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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 81. Band, (Jahrgang 1875)

Wortschatz  und  Sprachformen  der  Wiener  Notker-Handschrift.

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Schreiber  diesen  Wechsel  genau  zum  Ausdruck  bringen,  ein
anderer  erinnert  sich  beim  Schreiben  so  deutlich  der  überwiegenden ­
  Anzahl  der  gehörten  a,  dass  er  vielleicht  das  Verhältniss
  12  a  zu  3  e  herstellt,  ein  klügelnder  kann  sogar  abstrahiren,
  nur  a  sei  der  richtige.  Aber  es  könnte  selbst  die  Minorität ­
  der  Fälle  zur  Majorität  werden.  Für  den  unverständigen
können  die  durch  Zufall  zuletzt  gehörten  e  der  angenommenen
Endung  massgebend  sein.  In  seiner  Orthographie  würde  dann
etwa  das  Verhältniss  5  a  zu  10  e  entstehen.  Ist  er  dann  ein
kurzsichtiger  Pedant,  so  wäre  sogar  nicht  unmöglich,  wenn  auch
nicht  wahrscheinlich,  dass  er  e  durchführte.  —  Wohl  aber  dürfen
die  Zeugnisse  combinirt  werden.  Wenn  ein  Schreiber  für  eine
bestimmte  Endung  e,  ein  anderer  e,  i  anwendet,  so  werden  wir
das  Motiv,  welches  den  zweiten  zur  Schreibung  des  i  veranlasste,
  auch  in  der  Erfahrung  des  ersten  voraussetzen.
Dasselbe  gilt  von  Formübertragungen.  Es  muss  eine  Zeit
gegeben  haben,  in  welcher  der  Gen.  Sing,  der  «-Stämme  bald
mit  a,  bald  mit  o  gesprochen  wurde,  ebenso  der  Dat.  Das  Verhältniss ­
  muss  anfangs  für  den  Gen.  gewesen  sein  a  >  o,  für  den
Dat.  o>«,  später  Gen.  und  Dat.  o  >«,  da  sich  zuletzt  o  für  beide
Casus  auch  im  Bairischen  festsetzte.  Aber  der  Verstand  der
Schreiber  braucht  das  nicht  gleichmässig  zu  erkennen  und  zum
Ausdruck  zu  bringen.  Die  letzten  Erfahrungen  und  ein  verkehrtes ­
  Streben  nach  grammatischer  Correctheit  und  Folgerichtigkeit ­
  können  dazu  beitragen,  dass  die  statistischen  Zahlen
Verhältnisse  ergeben,  wie  sie  nie  einer  wirklich  lebendigen
Sprache  eigen  waren.
Formübertragung  ist  unserm  Denkmal  in  hohem  Grade
eigen  und  muss  zur  Erklärung  auffallender  Formen  verwendet
werden,  da  sie  z.  B.  bei  a  für  o,  für  e,  für  i,  für  i,  bei  6  für  i,
hei  -on  für  -ö?io  die  einzig  mögliche  ist.
Die  Analogie  wird  oft  durch  vocalische  Assimilation  unterstützt, ­
  wie  es  scheint  auch  an  folgende  Wörter.  Da  z.  B.  neben
Dat.  Sing.  Ubi,  hiviili  auch  mundi,  urfalli  Vorkommen,  so  ist
es  nicht  räthlich,  dieselbe  Erscheinung  durch  zwei  verschiedene ­
  Ursachen  zu  erklären,  für  libi,  himili  Assimilation,  für
nund,  urfalli  Färbung  des  e  zu  i  oder  Formübertragung  anzunehmen. ­
  Assimilation  kann  auf  Fälle,  wo  ihre  Bedingungen
fehlen,  nur  dann  wirken,  wenn  durch  eine  übergrosse  Anzahl
            
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