Abraham Ihn Esra’B Einleitung zu seinem Pentateuch-Commentar.
391
achten, woraus ersichtlich ist, wie ernst es ihm mit solchen
uns willkürlich vorkommenden Worterklärungen war.
Diese Art gewaltsamer, einer fortgeschrittenen Exegese
verwerflich erscheinender Worterklärung hängt zum Theile mit
dem Rationalismus Saadja’s zusammen. Derselbe heischte es, in
der Bibel nichts unklar zu lassen; alles musste einleuchtend
und zusammenhängend erscheinen. Anderenteils wiederum
folgte Saadja hierin dem Beispiele jener angesehenen Uebersetzungen,
welche die seinige ablösen sollte, der Targumim.
Dies näher auszuführen, sowie nachzuweisen, wie Saadja auch
sonst in den' Fussstapfen der aramäischen Bibelversionen ging,
ist hier nicht der Ort. 1 Nur eine andere Seite seiner Worterklärung,
wo diese Analogie mit dem Targumim stark hervortritt,
sei hervorgehoben. Es ist die Wiedergabe von geographischen
und anderen Namen mit neueren Bezeichnungen, wobei
Saadja oft der talmudischen oder targumistischen Tradition
folgt, oft aber auch eigene Erklärungen wagt. Das wirft ihm
Ihn Esra zu Genesis 2, 11 vor. Er habe nb'in so übersetzt,
wie er es gerade nöthig hatte, ohne eine Tradition für sich
zu haben, 2 auf die er sich stützte. Ebenso sagt er zu Exodus
28, 20: ,Wir haben kein sicheres Mittel, die Bedeutung der
Edelsteine am Brustschild zu ermitteln. Der Gadn hat dieselben
nach Willkür übersetzt, obwohl er keine Tradition zur
Stütze hatte/ Au die zuerst angeführte Stelle knüpft Ibn Esra
deii allgemeinen Tadel, dass Saadja also auch bei allen Völkerund
Ländernamen, Thieren, Vögeln und Steinen verfahren sei.
,Vielleicht hat ihm ein Traum die betreffenden Erklärungen
1 Bach ja Ibn Palmda bemerkt (Herzenspfiichten, I, 10), Saadja habe n
seiner rationellen Uebersetzung der Anthropopathien die Targumim zum
Vorbilde gehabt. S. auch Munk, Notice sur Saadia, S. 44.
2 nbap lb px '3. Diese vier harmlosen Worte haben Haneberg (in der
oben angeführten Abhandlung) zu einem sehr argen Missverständnisse
geführt. Nachdem er die frühere, von den Karäern verbreitete, irrige
Ansicht wiederholt, Saadja sei von Salmon ben Jerochim erzogen worden,
fährt er fort: ,Daher befremdet uns die Nachricht von Ibn Esra
nicht, dass Saadja keine Kabbala annehme (Gen. 2 nbap ib px)‘ü d aran
knüpft Haneberg eine lauge Anmerkung über die ältere Geheimlehre.
Munk’s Nutice sur Saadja, wo die ganze Stelle aus Ibn Esra übersetzt
ist (S. 54), war schon zwei Jahre vorher erschienen (1838).