Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

170

Werner.

liehen  darstellt.  Die  Materie  Bonaventura’s  aber,  aus  der  alles
Geschaffene  ohne  Ausnahme,  somit  auch  die  Engel  und  Menschenseelen ­
  gebildet  werden  sollen,  verlangt  den  umgekehrten,
abwärts  steigenden  Process  fortschreitender  Determination,
und  bietet  in  ihren  ersten  Determinationen,  durch  welche  der
Begriff,  zuerst  des  begränzten  Seins,  ferner  des  quantitativ  bestimmten ­
  oder  körperlichen  Seins  gewonnen  wird,  keinen  Grund
für  die  Erklärung  der  Vielheit  der  unkörperlichen  geschöpflichen
  Wesen  dar.  Die  Vielheit  derselben  wird  nicht  deducirt,
sondern  vorausgesetzt,  und  aus  anderweitigen  Gründen  feststehend
  angenommen;  der  eigentliche  Grund  kann  für  Bonaventura
  wol  kein  anderer  sein  als  dieser,  dass  mit  dem  Heraustritte
des  Seins  aus  der  absoluten  göttlichen  Einheit  die  unbegränzte
numerische  Vielheit  desselben  beginnt,  die  zunächst  in  der
Engelwelt,  weiter  aber  in  der  Gesammtschöpfung  sich  darstellt,
und  ihren  Anfangs-  und  Endpunkt  in  Gott  hat.  Jegliches
Einzelne  in  der  geschöpflichen  Vielheit  der  Dinge  denkt  sich
nun  weiter  Bonaventura  durch  seine  dreifache  Beziehung  auf
Gott  als  causa  efficiens,  exemplaris  und  finalis  nach  Modus,
Species  und  Ordo  bestimmt.  1  Da  nun  die  specifische  Diversität
  erst  im  Bereiche  der  terrestrischen  Körperlichkeit  beginnt,
so  fällt  der  Plauptnachdruck  im  metaphysisch-kosmologischen
Denken  Bonaventura’s  selbstverständlich  auf  den  Modus  und
Ordo  der  Dinge  oder  auf  deren  Bestimmtheit  zu  Gott  als  Wirkungs-
  und  Zweckursache,  woraus  sich  weiter  seine  Bezeichnung ­
  der  allbestimmenden  und  allordnenden  göttlichen  Vernunft
als  ars  aeterna  erklärt.
Dem  Gesagten  zufolge  darf  es  nicht  Wunder  nehmen,
dass  die  Universalienfrage  bei  Bonaventura  keine  eingehende
Untersuchung  erfährt.  Er  selber  bemerkt,  dass  der  Ontolog
und  der  Kosmolog  entgegengesetzte  Stellungen  zum  Begriffe
des  Universale  nehmen,  und  beleuchtet  dies  an  der  beiderseitigen ­
  Entscheidung  der  Frage,  ob  die  der  irdischen  Materie
eingeschaffene  ratio  seminalis  als  Universale  zu  gelten  habe
oder  nicht; 2  der  Ontolog  verneint,  der  Kosmolog  oder  Philosophus
  Naturalis  bejaht  diese  Frage.  Der  Theolog  würdiget

1  Sentt.  II,  dist.  .35,  avt.  2.
2  Sentt.  II,  dist.  18,  art.  1,  qu.  3.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.