Die Psychologie und Erkenntnisslehre des Johannes Bonaventura.
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ihr selbsteigener Wille lässt sich als ihr Selbstwille nur dem
Begriffe nach von ihrem Wesen abscheiden; es kann da weder
von einem ,Vermögen' noch von einem ,Instrumente', sondern
nur von einem Thätigsein der Seele die Rede sein, das mit
dem Begriffe der Seele als lebendiger Potenz von selber gegeben
ist und als Thätigsein einer über physische Nöthigung
oder immanente Naturnothwendigkeit erhabenen Potenz wesentlich
ein freies selbstgewolltes Handeln ist. Wie dieses selbsteigene
Handeln des inneren seelischen Menschen ausfalle, ist
freilich von seiner innerlichen Disposition abhängig, die eben
in seinem thatsächlichen Handeln sich kundgibt; Bonaventura
hat für diese Disposition den bezeichnenden Ausdruck: Affectio,
welchen er gelegentlich mit Voluntas gleichbedeutend setzt,
wenn er Intellectus und Affectus, Ratio und Voluntas als einander
deckende Gegensätze bezeichnet. Diess ist freilich nicht
ganz genau gesprochen; man muss aber zugeben, dass er durch
die Gleichsetzung der Voluntas mit der potentia affectiva der
Menschenseele wirklich in die Mitte der Sache einrückt, was
noch mehr hervortritt, wenn er gelegentlich äussert, dass neben
der Zweitheilung: Cognoscitiva und Affectiva, auch die Dreitheilung
Ratio, Mens, Voluntas festgehalten werden könnte.
Es ist also das Gemütli als eine vom reflectirten Selbstwillen
der Seele verschiedene Potenz, die in seiner Psychologie nach
einer Stelle ringt, welche ihr in der nach Aristotelischen Anschauungen
construirten Psychologie versagt blieb; aber freilich
gelangt sie bei ihm nur sehr relativ, und bloss nach ihrer
receptiven Seite zur Geltung, und selbst da nur insoweit, als
es nöthig und sachlich gefordert schien, dem von Augustinus
betonten Urzuge der Seele nach Gott als absolutem Complemente
derselben gerecht zu werden. Von der lebendigen Gemiithskraft
als Uransatz selbstbewussten Persönlichkeit und charaktervollen
concreten Selbstgestaltung des inneren Seelenmenschen
ist in dem von formalisirenden Abstractionen umnetzten
scholastischen Denken nie und nimmer die Rede; sie ist aber
auch in der neuzeitlichen Philosophie dort nicht zum Ausdrucke
gekommen, wo man, statt von Gemüth und Geist, nur von
Gefühl und Vernunft zu reden wusste, und den inneren selbstigen
Kern des menschlichen Wesens in semipantlieisirenden
Reflexionen sich verflüchtigen liess. Den Röthen betreffs der