Die Psychologie und Erkenntuisslelire des Johannes Bonaventura.
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in eminentester Weise involvirt, weil die Anschauung; der
Wahrheit in ihrer eigensten Wesenheit einen eminentesten,
höchstgesteigerten Grad geistiger Selbstthätigkeit des Anschauenden
voraussetzt und fordert. Zugleich ist diese Auffassung
der Seligkeit die geistigste, welche sich nicht durch eine noch
geistigere überbieten lässt, ohne den Gegenstand derselben
selber aufzuheben. Es ist merkwürdig, dass gerade jene Denkrichtung,
in welcher sich der peripatetischen Scholastik gegenüber
das Gefühl der individuellen Selbstheit zum Ausdrucke
brachte, in so bedenklicher Weise an Pantheismus streifte;
der Erklärungsgrund liegt aber offen da, und bietet sich in
Bonaventura’s Anschauung vom menschlichen Intellecte dar,
der ihm trotz seines formellen Anschlusses an die herrschende
Lehre der damaligen Schulen doch vorwiegend receptives Vernunftsvermögen
ist, während er nach der von Thomas und den
scholastischen Peripatetikern überhaupt ihm gegebenen Bedeutung
vornehmlich activer Weltverstand ist. Freilich muss dieser,
wenn er über das in Natur und Welt erfahrungsmässig Gegebene
sich erhebend, das Ewige, Himmlische und Göttliche
ergründen will, auch nach Thomas’ Lehre durch die Gnade
über sich selbst erhoben werden, und in einem höheren Lichte,
als das der intellectiven Menschenseele concreirte Licht ist,
schauen; aber er behauptet auch in diesem höheren Schauen
seine Activität, ja er fühlt sich im Elemente der himmlischen
Klarheit zu einem höchsten Grade von Activität emporgehoben.
Nicht so bei Bonaventura, dem die zur höchsten Stufe der
Contemplation emporgehobene Seele in Entzückung ausser sich
versetzt wird, 1 was nach Umständen auch so viel besagen
1 Die richtige Auffassung der geistigen Physiognomie beider Männer ist
auf charakteristische Weise bei Dante ausgeprägt, der in Thomas, den
Meister der Weisheit, in Bonaventura den Zeugen ewiger Liebe feiert.
Dem ersteren legt er eindringendes Geistschauen bei:
Ed io senti’ dentro a quella lumiera,
Che pria m’avea parlato, sorridendo
Incominciar, facendosi piü mera:
Cosi corn’io del suo raggio m’acceudo,
Si, riguardando nella luce eterna,
Li tuo’ pensieri onde cagioni, apprendo.
(Parad. XI, 17—22).
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