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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

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P  f  i  7,  ra  a  i  e  r.

Am  anderen  Tage  war  Kiung  geschlagen.  I  nahm  ihn
gefangen  und  führte  ihn  vor  die  Vorhalle.  Der  Kaiser  empfand
Schmerz  und  wollte  ihm  das  Leben  erhalten.  1  schrie  das
Gefolge  des  Kaisers  an  und  zerrte  Kiung  hinaus.  Kiung  blickte
noch  zweimal  zurück.  Hierauf  enthauptete  man  ihn  vor  dem
Thore  Tsch’ang-kö  und  führte  das  Haupt  bei  den  sechs  Kriegsheeren ­
  umher.  Die  Genossen  und  Anhänger  wurden  sammt
ihren  drei  Seitengeschlechtern  ausgerottet.  Man  verschloss  seine
drei  Söhne:  Tschao,  König  von  Tschün-ling,  fcfc  Fing,
König  von  Lö-ngan,  und  Ying,  König  von  Thsi-yang,  in
der  Feste  Kin-yung.
Man  stellte  den  Leichnam  Kiung’s  durch  drei  Tage  in
dem  Einkehrhause  des  westlichen  Lichtes  zur  Schau  und  Niemand ­
  getraute  sich.,  ihn  wegzunehmen,  Siün-I,  ein
alter  Zugesellter  Kiung’s,  und  Andere  verfassten  eine  Denkschrift ­
  und  baten,  ihn  aufbahren  und  begraben  zu  dürfen.  Es
wurde  ihnen  bewilligt.
Zur  Zeit  der  Machtfülle  Kiung’s  geschah  es,  dass  eine
Frau  sich  zu  dem  Sammelhause  des  grossen  Vorstehers  der  Pferde
begab  und  eine  Unterkunft  für  die  Entbindung  begehrte.  Die
Angestellten  gaben  ihr  einen  Verweis.  Die  Frau  sprach:  Ich
schneide  nur  den  Nabel  1  ab  und  gehe  dann  gleich  fort.  —
Die  Verständigen  hörten  dieses  und  hassten  es.  Um  die  Zeit
sang  man  ferner  das  Lied:
Man  trägt  die  Bauchbinde  von  Tuch,
Für  den  Nabel 2  das  Kleid  man  erfasst.
Wider  Vermuthen  wurde  Kiung  hingerichtet.
Im  Anfänge  des  Zeitraumes  Yung-hing  (304  n.  Chr.)
erging  eine  höchste  Verkündung,  welche  besagte:  Weil  das
Vergehen  Kiung’s  leicht  war,  die  Strafe  schwer,  sollen  die
früheren  grossen  Verdienste  nicht  versperrt  sein  und  nicht
untergehen.  Man  begnadigt  seine  drei  Söhne  Tschao,  Ping
und  Ying,  man  lässt  sie  in  ihre  Behausungen  zurückkehren.
Man  verleiht  Tschao  das  Lehen  eines  Königs  des  Districtes,
damit  er  fortsetze  das  Opfer  für  Kiung.  Man  ernennt  ihn

1  Durch  jßfj*  thsi  ,Reich  Thsi‘  ausgedrückt,  und  für  tlisi  ,Nabel“
gesetzt.
2  Auch  hier  steht  ,Reich  Thsi“  in  der  Bedeutung  ,Nabel“.
            
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