Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Tirnovo’s  altbulgarische  Baudenlcmale.

287

versprach  mir  der  Dorfpope,  sie  am  nächsten  Morgen  nach
Tirnovo  zu  bringen;  doch  weder  ihn,  noch  Schüssel  sah  ich
jemals  wieder.  Vielleicht  löset  ein  später  Arbanasi  besuchender
Alterthumsfreund  ihr  Geheimniss.
Als  Stifterin  der  frommen  Baute  und  Gründerin  der
ursprünglich  griechischen  Colonie,  wurde  mir  von  Pope  und
Einwohnern  allgemein  eine  byzantinische,  an  Car  Sisman  (?)
vermalte  Prinzessin  genannt.  Der  Kirche  mittelmässiger  Bautechnik ­
  nach  zu  urtheilen,  dürfte  sie  aber  der  zweiten  Hälfte
des  14.  Jahrhunderts  angehören.  Dafür  spricht  auch  eine
andere  Tradition,  nach  welcher  Arbanasi  erst  vor  400  Jahren
von  griechisch  sprechenden  Rumunen  aus  dem  Epirus  gegründet
wurde,  die  von  hier  aus  einen  schwunghaften  Viehhandel  nach
der  Donau  betrieben.  Früher,  um  1793,  befand  sich  zu
Arbanasi  ein  Kloster,  in  dem  jener  vielgeprüfte  bulgarische
Patriot  Stojko  kurz  weilte,  welcher  sich  später  als  Bischof
Sofronije  von  Vraca  durch  sein  Martyrium  für  die  nationale
Sache  auszeichnete  und  1806  im  Exil  zu  Bukarest  das  erste
gedruckte  Buch  in  neubulgarischer  Sprache  herausgab.  Heute
ist  von  dieser  ,Lavra“  nichts  mehr  zu  sehen.  Auch  die  Spur
noch  vieler  anderer  Monumente  Tirnovo’s  aus  der  altbulgarischen
Carenzeit  ist  verloren  gegangen.  Brand  und  Zerstörung  vernichteten ­
  sie  entweder  gänzlich  oder  sie  'wurden  zu  Moscheen
und  Bädern  umgebaut.  So  soll  das  ,Bas-Hamam“  (Hauptbad)
Tirnovo’s,  wie  man  mir  erzählte,  einst  eine  Marienkirche
gewesen  sein  und  heute  noch  Reste  heiliger  Darstellungen
enthalten.
Die  gehegte  Hoffnung,  meinem  selbstständigen  kunsthistorischen ­
  Werke  ,Serbiens  byzantinische  Monumente“  ein  ähnliches
über  jene  Bulgariens  folgen  lassen  zu  können,  schwand  schon  zu
Tirnovo,  am  Sitze  seiner  mächtigen  Caren,  und  noch  mehr,
als  icli  später  ihren  frommen  Stiftungen  zu  Trojan,  Gabrovo,
Elena,  Maglis,  Kalofer,  Karlukovo  u.  s.  w.  gegenüber  stand.
Mit  Ausnahme  der  einstigen  lateinischen  Patriarchalkirche  zu
Nikopoli,  welche  ich  im  III.  Bande  meines  Werkes  ,Donau-Bulgarien
  und  der  Balkan“  näher  zu  schildern  gedenkß,  und
die  sowohl  constructiv  als  decorativ  sehr  tüchtig  gebaut  ist,
können  sie  ungeachtet  manch  interessanter  Einzelheiten  weder
den  Vergleich  mit  den  griechisch-byzantinischen  Bauten  am
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.