41.8
Bacher.
(las der Feier des ersten Tischri, auf der Heiligkeit der Siebenzahl
beruhend; 1 die Abgaben der Erstgeborenen und Zehnten
sollen auf die Zald Eins und die Zehn, als die zweite Eins
des dekadischen Systems hinweisen; 2 die Vorschrift, dass der
Nasiräer ein Sündopfer bringt und dass die Aeltesten der
einem von unbekannter Hand Erschlagenen zunächst liegenden
Stadt den Mord zu sühnen haben, führt er auf das Geheimniss
zurück, welches in dem Satze: ,Der Sünde Lohn ist Sünde'
ausgedrückt ist.
Aus dem Bisherigen wird klar, was Ibn Esra damit
meint, wenn er den Allegoristen zugibt, dass alle Gebote ,mit
der Wage des Herzens gewogen werden müssen'. Auch er
sucht für die Gebote einen geistigen, inneren Sinn; aber derselbe
lässt die Vorschrift selbst in ihrer Wortbedeutung unberührt.
Er ist nur das Höhere, worauf das Gebot als seinen
geistigen Grund hinweist; aber dieses Höhere selbst ist in dem
Gebote mit keinem Worte ausgedrückt. Die Allegoristik hingegen
glaubt die Vorschrift selbst zu erklären, ihren Wortlaut
auszulegen, wenn sie irgend ein Philosophen! als inneren Sinn
in denselben hineinlegt. Die geistige Auffassung der Gebote,
wie sie ja mehr oder weniger allen jüdischen Religionsphilosophen
seit Saadja eigen ist, sucht den geistigen Gehalt, welchen
sie denselben zuschreibt, in der heiligen Schrift selbst zu
entdecken; die Allegoristik, mag sie von Hellenisten oder
Aristotelikern oder von Mystikern geübt werden, holt den Inhalt
der in die Schrift hineinzutragenden Geheimnisse anderswo
hei', erdichtet ihn, wie Ibn Esra sagt, aus eigenem Herzen.
Dort wird zu ermitteln gesucht, was der Autor gemeint haben
kann, es ist also wirkliche Exegese; in der Allegoristik wird
von der Voraussetzung ausgegangen, der Text könne nicht das
meinen, was sein Wortlaut besagt, er müsse vielmehr das
meinen, was die dem betreffenden Ausleger zur Ueberzeugung
gewordene philosophische Erkenntniss besagt. Solche Auslegung
verdunkelt wirklich, wie Ibn Esra sagt, statt zu erklären; sie
steht ausserhalb des der rechten Exegese zustelienden Kreises.
1 Zu Leviticus 23, 24; vgl. auch Numeri 23, 5.
2 Zu Deuter. 14, 22; s. auch Levit., Ende des letzten Capitels.
3 Numeri 6, 11; Deuter. 21, 9.