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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

Abraham  Ihn  Eara's  Einleitung  zu  seinem  Pentateuch-Commentar.  419
Die  auf  biblische  Vorschriften  sich  erstreckende  unerlaubte ­
  Allegoristik  ist  übrigens  schon  von  Saadja  als  grundzerstörend ­
  abgewiesen  worden.  Ob  er  in  seiner  Zeit  bestimmte
Veranlassung  hatte,  derselben  ihre  gefährlichen  Consequenzen
vorzuhalten,  kann  man  nur  muthmassen.  Er  selbst  spricht  nur
hypothetisch.  ,Eingehenderes  Nachdenken  —  so  beginnt  er  1  —
führte  mich  zu  der  Erkenntniss,  dass,  wenn  es  nöthig  oder
gestattet  wäre,  die  von  den  Todtenbelebungen  sprechenden
Schriftstellen  umzudeuten  und  ihrem  Wortsinn  zu  entrücken,
ohne  dass  sonst  ein  Zwang  dazu  vorläge,  es  ebenso  nothwendig
oder  wenigstens  gestattet  wäre,  auch  bei  den  Offenbarungsgesetzen, ­
  sowie  bei  den  Erzählungen  aus  der  Vorzeit  und  den
in  der  Bibel  erwähnten  Wunderzeichen  andere  Bedeutungen
unterzulegen,  so  dass  von  ihrem  Wortsinne  nichts  verbliebe
und  sie  alle  ganz  fernliegenden  Gegenständen  zum  Ausdrucke
dienten/  Er  zeigt  dann  auf  recht  witzige  Weise,  mit  fiugirten
Belegstellen,  wie  man  das  Verbot,  Ungesäuertes  zu  essen,  auf
die  Untersagung  der  Unsittlichkeit  deuten,  dein  Verbote,  am
Sabbath  kein  Feuer  anzuzünden,  den  Sinn  unterlegen  könnte,
das  beziehe  sich  auf  das  Feuer  des  Krieges,  sowie  mit  dem
Verbote,  die  Mutter  nebst  den  Küchlein  auszunehmen,  gemeint
sein  könne,  man  solle  von  den  besiegten  Feinden  nicht  Alte
nebst  Jungen  tödten.  Ebenso  könne  man  die  Thatsachen  der
Weltschöpfung  so  umdeuten,  dass  nichts  davon  übrig  bliebe,
und  was  Wunder  betrifft,  auch  den  Durchgang  durch’s  rotlie
Meer  und  das  Stillstehen  der  Sonne  auf  Josua’s  Geheiss  durch
Allegorisirung  beseitigen.  ,Wer  aber  —  so  schliesst  Saadja  —
sich  nicht  scheuet,  auch  bei  den  Schöpfungsberichten,  bei  den
biblischen  Wundern  und  den  Offenbarungsgesetzen  die  Methode
der  Umdeutung  anzuwenden,  der  ist  damit  aus  dem  Judenthuine
ausgetreten/  Man  sieht  aus  dem  Ganzen,  dass  solche  Allegorisirungsversuche,
  wie  sie  Saadja,  wenn  auch  nur  als  Hypothesen
vorbringt,  zu  seiner  Zeit  Vorlagen,  sowie  man  aus  den  angeführten ­
  Beispielen  schliessen  kann,  dass  es  Saadja  nicht  einfiel,
es  könne  Jemand  auch  die  eigentlich  erzählenden  Partien  der
Bibel,  abgesehen  von  dein  Schöpfungsberichte,  anders  als
geschichtlich  auffassen  wollen.  Bestimmt  weiss  man  nur  von

1  Emünoth  VII,  1,  S.  73a  der  Berliner  Ausgabe.
Sitzungsber.  d.  pllil.-kiat.  CI.  LXXXI.  Bd.  111.  Hft.

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