434
Bach « r.
dem her, was in den Schriftstellen überflüssig erscheint, oder
von Aenderungen im Ausdrucke. Der einfache Sinn der Stelle
ist nämlich so ausgedrückt, dass man daraus zugleich die
agadische Deutung ableiten kann. Z. B. aus der im Grunde
unnöthigen Länge des Wortes üK“nm (das heisst statt Dtoaa)
haben unsere Lehrer entnommen, dass es auf Abraham hinweist.'
1 Die Deutungen der Agada werden somit als vollberechtigt,
als von der Schrift selbst beabsichtigt anerkannt;
nur werden sie von dem in erster Reihe geltenden einfachen
Sinne losgelöst, damit dieser ungehindert in seiner vollen Klarheit
entwickelt werde. Dass Raschi ebenfalls mit unbefangenster
Gläubigkeit sämmtlichen Deutungen der Agada gegenüberstand,
sie aus der Vieldeutigkeit des, einem mit dem Hammer
bearbeiteten Felsstücke gleich, sich zersplitternden Bibelwortes
erklärte und nur während der exegetischen Thätigkeit achtungsvoll
bei Seite liegen liess, ist hinlänglich bekannt. 2 Ja auch
bei dieser Thätigkeit befand er sich noch so sehr im Banne
des Derasch, dass er vielfach agadistische Deutungen als einfachen
Wortsinn annimmt, wenn auch eine besonders unwillige
1 Anfang des Genesis-CommÖntars, veröffentlicht von Geiger in Kerem
Chemed, Bd. VIII, S. 43. Andere Stellen sind gesammelt bei Geiger,
■’rtaa s. 32 f.
2 Es ist nicht unwichtig zu bemerken, dass der von Raschi, zu Genesis
33, 20; Exodus 6, 11, auf die Vieldeutigkeit des Bibelwortes angewendete
Vers Jeremia 23, 29 ursprünglich in ganz anderem Sinne gedeutet
wurde. In bab. Schabbath erklärt R. Jöchanan den Satz (<|; 68, 12): ,Der
Herr gibt das Wort, der Verkünderinnen ist ein grosses Heer* so, dass
jedes Wort, welches — am Sinaj — aus dem Munde der Allmacht hervorging,
nach den siebzig Sprachen sich theilte*, nimmt also die Sprachen
sehr passend als eben so viele Herolde des Gotteswortes. Dazu citirt er
eine Borajtha R. Ismaels, wonach dieser den genannten Vers in Jeremia
ebenso deutete: KUW ‘TQ-Il TQ1 b'D mstirs nfcS 1 ? pbftl MT tCPtöB Hö
ti'yzwb pbri) KT! ' m \Tn t&Hpn '•ÖÖ. Sanhedrin 34 a nun wird dieselbe
Borajtha zu Abajji’s Deutung von ^ 68, 12 (HftDb xStY’ fcHpÖ
Q"!!23?tD) als Beleg citirt, aber so, dass statt der sinaitischen Gottesworte
der Schriftvers überhaupt, und statt der siebzig Sprachen ,mancherlei
Bedeutungen* genannt werden n&D 1 ? X3EP *inx X'lptt £]X). Offenbar
hatte man später das Wort fYlDItüb in dem ihm sonst allerdings ebenfalls
zukommenden Sinne ,Bedeutungen, Versionen* genommen und den ganzen
Ausspruch auf die Vieldeutigkeit des Schriftwortes angewendet. So ist
auch der Ursprung des Satzes minb □'■DB den auch Ibn Esra am
Schluss der Einleitung bringt, deutlich. Die Zahl siebzig, für die Sprachen