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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Werner.

könnte,  dass  der  absolute  Gegenstand  des  seelischen  Begehrens
das  geistige  Fassungsvermögen  der  Seele  schlechthin  übersteigt.  1
Diess  will  nun  Bonaventura  allerdings  nicht  sagen,  und  kann
es  nicht  sagen  wollen;  aber  so  viel  liegt  in  seiner  gesammten
x\uffassungsweise  thatsächlich  ausgesprochen,  dass  der  jenseitige
Yollendungsstand  der  menschlichen  Seele  unserem  zeitlichen
Denken  absolut  entrückt  sei.  Und  damit  ist  das  richtige  Maass
augenscheinlich  überschritten;  denn  was  unserem  Vorstellen
entrückt  ist,  ist  damit  noch  nicht  unserem  Denken  unerreichbar ­
  geworden.  Bonaventura  ist  augenscheinlich  bemüht,  den
Denkinhalt  des  christlichen  Glaubens  inniger  und  innerlicher
zu  fassen,  als  der  Denkstandpunkt  und  Denkhabitus  des  scholastischen ­
  Peripatetismus  diess  zuzulassen  scheint;  er  vermag
jedoch  nicht  jenen  Grad  von  Denkenergie  aufzubieten,  der  erforderlich ­
  gewesen  wäre,  den  speculativen  Gehalt  der  peripatetischen ­
  Scholastik  noch  weiter  zu  vertiefen,  ja  nur  desselben
sich  vollkommen  zu  bemächtigen.  Denn  sein  Sichzurückziehen
auf  den  Standpunkt  der  mystischen  Beschauung  ist  einem  Verzichte ­
  auf  eine  geistige  Bewältigung  der  Denkbestrebungen  der
speculativen  Peripatetik  gleich  zu  erachten.  Sei  es  auch,  dass
er  eine  innerlichere  und  tiefere  Fassung  des  Inhaltes  der
christlichen  Glaubensüberzeugung  anstrebt,  so  fasst  er  doch
das  intellective  menschliche  Erkennen  zu  sehr  von  der  receptiven
  Seite  desselben  auf, 2  als  dass  ihm  eine  ideelle  Vertiefung

Bonaventura  spricht  als  Zeuge  der  ihn  durchgehenden  heiligen  Gottesliebe ­
  :
L’amor  che  mi  fa  bella,
Mi  tragge  a  ragionar  dell'altro  duca,
Per  cui  del  mio  si  ben  ci  si  favella.
(Parad.  XII,  31—33.  Siehe  oben  S.  107.)
1  Tu  autem  o  amice  —  heisst  es  Itinerar.  ment.  c.  7  (gegen  Ende)  —
circa  mysticas  visiones  corroborato  itinere,  et  sensus  desere  et  intellectuaies
  operationes  et  sensibilia  et  invisibilia  et  omne  non  ens  et  ens,  et
ad  unitatem  (ut  possibile  est)  inscius  restituere  ipsius,  qui  est  super  omnem
  essentiam  et  scientiam.
2  Similitudo,  secundum  quod  unum  est  similitudo  alterius  est  ratio
cognoscendi,  et  haec  dieitur  idea.  Sed  aliter  est  in  nobis,  aliter  in  Deo.
In  nobis  quidem  ratio  cognoscendi  est  similitudo,  cognitum  est  veritas.
Nam  in  nobis  est  similitudo  accepta  et  impressa  ab  extrinseco,  propter
hoc,  quod  intellectus  noster  respectu  cogniti  est  passibilis  et  non  actus
            
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