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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

Abraham  lbu  Esra’s  Einleitung  zu  seinem  Pentateucli-Commentar.

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verhält  er  sich  dann  ebenso,  wie  gegenüber  der  halachischen
Ueberlieferung:  er  nimmt  sie  selbst  gläubig  an,  verwirft  aber
ihre  Herleitung  aus  dem  Bibelworte;  z.  B.  Exodus  19,  1  geht
aus  der  Exegese  hervor,  dass  der  Tag  der  sinaitischen  Offenbarung ­
  nicht  der  sechste  Siwan  war.  Dies  Alles  aber,  schliesst
Ihn  Esra  die  Erörterung,  ist  nur  Ergebniss  der  eigenen  Erwägung ­
  ;  wir  aber  verlassen  uns  auf  die  Ueberlieferung,  welche
den  Tag  der  Gesetzgebung  auf  den  sechsten  Siwan  legt. 1  —
Zu  dem  schwierigen  Verse  Amos  5,  25  bemerkt  er,  nach  Ansicht ­
  der  Alten  hätten  die  Leviten  allein  in  der  Wüste  Opfer
dargebracht.  Wenn  dies  Tradition  ist,  fahrt  er  fort,  nehmen
wir  sie  an;  denn  was  den  Wortsinn  und  was  die  Vernunfterwägung ­
  betrifft,  so  würden  sie  zu  der  Ansicht  führen,  dass
sie  keine  Opfer  darbrachten.  Solche  bedingte  Annahme  vpn
geschichtlichen  Traditionen  —  b'npi  K"n  nbop  OKI  —  linden  wir
hei  Ibn  Esra  nicht  selten,  so  über  Jesaia’s  Tödtung  durch
Manasse,  zu  Jesaia  1,  1;  Identität  von  Jiska  mit  Sara,  Genesis
31,  29;  Isaks  Alter  zur  Zeit  seiner  befohlenen  Opferung,
Genesis  21,  5.  Hieher  gehört  auch,  was  er  in  der  Einleitung
zum  Psalmbuche  sagt:  ,Mit  Unrecht  wundern  sich  die  Exegeten,
  dass  am  Beginn  dieses  Buches  nicht  die  Ueberschrift
steht:  Prophetie  Davids.  Ist  es  doch  auch  unter  den  Israeliten
über  allen  Zweifel  erhaben,  dass  das  erste  Buch  des  Pentateuchs ­
  von  Mose  geschrieben  ist,  weil  es  unsere  heiligen  Väter,
gesegneten  Andenkens,  so  als  Tradition  überkommen  haben;
dennoch  fehlt  zu  Anfang  des  Buches  ein  Satz  wie:  Gott  redete
zu  Mose/  Während  in  diesem  zuletzt  angeführten  Falle  im
Consensus  omnium  Ibn  Esra  ein  Kriterium  für  die  Wahrheit
der  Tradition  fand,  konnte  er  natürlich  ein  solches  Kriterium
sonst  nur  selten  anführen,  daher  die  schon  bemerkte  bedingungsweise ­
  Anerkennung  der  Ueberlieferung.  Aber  nach  einer
Seite  hin  versäumte  Ibn  Esra  nicht,  einen  Grundsatz  aufzustellen, ­
  welcher  der  jüngern  Sagenliteratur,  die  im  Gewände
der  Tradition  auf  die  Leichtgläubigkeit  des  Volkes  rechnete,
1  S.  auch  zu  Exodus  15,  *2*2.  r6spn  bv  710051  is'mioo  rra.  Besonders
beachtenswerth  ist,  was  Ibn  Esra  zu  Exodus  16,  1  einer  die  Tradition
stützenden  Erklärung  Saadja’s  gegenüber  sagt:  inbipD  pfcOH  HÜ
l&'WD  ‘TDJJD  tib  übspn  Zu  vielen  Worterklärungen  wirft  er  dem
Gaön  vor,  er  habe  sie,  ohne  Tradition  zur  Stütze  zu  haben,  aufgestellt.
            
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