiis) sagt er, dass nach den
Lehren der Kirchenväter zur Zeit der Geburt Christi Aequinoctium
vernum an den VIII. Kal. April. (25. März) eingetreten
sei, dass daher Christus im Frühlingsäquinoctium incarmrt
und im Wintersolstitium (VIII. Kal. Jan.) geboren, ferner dass
Johannes der Täufer im Herbstäquinoctium (VIII. Kal. Oetobr.)
incarnirt und im Sommersolstitium (VIII. Kal. Jul.) geboren
1 Gregor von Tours. Historia Francorum. Lib. V. cap. 17 und Lib. X.
cap. 23. Bei ihm mussten sich allerdings die Taufbecken auf Kosten des
Alexaudrinisehen Cyclus zu Gunsten des Victorisclien Ostercyclus füllen.
2 Jaffe. Monumenta Alcuiniana Nr. 110. Alcuin hat liier offenbar das oben
angeführte Capitel Beda’s benützt.