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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

Abriiliam  Ibn  Esra’s  Einleitung  zu  seinem  Pentateuch-Comraentar

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dienen  dazu,  um  matte  Herzen  bei  tiefer  liegenden  Gegenständen ­
  zu  beruhigen; 1
4.  mancher  Derasch  ist  auf  bekannte  Meinungen  gegründet ­
  ; 2
5.  andere  agadische  Aussprüche  sind  wie  ein  nicht  zur
Norm  gewordener  Lehrsatz;  3
6.  mancher  agadische  Satz  hat  den  Zweck,  unmündige
Menschen  auf  das  Richtige  hinzuführen  und  Solchen,  die,  gewissen ­
  Vögeln  gleich,  das  helle  Tageslicht  nicht  vertragen
können,  die  Wahrheit  durch  dunkle  Schriftdeutungen  zu  zeigen.
Zum  Beispiel  der  Derasch,  dass  die  Welt  mit  dem  Buchstaben
Beth  erschaffen  sei,  weil  derselbe  Segen  bedeute,  indem  na*c
mit  Beth  anfängt.  Ibn  Esra  führt  dies  ad  absurdum,  indem  er
eine  Reihe  von  ebenfalls  mit  Beth  anfangenden  Wörtern  aufzählt, ­
  die  jedoch  nur  Schlimmes  und  Unheilvolles  ausdrücken.
Daran  ankniipfend  meint  er,
7.  auch  der  minder  Verständige  könne  solche  agadische
Deutungen  aus  sich  selbst  produciren,  freilich  der  mit  Geist
Begabte  noch  leichter.  Daraus  ist  ersichtlich,  dass  in  diesen
Deutungen  überhaupt  nichts  Festes,  Verlässliches  und  für  die
wirkliche  Schrifterklärung  Massgebendes  zu  suchen  ist.  Sie
1  D’piay  ap-ian  nixbi  map  irnnb.
2  So  erklärt  Ibn  Esra  die  agadische  Meinung,  es  gebe  sieben  Erden,  damit
seien  die  sieben  Klimate  der  bewohnten  Erde  gemeint.  (Zu  Gen  1,  1.)
3  Nach  Motot  sind  damit  die  blos  als  Meinungen  Einzelner  angeführten
Sätze  zu  verstehen.  So  sagt  Ibn  Esra  auch  zu  Exodus  10,  17  (zweite
Recenaion):  xbi  an»  -jab:  KP  TiT  na!  am  anai  nahm  1JKSÖ  BK  B.1
BtTTiaj.  Als  mm  mal  verwirft  er  ib.  zu  ‘21,  19  die  Ansicht  des  R.  Jisniael
  (Berachöt  00  a,  Baba  Kainmä  84  a),  ans  Köm  Kai  wäre  erwiesen,
dass  die  Thora  gestattet,  ärztlichen  Rath  in  Anspruch  zn  nehmen.  ,Denn
meiner  Ansicht  nach  ist  das  Richtige,  sieh  auf  seinen  Schöpfer  und  nicht
auf  menschliche  Einsicht  zu  verlassen,  sowohl  in  astrologischen  wie  in
medizinischen  Fragen.  Die  Schrift  sagt  ja:  Ich,  der  Ewige,  bin  dein
Arzt.  Da  ist  es  also  unnöthig,  ihm  einen  andern  Arzt  beizugesellen.
Diese  für  Ibn  Esra  so  sonderbare  Ansicht,  welche  er  mit  noch  anderen
Bibelstellen  belegt,  hat  er  in  der  ersten  Recension  des  Exödus-Commentars
  deutlicher  so  ausgedrückt,  dass  man  blos  für  äusserliche  Schäden
chirurgische  Hilfe  beanspruchen  dürfe,  bei  inneren  von  Gott  gesendeten
Krankheiten  aber  Gott  walten  lassen  müsse.  Dort  deutet  er  in  diesem
Sinne  auch  den  Satz  R.  Ismaels,  während  er  ihn  in  der  zweiten  Receusion
  in  seinem  vollen  Umfange  auffasst,  aber  verwirft.
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