Die Psychologie und Erkenntnisslehre des Johannes Bonaventura.
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von zwei Thätigkeiten der Engel, vom Erkennen und Wollen
derselben, und erwähnt des vom Sinnengedächtnisse unterschiedenen
intellectiven Geistgedächtnisses nicht, von welchem
Thomas 1 glaubt, dass man es ihnen mit Augustinus 2 beilegen
könne; Bonaventura kann ferner das Lob beanspruchen, die
Lehre von der Erkeuntnissthätigkeit der englischen Wesen so
vereinfacht, als es Dante wünschte, vorgetragen zu haben.
Indess haben weder Dante noch Bonaventura die Augustinische
Lehre von der Memoria als wesentlicher Thätigkeit der gottesebenbildlichen
Mens nach ihrer vollen Tiefe gefasst. Dante
würde nicht gesagt haben, dass die Thätigkeit der Memoria in
der ewigen Anschauung hinwegfalle, wenn er sie als geistige
Innerungskraft gefasst hätte; er hätte für diesen Fall sich
sagen müssen, dass sie in der ewigen Anschauung zum höchsten
Grade ihrer Thätigkeit gesteigert werde, und das geistige
Hervorstellen des in Gott Geschauten aus der tiefsten Innerlichkeit
des Gottschauenden als lebendiger Selbstact desselben
vermittele. Auch Bonaventura irrt im Breviloquium 3 von der
ursprünglich angenommenen Augustinischen Dreiheit (Memoria,
Intellectus, Voluntas) zu der Zweiheit: Erkennen und Wollen,
ab, und weist das Gedächtniss der sensiblen Seele zu, was er
schon darum nicht hätte thun sollen, weil ihm die Seele als
eine affective, also doch gewiss innerungsfähige Wesenheit gilt,
und das denkhafte Innere doch gewiss die edelste und vornehmste
Innerungsart der denkfähigen Seele ist, die derselben
auch nach ihrer Trennung vom Leibe verbleiben muss, ja
in der durch diese Trennung bewirkten Abgeschiedenheit der
Seele von den Eindrücken der sichtbaren Wirklichkeit alleinzig
das denkhafte Leben der Seele zu vermitteln hat. Es möchte
wol der Hinblick auf jene Hinwendung Bonaventura’s von der
ursprünglichen Dreitheilung zur Zweitheilung der höheren Seelenvermögen
gewesen sein, welcher dem Dichter die gegen eine
Memoria der gottschauenden Himmelsgeister gerichtete Terzine
eingab. 4 Wenn er in derselben weiter sagt, dass es für
1 1 qu. 54, art. 5.
2 Trin. X, 11.
3 Breviloq. II, c. 12.
Queste sustanzie poiche für gioconde
Deila faccia di Dio, non volser viso