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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

Die  Psychologie  und  Erkenntnisslehve  des  Johannes  Bonaventura.

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dai'gestellt.  Bei  den  geistigen  Substanzen  fallen  zwar  die
Bestimmtheiten  der  Materialität  jener  beiden  Stufen  hinweg,
wird  jedoch  noch  immer  die  Materie  als  Substrat  der  Wesensform ­
  und  als  Möglichkeitsgrund  eines  wesenhaften  Seins  gefordert, ­
  und  dies  ist  die  Materie  im  generellsten  Sinne  und
die  Möglichkeitsbedingung  alles  geschaffenen  Seins,  die  darum
von  Duns  Scotus  materia  prima  genannt  wird.  Aus  dieser
wird  die  materia  secundo-  prima  durch  Hinzutritt  jener  eingränzenden
  Determinationen,  die  das  geschöpfliche  Sein  zum
körperlichen  Sein  machen  —  aus  der  materia  secundo-prima
die  materia  tertio-prima  durch  Hinzutritt  jener  weiteren  Determinationen, ­
  durch  welche  die  irdische  Körperlichkeit  von  der
himmlischen  unterschieden  ist.  Ihrem  metaphysischen  Denkgehalte ­
  nach  ist  diese  Anschauungsweise  offenbar  neuplatonisch,
und  es  wäre  hiemit  der  allgemeine  philosophische  Denkhintergrund ­
  der  psychologischen  Mystik  Bonaventura’s  aufgewiesen.
Es  fragt  sich  weiter  nur,  wie  diese  Stoffeinheit  alles
Geschaffenen  mit  der  Vielheit  der  persönlich  unterschiedenen
geistigen  Existenzen  sich  vereinbaren  lasse.  Für  Albert  und
Thomas,  welche  die  Immaterialität  der  Engel  und  Menschenseelen ­
  behaupteten,  war  kein  Anlass  zu  einer  derartigen  Frage
vorhanden;  wol  aber  für  Bonaventura,  der  auch  darüber  Aufschluss ­
  schuldig  war,  wie  er  sich  auf  Grund  seiner  Ansicht
von  der  materia  prima  den  Hergang  der  Weltgestaltung  denke,
welcher  ja,  wie  man  meinen  sollte,  ordnungsgemäss  dem  regelrechten ­
  Gange  der  logischen  Determinationen  des  Gedankens
der  materia  prima  zu  entsprechen  hätte.  Bonaventura  kann
selbst  nicht  umhin  zu  gestehen,  1  dass  er  sich  den  Hergang
der  Schöpfung  am  liebsten  nach  der  von  Augustinus  in  seiner
spirituellen  Auslegung  der  Mosaischen  Genesis  befolgten  Weise
vorstellen  würde,  wenn  er  sich  nicht  durch  das  Gewicht  der
weitaus  überwiegenden  Mehrzahl  der  Äuctoritäten  auf  die  entgogengesetzte
  Seite  hinübergezogen  fühlte.  Offenbar  lag  es
seinem  Denken  näher,  sich  die  Aufeinanderfolge  des  Geschaffenen ­
  in  dieser  Ordnung  zu  denken:  Engel,  Menschenseelen, ­
  Körperwelt;  und  um  diese  rationelle  Ordnung  mit  der
biblischen  Darstellung  des  Schöpfungsherganges  in  Einklang
1  Sentt.  II,  dist.  12,  art.  1,  qu.  2.
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