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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Werner.

Gott  gewonnen.  Von  der  Betrachtung  der  Natur  auf  die  der
Seele  übergehend,  geht  der  Betrachter  aus  dem  Yorhofe  des
Heiligthums  in  das  Heiligthum  selber  ein;  in  das  Allerheiligste
aber  tritt  er  ein,  wenn  die  Betrachtung  unmittelbar  Gott  selber
sich  zuwendet.  Und  hier  ist  wieder  Gott  zuerst  in  der  Einheit ­
  seines  ungeschaffenen  Wesens  als  der  absoluten  ursächlichen ­
  Voraussetzung  alles  Geschaffenen  zu  betrachten,  sodann
als  das  absolute  Urgute  in  der  Dreiheit  der  Personen,  in  deren
Sein  und  Wirken  der  Begriff  des  Guten  als  des  Diffusivum
sui  ipsius  absolut  verwirklicht  ist.  Der  Sechszahl  der  hiemit
aufgewiesenen  Betrachtungsstufen  entspricht  die  Sechszahl  der
cognoscitiven  Seelenvermögen  in  aufsteigender  Ordnung:  Sensus, ­
  Imaginatio,  Ratio,  Intellectus,  Intelligentia,  Synderesis.  Wir
werden  nicht  irren,  wenn  wir  die  Synderesis  als  oberen  Gegenpol ­
  des  untersten  Vermögens,  des  Sensus,  gleichfalls  als  Sinn
und  Gefühl,  aber  natürlich  im  geistigsten  Sinne,  als  Sinn  und
Gefühl  der  Seele  an  sich  nehmen.  Diese  Auffassung  bewahrheitet ­
  sich  durch  Alles,  was  im  Vorausgehenden  über
Bonaventura’s  Seelenbegriff  beigebracht  wurde;  sie  stimmt  zu
seiner  Annahme  einer  Zusammensetzung  der  Seele  aus  Materie
und  Form,  zu  seiner  Anschauung  vom  vorwiegend  receptiven
Wesen  der  menschlichen  Vernunft,  so  wie  von  der  Vollendung
der  Seele  in  der  Liebe  als  Höchstem,  worin  sie  in  Gott  aufgeht;
sie  .erklärt  uns  endlich  auch  die  vorausgehend  schon  erwähnte
Analogisirung  der  höheren  überirdischen  Seelenapperceptionen
mit  den  sinnlich-leiblichen  Apperceptionen,  wo  gleichfalls  die
niederste  der  Sinneswahrnehmungen,  jene  durch  das  Getast,
ihren  Gegenpol  in  der  analogisch  aufgefassten  höchsten  geistigen ­
  Seelenapperception  hat.  Wir  sehen  also  bei  Bonaventura
  das  intellectuelle  Gefühl  zum  innersten  Mittelpunkte  des
höheren  Seelenlebens  gemacht;  und  darin  sind  der  Hauptsache
nach  die  Abweichungen  begründet,  welche  seine  den  Betrachtungen ­
  Richards  nachgebildete  Beschreibung  des  W 7 eges  der
Seele  zu  Gott  aufweist.  Bonaventura  zeigt  sich  im  Unterschiede
von  Richard  durchwegs  als  die  weichere,  gefühlvollere  Natur,
die  abwärts  nach  Rundung  und  Harmonisirung  strebt,  während
bei  Richard  ein  inquisitives  Eingehen  in  den  Gegenstand  unter
möglichst  erschöpfender  Analyse  desselben  eine  sehr  energische
Verstandesthätigkeit  erkennen  lässt.  Richard  sieht  in  der  zeit-
            
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