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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Psychologie  und  Erkenntnisslehre  des  Johannes  Bonaventura.

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Genüsse,  ErfreuuDgen  und  Erquickungen  der  irdischen  Sinne
sich  nur  wie  Schattenbilder  verhalten  zu  jenen  höheren,  geistigen, ­
  welche  der  Mensch  im  Aufstreben  zum  Ewigen,  Himmlischen ­
  und  Göttlichen  erlebt  und  erntet.  Gleich  den  Victorinern
  von  der  Betrachtung  der  äusseren  Welt  ausgehend  findet
er  in  der  Schönheit,  Annehmlichkeit  und  Erquicklichkeit  der
Sinnendinge  bereits  eine  Spur  jener  Speciositas,  Suavitas  und
Salubritas,  die  in  Gott  als  prima  species  in  absolutem  Grade
vorhanden  sein  müssen,  woraus  folgt,  dass  der  Urquell  und
die  Fülle  aller  Erquickung  in  Gott  zu  suchen  sei.  1  Die  von
der  Seele  aufzugreifende  Species  des  Sinnendinges  ist  eine  in’s
Raummedium  (zwischen  Object  und  appercipirendem  Subject)
gesetzte  Abbildung  des  Objectes,  die  in’s  Seeleninnere  aufgenommen ­
  auf  ihren  verursachenden  Gegenstand  hinleitet  und
denselben  kenntlich  macht.  Wie  der  sinnliche  Gegenstand  ein
solches  Bild  seiner  selbst  erzeugt,  so  setzt  auch  die  göttliche
Wesenheit  ein  Bild  ihrer  selbst,  und  projicirt  dasselbe  in  unser
Seeleninneres,  um  die  Seele  die  es  in  sich  aufnimmt,  in  eine
geistige  Gemeinschaft  mit  sich  zu  setzen,  und  in  die  lebendige
Erkenntniss  dessen,  welchen  das  Bild  reflectirt,  einzuführen.
Dieses  Bild  der  göttlichen  Wesenheit  ist  jene  Species  prima,
die  als  Species  specierum  alle  Speciositas,  Suavitas  und  Salubritas ­
  urhaft  in  sich  vereiniget.  Die  Apperception  dieser  dreifachen ­
  Bestimmtheit  aller  gottgeschaffenen  Dinge  wird  uns
bezüglich  der  Sinnendinge  durch  die  Sinnesorgane  vermittelt,
und  zwar  die  Schönheit  der  Dinge  durch  die  Apperceptionen
des  Gesichtssinnes,  die  Annehmlichkeit  und  Lieblichkeit  durch
die  Sinne  des  Gehöres  und  Geruches,  die  Erquicklichkeit  und
Heilsamkeit  durch  die  Sinne  des  Geschmackes  und  Getastes.
Die  in  die  Welt  der  Sinne  versenkte  Seele  ist  durch  die  Distractionen
  und  Reizungen  der  sinnlichen  Wirklichkeit  mehr
oder  weniger  um  jenen  höheren  Seelensinn  gebracht,  mittelst
dessen  sie  die  Fülle  von  überschwenglich  Schönem,  Lieblichem
und  Erquicklichem,  was  eine  höhere  überirdische  Wirklichkeit ­
  in  sich  birgt,  zu  appercipiren  im  Stande  wäre.  Dieser
höhere  Sinn  muss  in  ihr  wiedererweckt  und  restituirt  werden
in  den  Gnaden  des  christlichen  Heiles  durch  die  himmlischen

1  Itin.  ment.,  c.  2.
            
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