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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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W  erner.

Denken  nahegelegte  kosmologische  Bedeutung  des  göttliclien
Urternars  nicht  zu  erfassen  ist.  Bonaventura  bringt  wol  den
kosmologischen  Reflex  der  göttlichen  Dreieinheit  in  seinem
Itinerarium  mentis  oft  genug  zur  Sprache,  und  findet  ihn  sowol
  in  der  gottgeschaffenen  Wirklichkeit  als  auch  in  den  menschlichen ­
  Gedankenverhältnissen  auf  das  vielfältigste  ausgedrückt;
indess  sind  die  vielen  von  ihn  aufgewiesenen  Dreiheiten  mit
Ausnahme  jener  Einen  psychologischen,  die  zuerst  Augustinus
als  Reflex  der  göttlichen  Dreieinheit  in  der  gottebenbildlichen
Menschenseele  zur  Sprache  gebracht  hatte,  blosse  Gedankenspiele, ­
  in  welchen  Bonaventura’s  Lieblingsgedanke  von  einem
die  gesammte  Schöpfung  durchherrschenden  Numerus  und  Rhythmus ­
  sich  einen  Ausdruck  zu  schaffen  suchte,  und  können  als
solche  einen  wissenschaftlichen  Werth  nicht  beanspruchen.
Eine  höhere  dianoetische  Bedeutung  ist  solchen  trilogischen
Schemen  nur  dann  zuzuerkennen,  wenn  sie  auf  ein  sie  durchherrschendes ­
  dialektisches  Grundgesetz  -zurückweisen,  und  in
Folge  dessen  auch  unter  sich  selbst  in  inniger  Wechselverschlingung ­
  ein  lebendiges  unzerreissbares  Ganzes  bilden.  Ein
derartiges  dianoetisch  ausgebildetes  Gedankensystem  als  Weltsystem ­
  ist  nur  auf  dem  Standpunkte  einer  concret  durchgebildeten ­
  kosmischen  Universalanschauung  möglich,  welche  in  der
lebendigen  Weltentwicklung  die  dialektische  Verwirklichung
eines  den  göttlichen  Selbstgedanken  reflectirenden  Weltgedankens
erschaut.  Daran  ist  aber  bei  dem  Verharren  auf  einem  abstract
metaphysischen  Standpunkte,  auf  welchem  nur  mit  den  Begriffen ­
  von  Sein,  Wesen  und  Substanz  operirt  wird,  und  die
Würdigung  der  Weltdinge  bei  deren  Verhältniss  zu  jenen  Begriffen ­
  stehen  bleibt,  nicht  zu  denken;  man  kommt  auf  diesem
Standpunkte  eben  nur  zur  Unterscheidung  jener  drei  Seinsstufen, ­
  mit  deren  Zergliederung  Bonaventura  sich  befasst,  und
von  welchen  die  beiden  unteren  selbstverständlich  nur  nach  ihrer
Bedeutung  als  Vorstufen  des  göttlichen  Seins  gewürdiget  werden.
Der  metaphysische  Gehalt  der  Denkart  Bonaventura’s  tritt
mit  vollkommener  Klarheit  bei  der  Darlegung  seiner  Betrachtungsergebnisse ­
  auf  der  dritten  der  von  ihm  unterschiedenen
sechs  Erkenntnissstufen  hervor.  1  Er  untersucht  da,  in  welcher

1  Itin.  ment.,  c.  4.
            
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