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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Kaltenbrunner.

antwortet  Beda  mit  einer  Berufung  auf  das  Concil  von  Nicäa
und  auf  das  Wunder  der  Füllung  der  Taufbecken,  welches  schon
Gregor  von  Tours  als  Beweis  der  richtigen  Osterfeier  anführt. ­
  1  Aehnliches  schreibt  Alcuin  an  Karl  den  Grossen,  als
dieser  Bedenken  gegen  die  Richtigkeit  des  neunzehnjährigen
Cyclus  erhebt.  2
Erst  als  man  mit  derlei  Erklärungen  nicht  mehr  ausreichte,
musste  man  nach  anderen  Gründen  suchen.  Dabei  stehen  nun
Grösse  des  Fehlers  und  Erkennbarkeit  desselben  bei  Sonne
und  Mond  in  einem  umgekehrten  Verhältniss.  Der  Fehler,  der
dem  Julianischen  Jahre  anhaftete,  war  um  mehr  als  die  Hälfte
grösser  als  der  des  Mondcyclus.  Dagegen  war  es  viel  schwerer,
den  Eintritt  eines  Aequinoctiums  oder  Solstitiums  zu  beobachten
als  den  eines  Neu-  oder  Vollmondes;  dies  kann  wohl  jederman
  noch  heute  erproben.  Aber  man  war  bei  ersterem  doch
auf  die  empirische  Erfahrung  angewiesen,  da  Ptolomäus  mul
die  Araber  ausserhalb  der  pyrenäischen  Halbinsel  noch  nicht
bekannt  waren.  War  aber  nun  constatirt,  dass  die  Jahrpunkte
viel  früher  eintreten,  als  im  Kalender  verzeichnet  stand,  so
war  damit  der  Grund  hiefür  noch  nicht  gefunden.  Bei  dem
Mangel  aller  früheren  Beobachtungen,  die  es  der  Astronomie
möglich  gemacht  haben,  die  mittlere  Dauer  des  tropischen  Jahres
genau  zu  bestimmen,  konnte  man  nur  durch  Abstraction  zu
dem  Schlüsse  gelangen,  dass  die  Dauer  des  Jahres  kürzer  sein
müsse,  als  man  bisher  annahm.  Und  nun  galt  es  erst,  die  Grösse
des  Fehlers  zu  berechnen.  Wieder  machte  sich  der  Mangel
früherer  Beobachtungen  fühlbar,  da  half  aber  Beda  aus.  Im
Cap.  30  (de  aequinoctiis  et  solstitiis)  sagt  er,  dass  nach  den
Lehren  der  Kirchenväter  zur  Zeit  der  Geburt  Christi  Aequinoctium
  vernum  an  den  VIII.  Kal.  April.  (25.  März)  eingetreten
sei,  dass  daher  Christus  im  Frühlingsäquinoctium  incarmrt
und  im  Wintersolstitium  (VIII.  Kal.  Jan.)  geboren,  ferner  dass
Johannes  der  Täufer  im  Herbstäquinoctium  (VIII.  Kal.  Oetobr.)
incarnirt  und  im  Sommersolstitium  (VIII.  Kal.  Jul.)  geboren
1  Gregor  von  Tours.  Historia  Francorum.  Lib.  V.  cap.  17  und  Lib.  X.
cap.  23.  Bei  ihm  mussten  sich  allerdings  die  Taufbecken  auf  Kosten  des
Alexaudrinisehen  Cyclus  zu  Gunsten  des  Victorisclien  Ostercyclus  füllen.
2  Jaffe.  Monumenta  Alcuiniana  Nr.  110.  Alcuin  hat  liier  offenbar  das  oben
angeführte  Capitel  Beda’s  benützt.
            
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