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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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K  a  n  i  t  z.

Gebeine  nach  der  türkischen  Eroberung;,  auf  die  Fürbitte  der
Witwe  Sultan  Murad’s  II.  (Tochter  des  Serbenfürsten  Brankoviö),
nach  dem  heutigen  berühmten  Rilokloster  bei  Sofia  in  feierlicher ­
  Weise  übertragen  wurden.  Auf  dem  Trepevic  soll  auch
die  Kirche  (Kapelle?)  gestanden  haben,  in  welcher  die  Ueberreste
  des  h.  Gabriel  von  Lesnovo  ruhten.  Die  Sage  von  allen
diesen  einstigen  Herrlichkeiten  hat  stets  viele  Schatzgräber
angezogen  und  manch  glücklicher  Fund  lohnte  sie  zuweilen.
Weniger  Begünstigte  sehen  auf  dem  Trepevic  heute  jedoch
nur  die  Rudimente  eines  wahrscheinlich  antiken  Castell’s,
dann  Schafe  und  Ziegen,  welche  auf  den  kleinen  Grasflächen
zwischen  magerem  Baumgestrüpp  weiden.
Das  N.  N.  O.  von  Tirnovo  gelegene  Arnaut  köi  oder
Arbanasi  (Albanesendorf)  wird  allgemein  als  eine  sehr  alte
Ansiedlung  betrachtet.  Eine  gut  angelegte  neue  Strasse  klimmt
zu  dem  hoch  auf  der  Terrasse  gelegenen  3 /.,  Stunden  von  Tirnovo
fernen  Dorfe  auf  dem  linken  Jantraufer  allmälig  empor.  Sie
ist  schutzlos  dem  Sonnenbrände  ausgesetzt,  doch  entschädigte
die  Romantik  der  sich  immer  mehr  verengenden,  hier  und  da
mit  Quellbrunnen  und  Lauboasen  geschmückten  und  überall
von  horizontalen,  röthlich  gefärbten  Kalkbändern  durchzogenen
Steilschlucht  reichlich  für  die  Mühen  des  Weges.
Durch  Wein-  und  Obstculturen  gelangten  wir,  das  öde
aussehende  Türken-Viertel  zur  Seite  lassend,  an  die  niedere,
von  Aussen  ganz  unscheinbare  Ortskirche.  Gräber  aller  Formen
mit  und  ohne  Blumenschmuck,  sowie  einzelne  prächtige  Bäume
verbergen  sie  beinahe  dem  Auge.  Selten  sah  ich  ein  mystischeres ­
  Gebäude.  Es  ist  eine  Art  oberirdische  Katakombe,  aus
deren  düsteren  Hauptraum  man  in  sechs  andere  noch  niedrigere,
fensterlose  und  nur  durch  bescheidene  Lämpchen  erhellte
Capellen  tritt,  welche  wahrscheinlich  von  den  zu  Arbanasi
einst  wohnenden  reichen  macedo-vlachischen  Familien  allmälig
der  Hauptkirche  angefügt  worden  waren.  Das  Ganze,  sowohl
der  Bau  als  die  Ausstattung,  gewährten  nur  geringes  kunsthistorisches ­
  Interesse.  Wenige  Fresken  erheben  sich  über  die
gewohnten  schablonenhaften  Bilder  orientalischer  Dorfkirchen,
interessant  erschien  mir  nur  eine  mit  fremdartiger  Schrift
gezierte  metallene  Schüssel  des  sonst  unbedeutenden  kleinen
Reliquariums.  Da  ihre  Copie  mich  zu  lange  aufgehalten  hätte,
            
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