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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Psychologie  und  Erkenntuisslelire  des  Johannes  Bonaventura.

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in  eminentester  Weise  involvirt,  weil  die  Anschauung;  der
Wahrheit  in  ihrer  eigensten  Wesenheit  einen  eminentesten,
höchstgesteigerten  Grad  geistiger  Selbstthätigkeit  des  Anschauenden ­
  voraussetzt  und  fordert.  Zugleich  ist  diese  Auffassung
der  Seligkeit  die  geistigste,  welche  sich  nicht  durch  eine  noch
geistigere  überbieten  lässt,  ohne  den  Gegenstand  derselben
selber  aufzuheben.  Es  ist  merkwürdig,  dass  gerade  jene  Denkrichtung, ­
  in  welcher  sich  der  peripatetischen  Scholastik  gegenüber ­
  das  Gefühl  der  individuellen  Selbstheit  zum  Ausdrucke
brachte,  in  so  bedenklicher  Weise  an  Pantheismus  streifte;
der  Erklärungsgrund  liegt  aber  offen  da,  und  bietet  sich  in
Bonaventura’s  Anschauung  vom  menschlichen  Intellecte  dar,
der  ihm  trotz  seines  formellen  Anschlusses  an  die  herrschende
Lehre  der  damaligen  Schulen  doch  vorwiegend  receptives  Vernunftsvermögen ­
  ist,  während  er  nach  der  von  Thomas  und  den
scholastischen  Peripatetikern  überhaupt  ihm  gegebenen  Bedeutung ­
  vornehmlich  activer  Weltverstand  ist.  Freilich  muss  dieser,
wenn  er  über  das  in  Natur  und  Welt  erfahrungsmässig  Gegebene ­
  sich  erhebend,  das  Ewige,  Himmlische  und  Göttliche
ergründen  will,  auch  nach  Thomas’  Lehre  durch  die  Gnade
über  sich  selbst  erhoben  werden,  und  in  einem  höheren  Lichte,
als  das  der  intellectiven  Menschenseele  concreirte  Licht  ist,
schauen;  aber  er  behauptet  auch  in  diesem  höheren  Schauen
seine  Activität,  ja  er  fühlt  sich  im  Elemente  der  himmlischen
Klarheit  zu  einem  höchsten  Grade  von  Activität  emporgehoben.
Nicht  so  bei  Bonaventura,  dem  die  zur  höchsten  Stufe  der
Contemplation  emporgehobene  Seele  in  Entzückung  ausser  sich
versetzt  wird, 1  was  nach  Umständen  auch  so  viel  besagen

1  Die  richtige  Auffassung  der  geistigen  Physiognomie  beider  Männer  ist
auf  charakteristische  Weise  bei  Dante  ausgeprägt,  der  in  Thomas,  den
Meister  der  Weisheit,  in  Bonaventura  den  Zeugen  ewiger  Liebe  feiert.
Dem  ersteren  legt  er  eindringendes  Geistschauen  bei:
Ed  io  senti’  dentro  a  quella  lumiera,
Che  pria  m’avea  parlato,  sorridendo
Incominciar,  facendosi  piü  mera:
Cosi  corn’io  del  suo  raggio  m’acceudo,
Si,  riguardando  nella  luce  eterna,
Li  tuo’  pensieri  onde  cagioni,  apprendo.
(Parad.  XI,  17—22).
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