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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Werner.

vollkommen  einem  kosmologischen  Hauptsatze  Bonaventura’s
über  die  ternäre  Weltgliederung,  deren  dreifache  ontologische
Abstufung  zusammt  dem  die  drei  Stufenglieder  zur  Einheit
eines  geschlossenen  Ganzen  verbindenden  Ordnungsverhältniss
die  göttliche  Weisheit,  Macht  und  Güte  als  die  in  der  Welt
sich  offenbarende  dreifache  Vollkommenheit  des  Urseienden
bekunden  sollte.  1  Wie  nahe  es  Bonaventura  lag,  die  Simultanität
  der  Hervorbringung  dieser  drei  kosmischen  Seinsstufen
zu  behaupten,  und  dass  er  die  ihm  persönlich  mehr  zusagende
Ansicht  nur  aus  Hochhaltung  der  durch  eine  überwiegende  Anzahl ­
  von  Auctoritäten  bezeugten  herkömmlichen  theologischen
Lehrauffassung  nicht  festhalten  wollte,  ist  oben  des  Näheren
beleuchtet  worden.  Nicht  minder  ist  Dante’s  Lehre  über  die
höchsten  Wesen,  über  die  Engel,  weit  mehr  jener  Bonaventura’s, ­
  als  seines  sonstigen  Führers  Thomas  nachgebildet.  Er
lässt  die  Engel  nicht  mit  Thomas  im  Stande  der  Heiligung
erschaffen  werden,  sondern  durch  ihr  selbsteigenes  Verdienen
ihre  Seligkeit  und  die  unterschiedenen  Grade  derselben  erlangen. ­
  2  Aehnlich  lehrt  auch  Bonaventura,  dass  die  Engel
wahrscheinlich  nicht  im  Stande  der  Gnade  erschaffen  wurden, 3
dass  ihr  Streben  nach  Vollendung  in  Gott  von  ihrem  selbsteigenen ­
  Willen  ausgegangen  und  von  der  Gnade  nicht  angeregt,
sondern  nur  unterstützt  worden  sei, 4  dass  alle  seligen  Geister
wahrscheinlich  nur  Eine  Species  von  Wesen  constituiren, 5  und
die  zwischen  ihnen  bestehenden  Rangunterschiede  vornehmlich
nur  in  dem  verschiedenen,  ihnen  zu  Theil  gewordenen  Masse
der  Gnade  gegründet  seien. 6  Dante  führt  Beschwerde  über
die  Scholastikei - , 7  welche  in  der  Dreitheilung  der  Seelenvermögen ­
  befangen,  den  in  die  eivige  Anschauung  vertieften
Engeln  ein  Erinnerungsvermögen  zutheilen,  dessen  sie  in  Gott
Alles  schauend  nicht  bedürfen.  Auch  Bonaventura  spricht  nur

1  Sentt.  II,  dist.  1,  art.  1,  qu.  2.
2  Parad.  XXVIII,  vv.  112.  113;  ferner  XXIX,  vv.  64—66.
3  Sentt.  II,  dist.  4,  art.  1,  qu.  2.
4  Sentt.  II,  dist.  5,  art.  3,  qu.  1.
5  Sentt.  II,  dist.  9,  qu.  1.
6  Sentt.  II,  dist.  9,  qu.  2.
7  Parad.  XXIX,  vv.  70-81.
            
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