Die Vorgeschichte der Gregorianischen Kalenderreform.
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den kann; manche werthvolle Beiträge dürften sich noch handschriftlich
finden, und manche, mir dem Namen nach bekannte
Werke, finden sich nicht auf den Wiener Bibliotheken. Ich
bin zufrieden, wenn es mir gelungen sein sollte, die allgemeine
Entwicklung der Frage richtig darzustellen.
I. Die ersten Anfänge der Erkenntniss der Fehler.
Wie jedes Uebel, das stetig aber langsam anwächst, erst
bemerkt wird, wenn es eine gewisse Höhe erreicht, hat, so war
es auch hier der Fall. Ja, es kommen zwei Umstände hinzu,
die es geradezu erklären, warum erst nach Verlauf von vielen
Jahrhunderten die Fehler des Kalenders und mit ihnen ihre
Ursachen erkannt wurden. Der Drang, die Natur und die Erscheinungen
des Himmels zu beobachten, war dem frühen Mittelalter
fremd und bei dem gänzlichen Mangel an astronomischen
Instrumenten und Tafeln, wäre letzteres auch dem Wissensdurstigen
unmöglich gewesen. Der zweite Grund liegt in der
cyclischen Rechnungsweise, die auf den mittleren Bewegungen
von Sonne und Mond beruht. Es war daher sehr naheliegend,
dass man eben darin die Erklärung suchte, wenn einmal das
Eintreten einer Himmelserscheinung nicht in Einklang gefunden
wurde mit dem durch die cyclische Berechnung gegebenen
Zeitpunkt, oder dass man sich in Erkenntniss der menschlichen
Fehlerhaftigkeit gegenüber der durch kirchliche Autorität getragenen
Einrichtung auf erstere berief und einfach den Fehler
abläugnete. Beda hat dies in Bezug auf den Mondcyclus auch
gethan. Im Cap. 43 de ratione temporum 1 sucht er zu erklären,
warum der Mond manchmal älter zu sein scheine, als
die Berechnung ergibt. Er sieht den Grund darin, dass man
mit dem Mondalter beim Sonnenuntergänge umsetze, der Mond
aber zu verschiedenen Stunden der Nacht aufgehe; dadurch
könne sich ein Unterschied von 1 zwischen dem wirklichen
und dem im Kalender stehenden Mondalter ergeben. Auf die
Frage aber, warum im letzten Jahre des neunzehnjährigen
Cyclus Neumond bereits am 2. April statt am 4. — wie es
der terminus paschalis am 17. April bedingt — eingetreten sei,
Bedae Opera edd. Giles. Tom. VI.