Abraham lbu Esra’s Einleitung zu seinem Pentateucli-Commentar.
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verhält er sich dann ebenso, wie gegenüber der halachischen
Ueberlieferung: er nimmt sie selbst gläubig an, verwirft aber
ihre Herleitung aus dem Bibelworte; z. B. Exodus 19, 1 geht
aus der Exegese hervor, dass der Tag der sinaitischen Offenbarung
nicht der sechste Siwan war. Dies Alles aber, schliesst
Ihn Esra die Erörterung, ist nur Ergebniss der eigenen Erwägung
; wir aber verlassen uns auf die Ueberlieferung, welche
den Tag der Gesetzgebung auf den sechsten Siwan legt. 1 —
Zu dem schwierigen Verse Amos 5, 25 bemerkt er, nach Ansicht
der Alten hätten die Leviten allein in der Wüste Opfer
dargebracht. Wenn dies Tradition ist, fahrt er fort, nehmen
wir sie an; denn was den Wortsinn und was die Vernunfterwägung
betrifft, so würden sie zu der Ansicht führen, dass
sie keine Opfer darbrachten. Solche bedingte Annahme vpn
geschichtlichen Traditionen — b'npi K"n nbop OKI — linden wir
hei Ibn Esra nicht selten, so über Jesaia’s Tödtung durch
Manasse, zu Jesaia 1, 1; Identität von Jiska mit Sara, Genesis
31, 29; Isaks Alter zur Zeit seiner befohlenen Opferung,
Genesis 21, 5. Hieher gehört auch, was er in der Einleitung
zum Psalmbuche sagt: ,Mit Unrecht wundern sich die Exegeten,
dass am Beginn dieses Buches nicht die Ueberschrift
steht: Prophetie Davids. Ist es doch auch unter den Israeliten
über allen Zweifel erhaben, dass das erste Buch des Pentateuchs
von Mose geschrieben ist, weil es unsere heiligen Väter,
gesegneten Andenkens, so als Tradition überkommen haben;
dennoch fehlt zu Anfang des Buches ein Satz wie: Gott redete
zu Mose/ Während in diesem zuletzt angeführten Falle im
Consensus omnium Ibn Esra ein Kriterium für die Wahrheit
der Tradition fand, konnte er natürlich ein solches Kriterium
sonst nur selten anführen, daher die schon bemerkte bedingungsweise
Anerkennung der Ueberlieferung. Aber nach einer
Seite hin versäumte Ibn Esra nicht, einen Grundsatz aufzustellen,
welcher der jüngern Sagenliteratur, die im Gewände
der Tradition auf die Leichtgläubigkeit des Volkes rechnete,
1 S. auch zu Exodus 15, *2*2. r6spn bv 710051 is'mioo rra. Besonders
beachtenswerth ist, was Ibn Esra zu Exodus 16, 1 einer die Tradition
stützenden Erklärung Saadja’s gegenüber sagt: inbipD pfcOH HÜ
l&'WD ‘TDJJD tib übspn Zu vielen Worterklärungen wirft er dem
Gaön vor, er habe sie, ohne Tradition zur Stütze zu haben, aufgestellt.