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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

Abraham  Ihn  Esra’B  Einleitung  zu  seinem  Pentateuch-Commentar.

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achten,  woraus  ersichtlich  ist,  wie  ernst  es  ihm  mit  solchen
uns  willkürlich  vorkommenden  Worterklärungen  war.
Diese  Art  gewaltsamer,  einer  fortgeschrittenen  Exegese
verwerflich  erscheinender  Worterklärung  hängt  zum  Theile  mit
dem  Rationalismus  Saadja’s  zusammen.  Derselbe  heischte  es,  in
der  Bibel  nichts  unklar  zu  lassen;  alles  musste  einleuchtend
und  zusammenhängend  erscheinen.  Anderenteils  wiederum
folgte  Saadja  hierin  dem  Beispiele  jener  angesehenen  Uebersetzungen,
  welche  die  seinige  ablösen  sollte,  der  Targumim.
Dies  näher  auszuführen,  sowie  nachzuweisen,  wie  Saadja  auch
sonst  in  den'  Fussstapfen  der  aramäischen  Bibelversionen  ging,
ist  hier  nicht  der  Ort. 1  Nur  eine  andere  Seite  seiner  Worterklärung, ­
  wo  diese  Analogie  mit  dem  Targumim  stark  hervortritt,
  sei  hervorgehoben.  Es  ist  die  Wiedergabe  von  geographischen ­
  und  anderen  Namen  mit  neueren  Bezeichnungen,  wobei
Saadja  oft  der  talmudischen  oder  targumistischen  Tradition
folgt,  oft  aber  auch  eigene  Erklärungen  wagt.  Das  wirft  ihm
Ihn  Esra  zu  Genesis  2,  11  vor.  Er  habe  nb'in  so  übersetzt,
wie  er  es  gerade  nöthig  hatte,  ohne  eine  Tradition  für  sich
zu  haben, 2  auf  die  er  sich  stützte.  Ebenso  sagt  er  zu  Exodus
28,  20:  ,Wir  haben  kein  sicheres  Mittel,  die  Bedeutung  der
Edelsteine  am  Brustschild  zu  ermitteln.  Der  Gadn  hat  dieselben ­
  nach  Willkür  übersetzt,  obwohl  er  keine  Tradition  zur
Stütze  hatte/  Au  die  zuerst  angeführte  Stelle  knüpft  Ibn  Esra
deii  allgemeinen  Tadel,  dass  Saadja  also  auch  bei  allen  Völkerund
  Ländernamen,  Thieren,  Vögeln  und  Steinen  verfahren  sei.
,Vielleicht  hat  ihm  ein  Traum  die  betreffenden  Erklärungen

1  Bach  ja  Ibn  Palmda  bemerkt  (Herzenspfiichten,  I,  10),  Saadja  habe  n
seiner  rationellen  Uebersetzung  der  Anthropopathien  die  Targumim  zum
Vorbilde  gehabt.  S.  auch  Munk,  Notice  sur  Saadia,  S.  44.
2  nbap  lb  px  '3.  Diese  vier  harmlosen  Worte  haben  Haneberg  (in  der
oben  angeführten  Abhandlung)  zu  einem  sehr  argen  Missverständnisse
geführt.  Nachdem  er  die  frühere,  von  den  Karäern  verbreitete,  irrige
Ansicht  wiederholt,  Saadja  sei  von  Salmon  ben  Jerochim  erzogen  worden, ­
  fährt  er  fort:  ,Daher  befremdet  uns  die  Nachricht  von  Ibn  Esra
nicht,  dass  Saadja  keine  Kabbala  annehme  (Gen.  2  nbap  ib  px)‘ü  d  aran
knüpft  Haneberg  eine  lauge  Anmerkung  über  die  ältere  Geheimlehre.
Munk’s  Nutice  sur  Saadja,  wo  die  ganze  Stelle  aus  Ibn  Esra  übersetzt ­
  ist  (S.  54),  war  schon  zwei  Jahre  vorher  erschienen  (1838).
            
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