Die Psychologie und Erkenntnisslehve des Johannes Bonaventura.
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dai'gestellt. Bei den geistigen Substanzen fallen zwar die
Bestimmtheiten der Materialität jener beiden Stufen hinweg,
wird jedoch noch immer die Materie als Substrat der Wesensform
und als Möglichkeitsgrund eines wesenhaften Seins gefordert,
und dies ist die Materie im generellsten Sinne und
die Möglichkeitsbedingung alles geschaffenen Seins, die darum
von Duns Scotus materia prima genannt wird. Aus dieser
wird die materia secundo- prima durch Hinzutritt jener eingränzenden
Determinationen, die das geschöpfliche Sein zum
körperlichen Sein machen — aus der materia secundo-prima
die materia tertio-prima durch Hinzutritt jener weiteren Determinationen,
durch welche die irdische Körperlichkeit von der
himmlischen unterschieden ist. Ihrem metaphysischen Denkgehalte
nach ist diese Anschauungsweise offenbar neuplatonisch,
und es wäre hiemit der allgemeine philosophische Denkhintergrund
der psychologischen Mystik Bonaventura’s aufgewiesen.
Es fragt sich weiter nur, wie diese Stoffeinheit alles
Geschaffenen mit der Vielheit der persönlich unterschiedenen
geistigen Existenzen sich vereinbaren lasse. Für Albert und
Thomas, welche die Immaterialität der Engel und Menschenseelen
behaupteten, war kein Anlass zu einer derartigen Frage
vorhanden; wol aber für Bonaventura, der auch darüber Aufschluss
schuldig war, wie er sich auf Grund seiner Ansicht
von der materia prima den Hergang der Weltgestaltung denke,
welcher ja, wie man meinen sollte, ordnungsgemäss dem regelrechten
Gange der logischen Determinationen des Gedankens
der materia prima zu entsprechen hätte. Bonaventura kann
selbst nicht umhin zu gestehen, 1 dass er sich den Hergang
der Schöpfung am liebsten nach der von Augustinus in seiner
spirituellen Auslegung der Mosaischen Genesis befolgten Weise
vorstellen würde, wenn er sich nicht durch das Gewicht der
weitaus überwiegenden Mehrzahl der Äuctoritäten auf die entgogengesetzte
Seite hinübergezogen fühlte. Offenbar lag es
seinem Denken näher, sich die Aufeinanderfolge des Geschaffenen
in dieser Ordnung zu denken: Engel, Menschenseelen,
Körperwelt; und um diese rationelle Ordnung mit der
biblischen Darstellung des Schöpfungsherganges in Einklang
1 Sentt. II, dist. 12, art. 1, qu. 2.
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