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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Tirnovo’s  altbulgarische  Baudenkmale.

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berühmte  Kathedrale  jener  mächtigen  Caren  sein,  welche  zeitweise ­
  ihre  Banner  von  der  Theiss  bis  zum  Pontus  wehen  Hessen.
Hätten  sie  wohl  auch  zu  ihrer  Prachtkirche  Sandstein  und
Ziegel  verwendet,  wo  ganz  nahe,  auf  dem  Hissar  selbst,  die
prächtigsten  Marmorbrüche  zur  Ausbeute  einluden  und  würden
sie  nicht  den  alles  dominirenden  Schlossberg  mit  ihr  gekrönt
haben,  anstatt  sie  tief  unten  an  der  Jantra  aufzuführen  ?  Nein,
die  einstige  Tirnovoer  Kathedrale  hatte  nicht  hier,  sondern
hoch  oben  auf  dem  leicht  zu  vertheidigenden  ,Carevec'  (Kaiserhügel) ­
  neben  der  Burg  der  Herrscher  gestanden.  Dies  entsprach ­
  oströmischer  Sitte,  sowie  alter,  bis  auf  heute  vererbter
Tradition  1  und  jene  früher  erwähnten  kirchlichen  Reste  in  und
neben  der  Kavak-Baba-Tekessi  Moschee  auf  dem  Hissar  waren
höchst  wahrscheinlich  Theile  der  altbulgarischen  Carenkirche
gewesen,  für  deren  einstige  Pracht  jene  Marmorsäulen  und
Skulpturen  sprechen,  welche  der  islamitische  Sieger  nach  der
Zerstörung  der  Kirche  zum  Schmucke  seiner  an  ihre  Stelle
errichteten  Moschee  verwendet  hatte.
Stand  ich  also  auch  nicht  vor  der  Hauptkirche  der  altbulgarischen ­
  Caren,  so  wap  es  doch  immerhin  eine  ihrer
frommen  Stiftungen  und  diese  gab  mir  den  richtigeren  Massstab ­
  für  jene  Bauten  der  Serbenfürsten,  die  mir  einst  so  klein
erschienen  waren.  Wie  hoheitsvoll  erhob  sich  beispielsweise
neben  ihr  die  Carska-Lavra  von  Studenica  mit  ihren  herrlichen
Skulpturen,  wie  gross  die  höchst  vollendeten  Backsteinbauten
zu  Zica,  Krusevac  und  Ravanica,  wie  überlegen  war  ihr  selbst
des  Caren  Lazar’s  Kirche  zu  Manasia,  an  deren  Grundriss
unch  der  kleine  Bau  am  meisten  mahnte,  allerdings  in  den
Verhältnissen  vergleichsweise  wie  ein  bescheidenes  Gewächshaus ­
  zum  Glaspalast  von  Sydenham.
Nach  diesen  ersten  Betrachtungen  ging  ich  daran,  den
Grundriss  der  den  h.  Aposteln  Peter  und  Paul  geweihten
kleinen  Kirche  aufzunehmen,  da  der  besser  gemeinte  als  ausgeführte ­
  von  Daskalov,  welchen  er  seiner  bereits  gedachten
‘Schrift  beigab,  sich  schon  bei  nur  flüchtiger  Besichtigung  des
Baues  als  unrichtig  erwies.  In  der  kühlen  Vorhalle  harrten
wir  des  Küsters,  der  eine  Kerze  herbeiholte;  denn  in  dem
1  Zachariae,  Beiträge  zur  Geschichte  der  bulgarischen  Kirche.  Petersburg, ­
  1864.
            
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