Wortschatz und Sprachformen der Wiener Notker-Handschrift.
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Schreiber diesen Wechsel genau zum Ausdruck bringen, ein
anderer erinnert sich beim Schreiben so deutlich der überwiegenden
Anzahl der gehörten a, dass er vielleicht das Verhältniss
12 a zu 3 e herstellt, ein klügelnder kann sogar abstrahiren,
nur a sei der richtige. Aber es könnte selbst die Minorität
der Fälle zur Majorität werden. Für den unverständigen
können die durch Zufall zuletzt gehörten e der angenommenen
Endung massgebend sein. In seiner Orthographie würde dann
etwa das Verhältniss 5 a zu 10 e entstehen. Ist er dann ein
kurzsichtiger Pedant, so wäre sogar nicht unmöglich, wenn auch
nicht wahrscheinlich, dass er e durchführte. — Wohl aber dürfen
die Zeugnisse combinirt werden. Wenn ein Schreiber für eine
bestimmte Endung e, ein anderer e, i anwendet, so werden wir
das Motiv, welches den zweiten zur Schreibung des i veranlasste,
auch in der Erfahrung des ersten voraussetzen.
Dasselbe gilt von Formübertragungen. Es muss eine Zeit
gegeben haben, in welcher der Gen. Sing, der «-Stämme bald
mit a, bald mit o gesprochen wurde, ebenso der Dat. Das Verhältniss
muss anfangs für den Gen. gewesen sein a > o, für den
Dat. o>«, später Gen. und Dat. o >«, da sich zuletzt o für beide
Casus auch im Bairischen festsetzte. Aber der Verstand der
Schreiber braucht das nicht gleichmässig zu erkennen und zum
Ausdruck zu bringen. Die letzten Erfahrungen und ein verkehrtes
Streben nach grammatischer Correctheit und Folgerichtigkeit
können dazu beitragen, dass die statistischen Zahlen
Verhältnisse ergeben, wie sie nie einer wirklich lebendigen
Sprache eigen waren.
Formübertragung ist unserm Denkmal in hohem Grade
eigen und muss zur Erklärung auffallender Formen verwendet
werden, da sie z. B. bei a für o, für e, für i, für i, bei 6 für i,
hei -on für -ö?io die einzig mögliche ist.
Die Analogie wird oft durch vocalische Assimilation unterstützt,
wie es scheint auch an folgende Wörter. Da z. B. neben
Dat. Sing. Ubi, hiviili auch mundi, urfalli Vorkommen, so ist
es nicht räthlich, dieselbe Erscheinung durch zwei verschiedene
Ursachen zu erklären, für libi, himili Assimilation, für
nund, urfalli Färbung des e zu i oder Formübertragung anzunehmen.
Assimilation kann auf Fälle, wo ihre Bedingungen
fehlen, nur dann wirken, wenn durch eine übergrosse Anzahl