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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

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Bach  «  r.

dem  her,  was  in  den  Schriftstellen  überflüssig  erscheint,  oder
von  Aenderungen  im  Ausdrucke.  Der  einfache  Sinn  der  Stelle
ist  nämlich  so  ausgedrückt,  dass  man  daraus  zugleich  die
agadische  Deutung  ableiten  kann.  Z.  B.  aus  der  im  Grunde
unnöthigen  Länge  des  Wortes  üK“nm  (das  heisst  statt  Dtoaa)
haben  unsere  Lehrer  entnommen,  dass  es  auf  Abraham  hinweist.' ­
  1  Die  Deutungen  der  Agada  werden  somit  als  vollberechtigt, ­
  als  von  der  Schrift  selbst  beabsichtigt  anerkannt;
nur  werden  sie  von  dem  in  erster  Reihe  geltenden  einfachen
Sinne  losgelöst,  damit  dieser  ungehindert  in  seiner  vollen  Klarheit ­
  entwickelt  werde.  Dass  Raschi  ebenfalls  mit  unbefangenster ­
  Gläubigkeit  sämmtlichen  Deutungen  der  Agada  gegenüberstand,
  sie  aus  der  Vieldeutigkeit  des,  einem  mit  dem  Hammer
bearbeiteten  Felsstücke  gleich,  sich  zersplitternden  Bibelwortes
erklärte  und  nur  während  der  exegetischen  Thätigkeit  achtungsvoll ­
  bei  Seite  liegen  liess,  ist  hinlänglich  bekannt. 2  Ja  auch
bei  dieser  Thätigkeit  befand  er  sich  noch  so  sehr  im  Banne
des  Derasch,  dass  er  vielfach  agadistische  Deutungen  als  einfachen ­
  Wortsinn  annimmt,  wenn  auch  eine  besonders  unwillige
1  Anfang  des  Genesis-CommÖntars,  veröffentlicht  von  Geiger  in  Kerem
Chemed,  Bd.  VIII,  S.  43.  Andere  Stellen  sind  gesammelt  bei  Geiger,
■’rtaa  s.  32  f.
2  Es  ist  nicht  unwichtig  zu  bemerken,  dass  der  von  Raschi,  zu  Genesis
33,  20;  Exodus  6,  11,  auf  die  Vieldeutigkeit  des  Bibelwortes  angewendete ­
  Vers  Jeremia  23,  29  ursprünglich  in  ganz  anderem  Sinne  gedeutet
wurde.  In  bab.  Schabbath  erklärt  R.  Jöchanan  den  Satz  (<|;  68,  12):  ,Der
Herr  gibt  das  Wort,  der  Verkünderinnen  ist  ein  grosses  Heer*  so,  dass
jedes  Wort,  welches  —  am  Sinaj  —  aus  dem  Munde  der  Allmacht  hervorging, ­
  nach  den  siebzig  Sprachen  sich  theilte*,  nimmt  also  die  Sprachen
sehr  passend  als  eben  so  viele  Herolde  des  Gotteswortes.  Dazu  citirt  er
eine  Borajtha  R.  Ismaels,  wonach  dieser  den  genannten  Vers  in  Jeremia
ebenso  deutete:  KUW  ‘TQ-Il  TQ1  b'D  mstirs  nfcS 1 ?  pbftl  MT  tCPtöB  Hö
ti'yzwb  pbri)  KT!  ' m \Tn  t&Hpn  '•ÖÖ.  Sanhedrin  34  a  nun  wird  dieselbe ­
  Borajtha  zu  Abajji’s  Deutung  von  ^  68,  12  (HftDb  xStY’  fcHpÖ
Q"!!23?tD)  als  Beleg  citirt,  aber  so,  dass  statt  der  sinaitischen  Gottesworte
der  Schriftvers  überhaupt,  und  statt  der  siebzig  Sprachen  ,mancherlei
Bedeutungen*  genannt  werden  n&D 1 ?  X3EP  *inx  X'lptt  £]X).  Offenbar
hatte  man  später  das  Wort  fYlDItüb  in  dem  ihm  sonst  allerdings  ebenfalls
zukommenden  Sinne  ,Bedeutungen,  Versionen*  genommen  und  den  ganzen
Ausspruch  auf  die  Vieldeutigkeit  des  Schriftwortes  angewendet.  So  ist
auch  der  Ursprung  des  Satzes  minb  □'■DB  den  auch  Ibn  Esra  am
Schluss  der  Einleitung  bringt,  deutlich.  Die  Zahl  siebzig,  für  die  Sprachen
            
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