Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

432

Racher.

Kenntnissnahme  der  verschiedenen  vorliegenden  agadischen
Deutungen,  sondern  auch  auf  eine  zusammenhängende  Erläuterung ­
  des  Schriftwortes  gerichtet.  Zwar  hatten  die  Erklärungen,
die  sie  aus  Eigenem  aufstellten,  häufig  selbst  agadischen  Charakter; ­
  aber  es  war  natürlich,  dass  zum  vollständigen  Verständnis ­
  auch  reine  Wort-  und  Sacherklärungen  hinzugefügt
wurden.  Von  da  bis  zum  Entstehen  einer  einfachen,  blos  das
Schriftwort  seinem  eigentlichen  Sinne  nach  auslegenden  Exegese ­
  war  nur  ein  Schritt,  aber  freilich  ein  Riesenschritt,  bei
welchem  vor  Allem  von  der  Herbeiziehung  der  Midraschdeutungen ­
  um  ihrer  selbst  willen  abgesehen  und  die  Grundsätze ­
  einer  einfachen  Auslegung,  anstatt  nur  auf  einzelne
Stellen,  auf  die  Gesammtheit  der  heiligen  Schrift  angewendet
werden  mussten.
Diesen  Schritt  that  der  klare  Geist  Salomo  Jizchäki’s,
dessen  Auftreten  auf  den  von  so  verschwindend  geringen  Vorarbeiten ­
  urbar  gemachten  Boden  der  Bibelforschung  seiner
Heimat  im  vollen  Sinne  des  Wortes  Epoche  machte.  Halten
die  Resultate  seiner  Exegese  auch  bei  weitem  nicht  den  Vergleich ­
  mit  denen  Ihn  Esra’s  aus,  so  stand  auch  das,  was  dieser
vorfand,  in  jeder  Hinsicht  unvergleichlich  höher,  als  das  Material, ­
  aus  dem  sich  die  nüchterne  Exegese  Raschi’s  emporrang. ­
  Zu  sehr  dürfen  wir  indessen  dies  Material  nicht  unterschätzen. ­
  Vollständige  Vertrautheit  mit  sämmtlichen  biblischen
Schriften,  gründliche  Kenntniss  der  aramäischen  Versionen  und
der  Massora,  ein  vom  Midrasch  selbst  geschärfter  Blick  für
Wortbedeutungen  und  eine  bei  aller  technischen  Unbehülflichkeit
  lückenlose,  empirische  Einsicht  in  die  Regeln  der  hebräischen ­
  Sprache  bilden  eine  tüchtige  Grundlage  für  eine  Exegese,
welche  mit  dem  hellsten  Verstände,  mit  einer  von  seltener
natürlicher  Begabung  getragenen  und  durch  eine  für  alle  Zeiten
unübertroffene  Erklärung  des  schwersten  aller  Literaturwerke,
des  Talmuds,  ausserordentlich  geübten  Interpretationskunst
gehandluibt  wird.  So  wurde  Raschi  aus  eigener  Kraft  ein
Bahnbrecher  des  Reschat  und  der  Begründer  einer  auf  dem
einmal  gezeigten  Wege  rasch  und  glücklich  vorschreitenden
Schule.  Samuel  ben  Meir  und  Joseph  Kara  übertrafen  den
Meister  bald  als  nüchterne  und  gewandte  Erklärer  des  Bibelwortes, ­
  und  was  sie,  was  Raschi  als  solche  erreicht  haben,  das
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.