266 Sachau u. II o letsch ek. Entfern, d. Sonnen-Apogaeumg v. d. Fxühlingspuukte.
bleiben scheint, so ist man auch bei fortwährend angestellten
Messungen nicht im Stande, den Zeitpunkt, in dem die Declination
ihr Maximum erreicht hat, sicher anzugeben. Die Sache
wii’d natürlich um so schwieriger, je unvollkommener das Messinstrument
getheilt ist. Zur Erläuterung sei ein numerisches
Beispiel angeführt. Zwölf Stunden vor und nach dem Solstitium
ist die Declination der Sonne nur um etwa 3y 2 " kleiner als
im Augenblicke des Solstitiums selbst. Kann man also mit
einem Instrumente solche Winkel, die kleiner als dieser Betrag
sind, nicht mehr mit Sicherheit messen — und das gilt von
den Instrumenten der Alten — so bleibt die Bestimmung des
Zeitpunktes, in dem das Solstitium stattfand, um einen vollen
Tag unsicher. Auf diese Grösse kommt aber bei der Berechnung
des Apogaeums Alles an, und man sieht also, dass gerade
die wichtigste und einzig entscheidende Grösse, die man in die
Rechnung einführt, die ungenaueste ist.
ZuAnfang-der hier mitgetheiltenEpisode(S.250,ZI.20—22)
wird gesprochen von jener Zeit, in der die Juden ihre Beobachtungen
anstellten'. Es ist aber höchst wahrscheinlich, dass die
jüdischen Gelehrten die Zeiträume zwischen den einzelnen Teküfoth
—- und nur solche Beobachtungen können hier gemeint
sein — nicht selbst bestimmt, sondern einfach von Hipparchus
entlehnt haben, ebenso wie Ptolemaeus, der im Almagest a. a. 0.
ausdrücklich erklärt, dass diese Zahlen von Hipparchus gefunden
wurden.
Zu der für die drei ersten Grade mitgetheilten Sinus-Tabelle
sei bemerkt, dass die ,Ueberschüsse' die ersten Differenzen
zwischen je zwei aufeinander folgenden Sinus sind,
während die ,Ausgleichungen' die vierfachen Ueberschüsse,
also die Aenderung des Sinus für einen ganzen Grad darstellen
und zur Interpolation dienen. Die in der Sinus-Tabelle mit
,Ausgleichungen' bezeichnete Rubrik hat also mit der bereits oben
erklärten ,Ausgleichung' bei der Sonnenbahn gar nichts gemein.
Die Berechnung des Apogaeums aus den Mittelpunkten
der Jahresviertel findet sich im Canon Masudicus, VI. Buch,
7. Cap. Das Princip ist genau dasselbe wie hier, man hat nur
den Anfangspunkt der Zählung um 45 Grade der Natur der
Beobachtungen entsprechend zu verschieben.
J. Holetschek.