Die Pdychologie und Erkenntnisslelire des Johannes Bonaventura.
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kennen sein muss. Ein solches Erkennen muss möglich sein,
wenn es wahr ist, dass der Mensch, wie Bonaventura sagt,
ein beziehungsweise ausdrucksvolleres Gottesbild (expressior
imago) als der Engel sei. Für diesen Fall aber darf das Verhältniss
der menschlichen Seele zu dem ihr eignenden Leibe
nicht bloss als Verhältniss der creatura rationalis ad aliquid
extrinsecum gefasst werden, wie es von Seite Bonaventura’s
geschieht, weil damit dem specifischen Wesenscharakter des
Menschen als lebendiger Ineinsbildung beider Arten und Ordnungen
der kosmischen Wirklichkeit, der sinnlichen und übersinnlichen,
geistigen und natürlichen nicht Genüge geschieht,
und die expressior imago als eine bloss ratione ejus quod
adjacet, wie Bonaventura sich ausdrückt, 1 erkannte erscheint.
Aus dem bisher Bemerkten wird sich auch erklären, wie er
dahin kommt, den Unterschied zwischen Imago und Similitudo
oder anerschaffener und actuell verwirklichter Gottesbildlichkeit
derart zu bestimmen, 2 dass erstere im geistigen Erkennen,
letztere aber in der affectiven Potenz, d. h. in der lebendigen
Gemüthskraft, ihren vornehmlichen Ausdruck findet. 3 Denn
damit ist doch wol nur dies insinuirt, dass das selbstmächtige
Erkennen des Menschen auf den Bereich der natürlichen Ordnung
oder des auf natürlichem Wege Erkennbaren beschränkt
sei, während der Unterschied beider Erkenntnisse, der natürlichen
und gläubigen, vornehmlich und primär doch in dem
unterschiedlichen Verhältniss der ihnen entsprechenden Wirklichkeiten
zum Standort unseres zeitlichen Erkennens begründet ist.
Uebrigens steht Bonaventura mit jener Verhältnissbestimmung
zwischen Imago und Similitudo ganz innerhalb des Bereiches
der Theologie seines Ordens; auch Alexander Halesius 4 entscheidet
sich für den Satz: Imago in cognitione, similitudo in
' Sentt. II, dist. IG, qu. 2.
2 Sentt. II, dist. 16, qu. 3.
3 In imagine creationis duae sunt potentiae ex parte cognitivae seil, memoria
et intelligentia, et una ex parte affectivae, seil, voluntas. E contra
vero in imagine recreationis, quae consistit in gratia, duae virtutes sunt
ex parte affectivae: seil, spes et charitas, et una ex parte cognitivae,
seil. Fides. L. e.
4 Summ. II, qu. 62, mbr. 5, art. 4.
Sitzungsber. d. phil.-Mst. CI. LXXXII. Ed. II. Hft. 8