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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Psychologie  und  Erlcenntnisslehre  des  Johannes  Bonaventura.

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Weisheit  und  Güte  ihres  Urhebers.  In  Sinn  und  Gedanke  des
menschlichen  Beschauers  verinnerlichet  zeigt  sie  uns  Gott  selbst
als  den  durch  seine  Wesenheit  und  durch  sein  Machtwirken  in  den
Dingen  Gegenwärtigen.  Die  Immanenz  Gottes  in  den  Creaturen
  (von  Bonaventura  als  dreifaches  Esse  Dei  in  rebus  per
essentiam,  potentiam  et  praesentiam  bestimmt),  bekundet  sich
in  dem  contemplativen  Verständniss  der  drei  Acte  der  successiven
  psychischen  Innerung  der  äusseren  Weltwirklichkeit:  Apprehensio,
  Delectatio  und  Dijudicatio.  Die  psychische  Apprehensio
des  sinnlichen  Objectes  ist  durch  das  von  demselben  in’s  Raummedium ­
  projicirte  Bild  ermöglichet;  die  Selbstabbildung'  des  Objectes ­
  im  Raummedium  hat  ihr  causatives  Urbild  in  der  Strahlung,
mittelst  welcher  die  leuchtende  göttliche  Urwesenheit  ein  allerfüllendes ­
  Bild  ihrer  selbst  setzt.  Und  wie  die  Berührung  dos  Auges
durch  das  Bild  des  sinnlichen  Objectes  die  Seele  auf  dieses  hinlenkt, ­
  so  wird  die  Seele  mittelst  der  inneren  geheimnissvollen  Berührung ­
  durch  die  lebendige  Gottesstrahlung,  in  welcher  die  göttliche ­
  Wesenheit  sich  selber  abbildet,  auf  den  lebendigen  Grund
dieser  Strahlung  hingelenkt.  Die  in  der  psychischen  Delectatio
appercipirte  Erfreuungskraft  der  Sinnendinge  weiset  auf  eine
causative  urhafte  Speciositas,  Suavitas  und  Salubritas  hin,  die
mit  der  prima  species  oder  der  Licht  und  Leben  strahlenden
göttlichen  Urwesenheit  identisch  sein  muss,  und  in  der  Macht
ihrer  Allgegenwart  die  Schönheit,  Lieblichkeit  und  Heilsamkeit
der  Sinnendinge  zu  einem  blossen  Schatten  ihrer  selbst  herabsetzt. ­
  Der  durch  die  Dijudicatio  erkannte  Grund  der  Schönheit, ­
  Lieblichkeit  und  Heilsamkeit  der  Sinnendinge  liegt  in  der
proportio  aequalitatis;  diese  weist  durch  sich  selbst  auf  eine
absolute  ratio  rerum  hin,  die  ihre  Allgegenwart  und  Macht  in
den  Dingen  als  ars  aeterna,  in  unserem  Denken  aber  als  untrügliche ­
  Denk-  und  Wahrheitsnorm  bekundet.  So  ist  Sein,
Leben  und  Denken  der  Creatur  von  der  Allgegenwart  des  göttlichen ­
  Seins  und  Wirkens  durchherrscht  und  gibt  der  von  ihrem
lebendigen  Hauche  angewehten  Contemplation  der  in’s  Seelenmnere
  aufgenommenen  kosmischen  Wirklichkeit  den  sie  durchwaltenden ­
  Ewigen  in  seinem  eigensten  Wesen  kund.
Fragen  wir  nach  dem  philosophischen  Gedankengehalte
dessen,  was  sich  als  Ergebniss  der  christlich-religiösen  Naturbetrachtung ­
  Bonaventura’s  absetzt,  so  muss  wol  einfach  gesagt
            
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