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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Vorgeschichte  der  Gregorianischen  Kalenderreform.

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den  kann;  manche  werthvolle  Beiträge  dürften  sich  noch  handschriftlich ­
  finden,  und  manche,  mir  dem  Namen  nach  bekannte
Werke,  finden  sich  nicht  auf  den  Wiener  Bibliotheken.  Ich
bin  zufrieden,  wenn  es  mir  gelungen  sein  sollte,  die  allgemeine
Entwicklung  der  Frage  richtig  darzustellen.
I.  Die  ersten  Anfänge  der  Erkenntniss  der  Fehler.
Wie  jedes  Uebel,  das  stetig  aber  langsam  anwächst,  erst
bemerkt  wird,  wenn  es  eine  gewisse  Höhe  erreicht,  hat,  so  war
es  auch  hier  der  Fall.  Ja,  es  kommen  zwei  Umstände  hinzu,
die  es  geradezu  erklären,  warum  erst  nach  Verlauf  von  vielen
Jahrhunderten  die  Fehler  des  Kalenders  und  mit  ihnen  ihre
Ursachen  erkannt  wurden.  Der  Drang,  die  Natur  und  die  Erscheinungen ­
  des  Himmels  zu  beobachten,  war  dem  frühen  Mittelalter
  fremd  und  bei  dem  gänzlichen  Mangel  an  astronomischen
Instrumenten  und  Tafeln,  wäre  letzteres  auch  dem  Wissensdurstigen ­
  unmöglich  gewesen.  Der  zweite  Grund  liegt  in  der
cyclischen  Rechnungsweise,  die  auf  den  mittleren  Bewegungen
von  Sonne  und  Mond  beruht.  Es  war  daher  sehr  naheliegend,
dass  man  eben  darin  die  Erklärung  suchte,  wenn  einmal  das
Eintreten  einer  Himmelserscheinung  nicht  in  Einklang  gefunden
wurde  mit  dem  durch  die  cyclische  Berechnung  gegebenen
Zeitpunkt,  oder  dass  man  sich  in  Erkenntniss  der  menschlichen
Fehlerhaftigkeit  gegenüber  der  durch  kirchliche  Autorität  getragenen ­
  Einrichtung  auf  erstere  berief  und  einfach  den  Fehler
abläugnete.  Beda  hat  dies  in  Bezug  auf  den  Mondcyclus  auch
gethan.  Im  Cap.  43  de  ratione  temporum  1  sucht  er  zu  erklären, ­
  warum  der  Mond  manchmal  älter  zu  sein  scheine,  als
die  Berechnung  ergibt.  Er  sieht  den  Grund  darin,  dass  man
mit  dem  Mondalter  beim  Sonnenuntergänge  umsetze,  der  Mond
aber  zu  verschiedenen  Stunden  der  Nacht  aufgehe;  dadurch
könne  sich  ein  Unterschied  von  1  zwischen  dem  wirklichen
und  dem  im  Kalender  stehenden  Mondalter  ergeben.  Auf  die
Frage  aber,  warum  im  letzten  Jahre  des  neunzehnjährigen
Cyclus  Neumond  bereits  am  2.  April  statt  am  4.  —  wie  es
der  terminus  paschalis  am  17.  April  bedingt  —  eingetreten  sei,

Bedae  Opera  edd.  Giles.  Tom.  VI.
            
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