Tirnovo’s altbulgavisclie Baudenkraale.
285
wird. Meine Bestimmung für die Bauzeit von Sv. Dimitri
wird übrigens durch ein schwerwiegendes Moment auf anderem
Gebiete bestätigt. Ich copirte nämlich eine Schriftrolle von
den Bildern der Heiligen, welche nach der Meinung des
gewiegten Slavisten Josef Jiricek ein die Buchstaben j und a
zusammenziehendes Zeichen & zeigt, das erst im 15. Jahrhundert
auftreten soll. Ich theile hier die getreue Abschrift
einer trefflich erhaltenen Schriftzeile (Fig. 12) zur Beurtheilung
für slavische Philologen mit. Nach Herrn Josef Jiricek lautet
sie übersezt: ,Herr Gott, unser angelegentliches Gebet
(erhöre)!'. Die Ausmalung der Kirche fällt somit jedenfalls
unter die türkische Herrschaft, was nicht verhindert, dass der
ursprüngliche Bau' vielleicht unter dem letzten Aseniden begonnen
wurde. Keinesfalls, glaube ich, war es die einst von
den Gründern der Aseniden-Dynastie, von den Brüdern Äsen und
Fig. 12.
—r
rPnAeiNXXCHX M/UTBX
Schriftrolle aus der h. Demetriuskirche.
Peter, zwischen 1170 und 1180 dem h. Demetrius geweihte
Kirche, bei der sie nach ihrer Rückkehr aus Constantinopel
den Aufstand gegen Byzanz predigten und in der sie den verwaisten
Bulgarenthron bestiegen. Aelter als die Kirche dürften
jedoch mehrere zwei Meter lange Steinsärge und Sargdecken sein,
welche dicht bei der Kirchenruine zwischen Gebüsch zerstreut
umherliegen.
Die h. Demetriuskirche lehnt übrigens, den Chronisten
entsprechend, am Fusse des ,Trepevic'-Berges, welcher einst
befestigt und durch eine zweibogige Steinbrücke mit dem
Carevec verbunden war. Nach der Tradition standen auf dieser
einstigen ,Trapezica' viele ,glänzende Paläste und Kirchen'.
Dem widerspricht aber der geringe Umfang des Plateau’s;
andererseits mag hier immerhin, wie die bulgarischen Chronisten
erzählen, sich die von Car Äsen I. (1195) erbaute Kirche
des h. Johannes Rilski erhoben haben, dessen wunderthätige
19*