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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Werner.

tiven  Processes  als  Abschattung  der  Aufeinanderbeziehung  und
Zusammenordnung  der  Weltdinge  in  der  ars  aeterna  des  göttlichen ­
  Denkens.  Für  Bonaventura  bleibt  auch  hier  die  Hauptsache,
dass  die  ratiocinative  Thätigkeit  des  menschlichen  Verstandes
in  das  göttliche  Denken  eingerückt  ist  und  die  zwingende  Kraft
der  logischen  Folgerungen  im  Lichte  der  göttlichen  Wahrheit
erkannt  wird.  Gott  ist  sonach  die  geistige  Sonne,  in  deren  Lichte
alles  Wahre  und  Gewisse  als  wahr  und  gewiss  erkannt  wird.
Im  Ganzen  treffen  wir  diese  Anschauung  auch  bei  Thomas ­
  Aquinas,  jedoch  so,  dass  hinsichtlich  der  Erkenntniss  der
Weltdinge  auf  die  Thätigkeit  des  Intellectus  agens  entschieden
mehr  Gewicht  gelegt  wird,  und  die  Erkenntniss  der  Species
der  Sinnendinge  als  eine  active  geistige  Ergreifung  des  Wesens
der  Einzeldinge  gefasst  wird.  Allerdings  wird  auch  hier  das
Idealdenken  vom  begrifflichen  Denken  gewissermassen  noch
unter  Verschluss  gehalten,  ist  aber  doch  wenigstens  latenter
Weise  in  demselben  enthalten,  obwol  es  sich  auf  dem  Standpunkte ­
  der  speculativen  Scholastik,  deren  Denken  durchwegs
in  die  gegenständliche  Wirklichkeit  versenkt  ist,  nicht  als  eine
vom  begrifflichen  Denken  gesonderte  geistige  Selbstmacht  entfalten ­
  kann.  Bei  Bonaventura  aber  ist  der  intellectus  agens  überhaupt ­
  nur  in  soweit  anerkannt,  als  dem  Menschen  nicht  das  Selbstdenken ­
  abgesprochen  werden  soll;  wenn  er  auch  ausschliesslich  iin
Lichte  der  göttlichen  Wahrheit  erkennt,  so  soll  er  doch  wenigstens ­
  selber  es  sein,  der  in  diesem  Lichte  sieht  und  erkennt.
Bonaventura  beruft  sich  für  diese  seine  Anschauungsweise ­
  auf  die  Auctorität  des  heiligen  Augustinus,  und  kann  es
mit  vollem  Hechte  thun,  da  sich  seine  erkenntnisstheoretisclien
Lehren  mit  jenen  Augustins  in  der  That  fast  decken.  Wir
wollen  indess  bei  diesem  Punkte  nicht  verweilen,  sondern  uns
vielmehr  fragen,  wie  Bonaventura’s  erkenntnisstheoretiselie  Anschauungen ­
  sich  zu  den  philosophisch  ausgebildeteren  des  freilich ­
  weit  späteren  Malebranche  verhalten,  der  gleichfalls  auf
seine  Uebereinstimmung  mit  Augustinus  so  grosses  Gewicht
legt.  Malebranche  hat  die  Cartesische  Philosophie  hinter  sich,
und  steht  auf  dem  Grunde  derselben,  daher  er  Sinn  und  Einbildungskraft ­
  nicht  als  Bezugsquelle  von  Erkenntnissen,  sondern
als  blosse  Gelegenheitsursachen  der  Entstehung  geistiger  Erkenntnisse ­
  ansieht,  deren  Perceptionsmedium  für  die  mensch-
            
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