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B aclie r.
legte und zusammenhäufte. Dadurch wird zum Theile das
Bild bestimmt, welches die jüdische Schriftauslegung dem
Blicke des geschichtlichen Beobachters darbietet.
Die Geschichte der jüdischen Schriftauslegung wird nach
dieser Seite hin vorzugsweise eine Geschichte der jüdischen
Bildung und Weltanschauung sein. Wie im Strome, der an
Städten und Ländern vieler Völker dahinfliesst, die mannigfaltigen
Gegenden und Sitze der Menschen sich spiegeln, so
erscheinen in den nach Jahrhunderten zählenden Phasen der
jüdischen Schriftauslegung die Reflexe der Gedankenwandlungen
und Entwickelungen, durch welche die Träger jener
Auslegung zu gehen hatten. Der platonisirende Philo und der
mutazilitische Rationalist Saadja, der Aristoteliker Maiinüm
und die Mystiker des Zohar, sie alle haben zu ihren nach
fremdem Vorbild, aber doch mit eigener Kraft aufgeführten
Gedankengebäuden nicht nur die Ornamentik aus der Bibel
geholt, sondern die tragenden Säulen ihrer Systeme suchten
sie auf das Fundament der heiligen Schrift zu gründen; sie
tlberbrückten mit kühnem Sinne die Kluft, welche so häutig
die Resultate des fremden Denkens, sowie die des eigenen
von den Lehren Moses’ und der Propheten trennte. Dass ein
solches Hineintragen fremden Gedankenstoffes in die Auffassung
der Bibel historisch berechtigt, ja nothwendig war,
wird kein Kundiger leugnenebenso unzweifelhaft aber ist es
auch, dass dabei für die Auffassung des natürlichen Schriftsinnes
, also für die eigentliche Exegese keine h örderung
erspriessen konnte.
Umfassender und scheinbar auch gefährlicher war ein
zweites grosses Hinderniss, welches einer unbefangenen Schrifterklärung
innerhalb des Judenthums in den Weg trat. Dasselbe
kam nicht von aussen, kam nicht von den subjectiven
Gedankenrichtungen einzelner Meister und philosophischer
Schulen, sondern es bestand in jener, lange Zeit fast das
ganze geistige Leben des Exil Volkes tragenden Lehrmethode,
von welcher die talmudisch-midraschische Literatur Zeugniss
ablegt.
Dieser Lehrmethode galt es in erster Reihe nicht, die
Schriftdenkmäler der Vorzeit einfach zu verstehen, sondern