Die Psychologie und Erkenntnisslehre des Johannes Bonaventura.
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Genüsse, ErfreuuDgen und Erquickungen der irdischen Sinne
sich nur wie Schattenbilder verhalten zu jenen höheren, geistigen,
welche der Mensch im Aufstreben zum Ewigen, Himmlischen
und Göttlichen erlebt und erntet. Gleich den Victorinern
von der Betrachtung der äusseren Welt ausgehend findet
er in der Schönheit, Annehmlichkeit und Erquicklichkeit der
Sinnendinge bereits eine Spur jener Speciositas, Suavitas und
Salubritas, die in Gott als prima species in absolutem Grade
vorhanden sein müssen, woraus folgt, dass der Urquell und
die Fülle aller Erquickung in Gott zu suchen sei. 1 Die von
der Seele aufzugreifende Species des Sinnendinges ist eine in’s
Raummedium (zwischen Object und appercipirendem Subject)
gesetzte Abbildung des Objectes, die in’s Seeleninnere aufgenommen
auf ihren verursachenden Gegenstand hinleitet und
denselben kenntlich macht. Wie der sinnliche Gegenstand ein
solches Bild seiner selbst erzeugt, so setzt auch die göttliche
Wesenheit ein Bild ihrer selbst, und projicirt dasselbe in unser
Seeleninneres, um die Seele die es in sich aufnimmt, in eine
geistige Gemeinschaft mit sich zu setzen, und in die lebendige
Erkenntniss dessen, welchen das Bild reflectirt, einzuführen.
Dieses Bild der göttlichen Wesenheit ist jene Species prima,
die als Species specierum alle Speciositas, Suavitas und Salubritas
urhaft in sich vereiniget. Die Apperception dieser dreifachen
Bestimmtheit aller gottgeschaffenen Dinge wird uns
bezüglich der Sinnendinge durch die Sinnesorgane vermittelt,
und zwar die Schönheit der Dinge durch die Apperceptionen
des Gesichtssinnes, die Annehmlichkeit und Lieblichkeit durch
die Sinne des Gehöres und Geruches, die Erquicklichkeit und
Heilsamkeit durch die Sinne des Geschmackes und Getastes.
Die in die Welt der Sinne versenkte Seele ist durch die Distractionen
und Reizungen der sinnlichen Wirklichkeit mehr
oder weniger um jenen höheren Seelensinn gebracht, mittelst
dessen sie die Fülle von überschwenglich Schönem, Lieblichem
und Erquicklichem, was eine höhere überirdische Wirklichkeit
in sich birgt, zu appercipiren im Stande wäre. Dieser
höhere Sinn muss in ihr wiedererweckt und restituirt werden
in den Gnaden des christlichen Heiles durch die himmlischen
1 Itin. ment., c. 2.