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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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K  a  n  i  t  z.

Stelle  1  charakterisierte.  Die  Inschrift  in  griechischer  und  bulgarischer ­
  Sprache  versichert:  ,0,  umsonst  dieser  Stein  willst
Du  bedecken  die  Asche  Ililarion’s,  des  weisen  Erzbischofs  von
Tirnovo,  aber  seine  Seele  wird  niemals  bedeckt  werden;  denn
sie  ist  in  der  Hand  des  Allmächtigen,  der  ihn  zugelassen  hat
in  die  Mitte  der  Gerechten.  Im  Jahre  1838,  am  8.  Feber/
Wer  mochte  Ililarion  dieses  Denkmal  gesetzt  haben?  Das
bulgarische  Volk  gewiss  nicht;
denn  seine  Kritik  über  den
Bischof  lautet  ganz  anders.
Noch  einige  Jahre  vor  seinem
Tode  verhöhnte  er  es,  indem
er,  der  Grieche,  die  Verbrennung ­
  aller  in  der  Kirche  aufgefundenen ­
  altbulgarischen  Codices ­
  anordnete.  Wir  traten
durch  den  südlichen  Eingang
in  den  kleinen  Raum,  der
früher  die  dem  Türkensturme
entronnene,  nunmehr  in  Asche
verwandelte  Patriarchats-Bibliothek ­
  bewahrte  und  auf  dessen  nun  leere  Wände  ein  al  fresco
gemalter  lesender  Christus  aus  einer  Wandnische  blickt.
Bis  auf  eine  kleine  zur  Bibliothek  führende  Thüre,  sind
alle  einst  offenen  Bogenfelder  zwischen  den  Pfeilern  an  der
Südseite  der  Kirche  geschlossen  worden  und  nur  an  der  Westfagade
  dringt  durch  einige  Oeffnungen  etwas  Licht  in  die  durch
den  späteren  Zubau  geschaffene  Vorhalle.  Es  gestattete  mir,  ihren
theilweise  sehr  schadhaften  Freskenschmuck  näher  zu  analisiren.
Natürlich  behauptete  der  uns  geleitende  Geistliche,  dass  die
Bilder  gleich  dem  Bau  von  dem  ersten  Car  Äsen  herstammen.
Dies  bewies  aber  nur,  wie  kritiklos  oder  absichtlich  die  Priesterschaft ­
  hier  wie  allerorts  vielen  religiösen  Stätten  den  Nimbus
hohen  Alters  anzudichten  sucht.  Zugegeben,  was  aber  nicht
erwiesen,  und  nach  meinen  früheren  Ausführungen  auch  schwer
zu  glauben,  dass  Car  Äsen  I.  (1180)  und  nicht  einer  seiner
letzten  Nachfolger  der  Sifter  der  Kirche  sei,  so  ist  es  für  jeden
1  Donau  -  Bulgarien  und  der  Balkan.  I.  Band,  S.  127,  Leipzig,  Hermann
Fries,  1875.

Fig.  9.

Altartischplatte  aus  der  h.  Peter  u.  Paulskirche.
            
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