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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 82. Band, (Jahrgang 1876)

l)ie  Psychologie  und  Erkenntnisslehre  des  Johannes  Bonaventura.

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liehe  Vaterschaftsverhältniss  hat  allerdings  einen  gottesbildlichen ­
  Charakter,  aber  nur  darum  und  insoweit,  als  das  Naturverlrältniss
  zwischen  Zeugenden  und  Gezeugtem  in  den  Bereich
einer  höheren  Ordnung  emporgehoben  ist,  welcher  die  Menschenehe ­
  von  vorneherein  angehört;  diese  Angehöx’igkeit  beweist
aber  die  Eigenartigkeit  des  Menschen  als  eines  vom  blossen
Sinnenwesen  so  wie  vom  reinen  Geistwesen  specifisch  verschiedenen ­
  Dritten,  für  welchen  deshalb  auch  ein,  sein  Wesen
vom  jenen  der  reinen  Geistwesen  und  der  blossen  Naturwesen
unterscheidender  Charakter  ausgemittelt  werden  muss,  der  nicht
in  der  Gottesbildlichkeit  als  Gottebenbildlichkeit  gelegen  sein
kann,  sondern  vielmehr  in  der  Vereinigung  des  Gottebenbildlichen ­
  mit  etwas  davon  Differirendem,  in  Kraft  dessen  er  das
göttliche  Thun  und  Schaffen  durch  Begründung  von  Verhältnissen, ­
  deren  Eingehen  ausser  dem  Bereiche  und  Vermögen
reiner  Geistwesen  liegt,  nachbilden  kann.  Der  Mensch  ist
eine  concret-lebendige  Ineinsbildung  von  Geistigem  und  Natürlichem, ­
  und  als  solche  der  centrale  Antityp  des  göttlichen
Wesens;  die  specifische  Eigenart  seines  Wesens  ist,  dass  er
in  den  Bereich  des  Niedersten  hineingestellt,  demselben  das
Höchste  eingeisten  und  einbilden,  und  damit  im  Bereiche  des
Kosmos  eine  Centralsphäre  schaffen  soll,  in  welcher  durch  ihn
und  in  ihm  das  Unterste  zum  Obersten  emporgehoben,  und
damit  die  Schöpfung  selbst  in  Gott  vollendet  werden  soll.  Die
mittelalterliche  Mystik  ist  eine  edelste  Blüthe  des  mittelalterlichen ­
  Geistlebens;  sie  erfasste  aber  nicht  die  Idee  des  Menschen ­
  als  weltmächtigen  Wesens,  und  musste  sonach,  soweit
sie  nicht  in  pantheisirende  Neigungen  überschlug,  auf  die  Aufzeigung
  und  Beschreibung  der  Wege  und  Stufen  der  sittlichen
Vollendung  des  Menschen  in  Gott  sich  beschränken.  Sie  bildete
hiemit  die  Kehrseite  der  mittelalterlichen  Scholastik,  die  den
menschlichen  Verstand  auf  die  Erkenntniss  der  gottgedachten
Ordnung  der  natürlichen  Dinge  beschränkt,  zum  Gedanken
aber  einer  durchgeistenden  Umbildung  derselben  in  Kraft  der
dem  Menschen  immanenten  Ideen  höchster,  absoluter  Vollendung ­
  noch  nicht  erweckt  war.  Sie  hatte  ein  im  Lichte  des
christlichen  Gottesgedankens  gereinigtes  natürliches  Weltbewusstsein, ­
  aber  es  fehlte  ihr  der  lebendige  Trieb  einer
geschichtsphilosophischen  Idee  vom  Menschen,  deren  Aus-
            
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