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Werner.
Gott gewonnen. Von der Betrachtung der Natur auf die der
Seele übergehend, geht der Betrachter aus dem Yorhofe des
Heiligthums in das Heiligthum selber ein; in das Allerheiligste
aber tritt er ein, wenn die Betrachtung unmittelbar Gott selber
sich zuwendet. Und hier ist wieder Gott zuerst in der Einheit
seines ungeschaffenen Wesens als der absoluten ursächlichen
Voraussetzung alles Geschaffenen zu betrachten, sodann
als das absolute Urgute in der Dreiheit der Personen, in deren
Sein und Wirken der Begriff des Guten als des Diffusivum
sui ipsius absolut verwirklicht ist. Der Sechszahl der hiemit
aufgewiesenen Betrachtungsstufen entspricht die Sechszahl der
cognoscitiven Seelenvermögen in aufsteigender Ordnung: Sensus,
Imaginatio, Ratio, Intellectus, Intelligentia, Synderesis. Wir
werden nicht irren, wenn wir die Synderesis als oberen Gegenpol
des untersten Vermögens, des Sensus, gleichfalls als Sinn
und Gefühl, aber natürlich im geistigsten Sinne, als Sinn und
Gefühl der Seele an sich nehmen. Diese Auffassung bewahrheitet
sich durch Alles, was im Vorausgehenden über
Bonaventura’s Seelenbegriff beigebracht wurde; sie stimmt zu
seiner Annahme einer Zusammensetzung der Seele aus Materie
und Form, zu seiner Anschauung vom vorwiegend receptiven
Wesen der menschlichen Vernunft, so wie von der Vollendung
der Seele in der Liebe als Höchstem, worin sie in Gott aufgeht;
sie .erklärt uns endlich auch die vorausgehend schon erwähnte
Analogisirung der höheren überirdischen Seelenapperceptionen
mit den sinnlich-leiblichen Apperceptionen, wo gleichfalls die
niederste der Sinneswahrnehmungen, jene durch das Getast,
ihren Gegenpol in der analogisch aufgefassten höchsten geistigen
Seelenapperception hat. Wir sehen also bei Bonaventura
das intellectuelle Gefühl zum innersten Mittelpunkte des
höheren Seelenlebens gemacht; und darin sind der Hauptsache
nach die Abweichungen begründet, welche seine den Betrachtungen
Richards nachgebildete Beschreibung des W 7 eges der
Seele zu Gott aufweist. Bonaventura zeigt sich im Unterschiede
von Richard durchwegs als die weichere, gefühlvollere Natur,
die abwärts nach Rundung und Harmonisirung strebt, während
bei Richard ein inquisitives Eingehen in den Gegenstand unter
möglichst erschöpfender Analyse desselben eine sehr energische
Verstandesthätigkeit erkennen lässt. Richard sieht in der zeit-