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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

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Wern  er.

tiblen  Himmelskörpern  auch  incorruptible  Geistwesen  entsprechen ­
  müssen.  Das  letztere  Argument  konnte  doch  wol  nur
als  Congruitätsgrund  für  die  Unsterblichkeit  der  geistigen
Himmelswesen  geltend  gemacht  werden;  das  erstere  wäre  nach
seinem  richtigen  Sinne  auf  den  antiken  Dualismus  zwischen
Nsu;  und  'TXr]  als  den  beiden  letzten  ewigen  Principien  des
kosmischen  Seins  zurückzuführen,  und  könnte  demnach  auch
nur  für  ein  in  die  antike  Lebenswelt  versenktes  Denken  Wahrlieit
  haben,  die  aber  dann  das  directeste  Gegentheil  dessen,
was  Bonaventura  als  christlicher  Denker  dachte  und  glaubte,
besagen  würde.
Bonaventura  geht  auf  sogenannte  scholastische  Fragen
nicht  weiter  ein,  als  es  ihm  unumgänglich  notlnvendig  dünkt.
So  kann  er  denn  auch  eine  Entscheidung  über  die  Frage,  wie
das  A^erhältniss  der  Seelenkräfte  und  Seelenvermögen  zum
Wesen  oder  zur  Substanz  der  Seele  zu  fassen  sei,  nicht  geradezu
ablehnen,  verweilt  aber  bei  dieser  Erörterung  nicht  länger,  als
es  durch  die  Umstände  nahe  gelegt  ist, 1  und  bemüht  sich  im
Streite  und  Gegensätze  der  Meinungen  eine  gemässigte  Mitte
einzuhalten.  Er  entscheidet  sich  dafür,  dass  die  Potenzen  der
Seele  nicht  schlechthin  mit  dem  Wesen  der  Seele  selber  zu
identificiren,  sondern  wie  unter  einander,  so  auch  vom  Wesen
der  Seele  als  deren  Instrumente  zu  unterscheiden  seien. 2  Er
verwirft  sonach  den  von  den  Platonikern  des  zwölften  Jahr-1

  Dicendum  —  heisst  es  Sentt.  II,  dist.  24,  ps.  1,  art.  2,  qu.  2  —  quod
etsi  praedicta  quaestio  plus  contineat  curiositatis  quam  utilitatis,  propter
hoc,  quod  sive  una  pars  teneatur  sive  altera,  nullmn  praejudicium  uec
fidei  nec  moribus  generatur,  verumtamen,  quia  Sancti  et  alii  qui  tractant
de  potentiis  animae,  plurimum  loquuntur  de  potentiarum  distinetione,  et
quia  etiam  plurium  quaestionum  determinatio  pendet  ex  praedicta  quaestionis
  .  determinatione,  ideo  determinationi  isti  aliquaatulum  diligenter
oportet  insistere.
2  Diese  Auffassungsweise  ist  aus  Richard  von  St.  Victor  entlehnt,
dessen  Einfluss  auf  Bonaventura  weiter  unten  ausführlicher  zur  Sprache
kommen  wird.  Cum  ratio  vel  voluntas  vel  intellectus  nominatur  —  sagt
Richard  —  aliquando  instrumentum,  aliquando  ejus  actio  intelligitur.  Et
scimus  quidem,  quia  instrumentum  quam  ejus  actio  semper  prius  est,  et
sine  ipsa  esse  potest.  Habet  ergo  ab  instrumento  actio  esse,  nou  instrumentum ­
  ab  actione.  Unde  nec  iueonveniens  est,  per  instrumentum  matrem,
  per  actionem  autem  filium  intelligere.  Benjamin  Minor,  c.  17.
            
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