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Werner.
tiven Processes als Abschattung der Aufeinanderbeziehung und
Zusammenordnung der Weltdinge in der ars aeterna des göttlichen
Denkens. Für Bonaventura bleibt auch hier die Hauptsache,
dass die ratiocinative Thätigkeit des menschlichen Verstandes
in das göttliche Denken eingerückt ist und die zwingende Kraft
der logischen Folgerungen im Lichte der göttlichen Wahrheit
erkannt wird. Gott ist sonach die geistige Sonne, in deren Lichte
alles Wahre und Gewisse als wahr und gewiss erkannt wird.
Im Ganzen treffen wir diese Anschauung auch bei Thomas
Aquinas, jedoch so, dass hinsichtlich der Erkenntniss der
Weltdinge auf die Thätigkeit des Intellectus agens entschieden
mehr Gewicht gelegt wird, und die Erkenntniss der Species
der Sinnendinge als eine active geistige Ergreifung des Wesens
der Einzeldinge gefasst wird. Allerdings wird auch hier das
Idealdenken vom begrifflichen Denken gewissermassen noch
unter Verschluss gehalten, ist aber doch wenigstens latenter
Weise in demselben enthalten, obwol es sich auf dem Standpunkte
der speculativen Scholastik, deren Denken durchwegs
in die gegenständliche Wirklichkeit versenkt ist, nicht als eine
vom begrifflichen Denken gesonderte geistige Selbstmacht entfalten
kann. Bei Bonaventura aber ist der intellectus agens überhaupt
nur in soweit anerkannt, als dem Menschen nicht das Selbstdenken
abgesprochen werden soll; wenn er auch ausschliesslich iin
Lichte der göttlichen Wahrheit erkennt, so soll er doch wenigstens
selber es sein, der in diesem Lichte sieht und erkennt.
Bonaventura beruft sich für diese seine Anschauungsweise
auf die Auctorität des heiligen Augustinus, und kann es
mit vollem Hechte thun, da sich seine erkenntnisstheoretisclien
Lehren mit jenen Augustins in der That fast decken. Wir
wollen indess bei diesem Punkte nicht verweilen, sondern uns
vielmehr fragen, wie Bonaventura’s erkenntnisstheoretiselie Anschauungen
sich zu den philosophisch ausgebildeteren des freilich
weit späteren Malebranche verhalten, der gleichfalls auf
seine Uebereinstimmung mit Augustinus so grosses Gewicht
legt. Malebranche hat die Cartesische Philosophie hinter sich,
und steht auf dem Grunde derselben, daher er Sinn und Einbildungskraft
nicht als Bezugsquelle von Erkenntnissen, sondern
als blosse Gelegenheitsursachen der Entstehung geistiger Erkenntnisse
ansieht, deren Perceptionsmedium für die mensch-