286
K a n i t z.
Gebeine nach der türkischen Eroberung;, auf die Fürbitte der
Witwe Sultan Murad’s II. (Tochter des Serbenfürsten Brankoviö),
nach dem heutigen berühmten Rilokloster bei Sofia in feierlicher
Weise übertragen wurden. Auf dem Trepevic soll auch
die Kirche (Kapelle?) gestanden haben, in welcher die Ueberreste
des h. Gabriel von Lesnovo ruhten. Die Sage von allen
diesen einstigen Herrlichkeiten hat stets viele Schatzgräber
angezogen und manch glücklicher Fund lohnte sie zuweilen.
Weniger Begünstigte sehen auf dem Trepevic heute jedoch
nur die Rudimente eines wahrscheinlich antiken Castell’s,
dann Schafe und Ziegen, welche auf den kleinen Grasflächen
zwischen magerem Baumgestrüpp weiden.
Das N. N. O. von Tirnovo gelegene Arnaut köi oder
Arbanasi (Albanesendorf) wird allgemein als eine sehr alte
Ansiedlung betrachtet. Eine gut angelegte neue Strasse klimmt
zu dem hoch auf der Terrasse gelegenen 3 /., Stunden von Tirnovo
fernen Dorfe auf dem linken Jantraufer allmälig empor. Sie
ist schutzlos dem Sonnenbrände ausgesetzt, doch entschädigte
die Romantik der sich immer mehr verengenden, hier und da
mit Quellbrunnen und Lauboasen geschmückten und überall
von horizontalen, röthlich gefärbten Kalkbändern durchzogenen
Steilschlucht reichlich für die Mühen des Weges.
Durch Wein- und Obstculturen gelangten wir, das öde
aussehende Türken-Viertel zur Seite lassend, an die niedere,
von Aussen ganz unscheinbare Ortskirche. Gräber aller Formen
mit und ohne Blumenschmuck, sowie einzelne prächtige Bäume
verbergen sie beinahe dem Auge. Selten sah ich ein mystischeres
Gebäude. Es ist eine Art oberirdische Katakombe, aus
deren düsteren Hauptraum man in sechs andere noch niedrigere,
fensterlose und nur durch bescheidene Lämpchen erhellte
Capellen tritt, welche wahrscheinlich von den zu Arbanasi
einst wohnenden reichen macedo-vlachischen Familien allmälig
der Hauptkirche angefügt worden waren. Das Ganze, sowohl
der Bau als die Ausstattung, gewährten nur geringes kunsthistorisches
Interesse. Wenige Fresken erheben sich über die
gewohnten schablonenhaften Bilder orientalischer Dorfkirchen,
interessant erschien mir nur eine mit fremdartiger Schrift
gezierte metallene Schüssel des sonst unbedeutenden kleinen
Reliquariums. Da ihre Copie mich zu lange aufgehalten hätte,