die vis concupiscibilis und vis irascibilis. Die Unterscheidung
höherer und niederer Seelenkräfte lässt Bonaventura nur beziehungsweise
gelten, und bringt sie nur in Beziehung auf das
Erkenntnissieben der Seele zur Sprache. Grund dessen ist,
dass er, wie nach ihm Duns Scotus und dessen Schule, das
sinnliche Begehren als einen Act des leiblichen Lebens fasst, 1
während Thomas und seine Schule das sinnliche Begehren
der vis concupiscibilis der Seele als anima sensibilis zuschreiben.
Dass rücksichtlich dieses Punktes die an überlieferten
platonischen Anschauungen festhaltenden Scotisten richtiger
dachten als die Thomisten, obschon die letzteren mit Recht den
von ersteren beiseite gesetzten Begriff der Seele als Vitalprincipes
urgirten, ist von uns bereits wiederholt angedeutet worden;
und es muss eben nur auf Rechnung der Aeusserlichkeit
und steifen Abstractheit des scholastischen Denkens gesetzt
werden, dass man den Gedanken eines relativen Selbstlebens
des Leibes mit der Idee der Seele als Lebensprincipes der
sinnlichen Leiblichkeit nicht zu vereinbaren wusste. Die schärfere
Abscheidung der Seelenvermögen von der Essenz der
Seele im Thomismus hing aber unzweifelhaft damit zusammen,
dass man die Seele zum Principe von Thätigkeiten und Vorgängen
machte, die sich nur sehr mittelbar und relativ auf
ihre Causalität zurückbeziehen Hessen.
Die seit Augustinus 2 herkömmlich gewordene Unterscheidung
zwischen Ratio superior und Ratio inferior wird von Bonaven-1
Dicendum, quod cum dividimus appetitum in naturalem et deliberativum,
sive quamcunque aliam potentiam, hoc dupliciter potest intelligi: Aut ita
quod appetitus naturalis et deliberativus diversitatem habent in objeetis,
utpote cum unum est appetibile solum a substant.ia rationali, aliud autem
est appetibile a brutali. Et hoc modo bene contingit, naturalem potentiam
et deliberativam esse diversas potentias. Alio modo potest dividi appetitus
sive potentia in naturalem et deliberativum, ita tarnen, ut non sit
differentia in objeetis, sed in modo appetendi, ut cum appellamus synderesin
esse voluntatem naturalem et voluntatem deliberativam
appellamus appetitum, quo post deliberationem aliquando adhaeremus
bono aliquando malo; et sic divisio potentiae per naturalem et deliberativam
non variat eam secunduin essentiam potentiae, sed secundum modum
movendi. Sentt. dist. 24, ps. 1, art. 2, qu. 3.