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Bacher.
Ibn Esra’s Zeitgenossen, ausdrücklich als Ketzer gebrandmarkt
wird. 1
Es müsste aber die ältere exegetische Literatur der
Karäer in weiterem Umfange bekannt sein, um ihre Verdienste
und ihre Einwirkung auf die rabbanitische, namentlich Ibn
Esra, genauer zu untersuchen. Solch’ eine Untersuchung gehört
auch gar nicht in den Rahmen dieser Abhandlung. Was aber
der Karäismus durch sein Auftreten in einer Zeit der Stagnation
für das Judenthum und speciell für das Zustandekommen
einer freien Bibelforschung geleistet hat, das bildet den Titel
seiner geschichtlichen Berechtigung, das ist auch von einer
gerecht würdigenden Geschichtsforschung zur Genüge, erkannt
worden. Mit dem Rufe: ,Forschet in der Schrift!' hat das
Karäerthum die erste eigentliche Exegese im nachtalmudischen
Judenthum angebahnt. Es hat eine stattliche Reihe von Bibelerklärern
geliefert, bevor die alle Vorgänger verdunkelnde
Sonne Saadja’s erschien. Die Losung: ,Forschet in der Schrift!'
wird fortan von den Lehrern des traditionstreuen Judenthums
angenommen und viel erfolgreicher verwirklicht; aber wir
dürfen nie vergessen, dass es das Karäerthum war, welches
zuerst mit ihr das Bedürfniss einer freien Schrifterklärung
ausdrückte. Das Karäerthum war es aber auch, welches durch
seinen Widerspruch gegen die Tradition die Träger und Lehrer
derselben nöthigte, den wahren Schriftsinn überall in seine
Rechte einzusetzen und das wahre Verhältniss der heiligen
Schrift zur Traditionsliteratur sich immer klarer zum Bewusstsein
zu bringen.
Wie hat sich Ibn Esra dies Verhältniss gedacht? Diese
Frage ist hier angebracht, weil ihre Beantwortung die positive
Seite seiner Polemik gegen die Karäer zeigt. Ein scharfer
und klarer Geist wie Ibn Esra musste doch darauf bedacht
sein, nicht nur die Stellung des Gegners anzugreifen, sondern
auch seiner eigenen eine feste Grundlage zu geben. Die
Aeusserungen Ibn Esra’s sind deutlich genug, um einen Einblick
in seine Ansicht über diesen Punkt zu gestatten. Wie
schon aus der Einleitung zum Pentateuch-Commentar ersichtlich
ist, schreibt er der traditionellen Auslegung und Erweite-1
Sefer Hakkabbala, Ende. S. Fürst, Gesch. des Kar., II, 167.